Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 7 (5.4.1912)
- Date
- 1912-04-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 „Kette Nättenäl-Meitüng'' Seite 3 tragen muß» und die niäh sieh so leicht als möglieh macht, oder die ihnen von ihren schöngeistigen Abbes in frömmelnden, heuchlerischen Worten als eine Art Andenken an Urväter Zeiten geschildert wird. Schwache, rückgratlose Gesellen sind die alle, die nie Großes gedacht oder geschaffen haben. Die Zukunft des Judentums aber liegt in dön Händen der Tapferen, der Starken, die sich aufraffen Und mächtig die Arme recken, um ihrem Volke zu helfen. Wo sind sie? Warum zaudern sie? Spricht Vergangenheit und Gegenwart unseres Volkes nicht zu ihnen? Bedroht ist die Zukunft des Judentums. Tückische Feinde und falsche Freunde zweifeln an ihr. Wir aber bedürfen der Kämpfer und Ueberwinder. Sollten sie wirklich in der Mitte eines Volkes ausgestorben sein, das ein Fest der Freiheit feiert, ein Erlösungs-, ein P e s s a hfest? . . . t)ie Auswanderungs-Enquefe und die jüdische Emigration. Wie wir bereits in der vorigen Nummer berichtet haben, wurde am 16. März die vom k. k. Handelsministerium einberufene Auswanderungsenquete eröffnet. Gegenstand derselben war die Einholung von fachmännischen Gutachten über die bei Verfassung eines Auswanderungsgesetzes zu beachtenden Kautelen, resp. von Informationen der verschiedenen Bevölkerungskreise über deren speziellen Wünsche. Es waren fast alle Nationalitäten durch ihre Abgeordneten, Fachsehriftstfeller und Emigrationspraktiker vertreten. Auch die Juden. Allerdings haben die meisten, so interessant ihre Ausführungen auch sein mochten, die Frage der jüdischen Emigration gar nicht berührt: Dr. Benis, Kais. Rath Lichtenstadt, Dr. Merwin, Dr. W e i s 1. Umso eingehender beschäftigten sich mit diesem Thema Dr. S. R. Landau und Abg. Dr. Strauch er. Letzterer war auch der einzige jüdische Abgeordnete, der sich an der Enquete beteiligte. Alle anderen, sowohl die Wiener Abgeordneten Küranda und Dr. 0 f n e r, als auch die Mitglieder des Polenklubs und des sozialdemokratischen Verbandes, denen es leicht gewesen wäre, sich zur Enquete Zutritt zu verschaffen, haben es vorgezogen, derselben fernzubleiben. Bemerkenswert ist es, daß weder die Wiener „Israelitische Allianz", noch der „Hilfsverein für Galizien" Einladungen erhielten. Den Vorsitz in der Enquete führte Ministerialrat Dr. Kaützky, der Ressortchef für die Auswanderung, dem Ministerial-Vizesekretär Dr. von S r b i k und Ministerialkonzipist Ritter von Gniewosz vom Handelsministerium zur Seite standen; die Ministerien des Aeußern, des Innern, des Handels und für Gaiizien waren durch Referenten vertreten. Der formelle Vorgang bei der Abgabe der Gutachten bestand darin, daß die Experten, die partienweise im Laufe von 14 Tagen zum Worte kamen, die Si Punkte des ihnen vorgelegten Fragebogens einzeln beantworteten. Die jüdische Auswanderung. Die jüdische Auswanderung unterscheidet sich im großen und ganzen durch nichts von der allgemeinen Ausw^Metting; Sie wird ebenso hervorgerufen durch Notlage und Erwerbslosigkeit; öle bildet ebenso das Objekt der Ausbeutung gewissenloser Agenten; sie hat mit den gleichen Schwierigkeiten bei der Landung au kämpfen. Der durch ein Auswanderungsgesetz zü organisierende Schütz der Auswanderer Wird also auch ihnen tum Nutzen gereichen. Wenn nun nichtsdestoweniger Dr. Landau und im Anschlüsse an dessen Ausführungen auch Dr Straucher eine besondere Rücksichtnahme auf manche Eigehart der jüdischen Emigration verlangten, so geschah dies hicht aus spezifisch jüdischen Gründen, sondern aus rein volkswirtschaftlichen und nationalen Erwägungen, wie solche auch von den Angehörigen der änderen Nationalitäten im eigenen Interesse geltend gemacht wurden. Diese Erwägungen betreffen vorerst die Durchwanäerer. Der dritte Punkt des Fragebogens verlangt von den Experten ein Gutachten darüber, ob der Schutz des Gesetzes nur auf österreichische Staatsbürger zu beschränken oder vielmehr auf Ausländer auszudehnen sei. Diese Frage wurde von Dr. Landau und Dr. Straucher bejaht. Hier kommen in Betracht die zahlreichen jüdischen Auswanderer aus Kussisch-Polen und Rußland, welche, wenn einmal auf österreichischem Boden befindlich, auf ihrer Weiterreise den Schutz der österreichischen Behörden, dann aber bei der Uebersehreitung unserer Grenzen und bei der Einschiffung im Hafen sämtliche Erleichterungen und Dienste unserer Emigrationsorgane in Anspruch zu nehmen berechtigt sein sollen. Diese Vorteile kämen ja nicht bloß den Juden, sondern auch den polnischen Bauern aus Russisch-Polen zugute. Der Staat hat die Pflicht, sie als Gäste zu behandeln, da sie Geld ins Land bringen, indem sie unsere Eisenbahnen benützen und sich tagelang hier verpflegen. Diese Durchwanderer sind also gleich zu behandeln, wie die auswandernden österreichischen Staatsbürger; es darf keine Maßregel getroffen werden> welche gegenüber dem Ausländer zur Schikane werden könnte. Wir kommen nun zur Frage der Aiiswandenings Legitimation. Im Punkte 5 ist die Frage enthalten, ob die Beibringung einer solchen Legitimation obligatorisch oder nur fakultativ einzuführen sei. Auch hier sprach sich Dr. Landau im Hinblick auf die Durehwanderer, die beim Ansuchen um eine solche Legitimation verschiedenen Schikanen einzelner Bezirkshauptmannschaften ausgesetzt sein könnten, nur für die fakultative Legitimation aus. Auskunftserteilung. Bei diesem Punkte ergriff Dr. Land a ü die Gelegenheit, um an der Hand eines überaus reichen statistischen Materials die große Bedeutung der jüdischen Emigration und damit auch die Pflicht der Regierung darzulegen, auf die Eigenart dieser Emigration Rücksicht zu nehmen. Dr. Landau Wies nach, daß die jüdische Emigration aus Europa an erster Stelle rangiert. In den Jahren 1899/190Ö bis 1908/9 sind aus Europa 681.432 Juden, dagegen bloß 392.226 Polen emigriert. In Oesterreich figurieren,die Juden an zweiter Stelle, nach den Polen. In den Jahren 1900 bis 1907/8 Sind aus Oesterreich 131.238 Juden ausgewandert. Und um diese jüdischen Emigranten kümmert sich in Oesterreich niemand. Hier