Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 6 (22.3.1912)
- Date
- 1912-03-22
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Neue National-Zeitung' Nr. 6 GEM£IN05sun& VSRekNSNfcUtfiUTON Wien. (E i n o Run «1 g filiUTlg i Si r R »> bbiner M. May eisch n.) Am vorletzten Donnerstag hat im Restaurant G-uth eine von mehreren jüdischen Ve»rie'imen einberufene Versaniiud'ung stattgiefunden, in welcher die Anwürfe freiem Rabbiner Mayersohn widerlegt werden sollten. Den Vorsitz führte ll&rr März; das Referat ersfettete Herr S p o r e r, weicher den Rabbiner Mayers ahn gegen seine Angreifer in Schutz nahm u/nd alle Anfeindaiiiigon aiuisfiiiihriich widerlegte. Es sprachen noch die Herren Dt. L i f c z i c. Dr. Zipper, Waldmanji und Pliaschkes. Vom Ku*l tu s vorstände ist niemand erschienen. Wäre es nicht in erster Linie Pflicibt dies Knltosvoa-standes, die Rabbiner in Schutz zru nehmten, wenn gerade seine Rabbiner-Tätigkeit bekrittelt wird? Herr Rabbiner Mayiersiohtn dürfte sich in letzter Zeit überzeugt haben, wo seine waihren Freund!© sj«nd. Wien. Der Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender (II, Malzgasse 1) hat am letzten Sonntag die Einweihung einer Sefer-Thora gefeiert. Nach der Begrüßungsansprache des Obmann-Stellvertreters, Herrn Rudolf Goldstern, wurde die Schlußausfertigung der Sefer-Thora unter zahlreicher Beteiligung der Festgäste vorgenommeu Hierauf trug Herr Oberkantor Mayer Scborr unter Begleitung seines Chores Psalmgesänge vor. Die Festpredigt hielt Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. S. Rubbin, welcher in geistreicher Ausführung die Bedeutung der Feier würdigte. Herr Kultusvorsteher Brod sprach namens des Kultusvorstandes einige Worte des Dankes und der Anerkennung, welche auch eines gewissen Hinweises auf aktuelle Fragen des Judentums nicht entbehrten. Unter Absingung der Volkshymne wurde diese würdevolle Feier beendet im ftUEN WCltf CilCN Leopold von Sachs. Kaiserlicher Rat Leopold Sachs, der bekannte Philautrop und gewesene Kuitusvorsteher, wurde vom Kaiser in Anerkennung seiner Verdienste in den Adelsstand erhoben. Herr von Sachs hat bekanntlich sein Mandat niedergelegt, weil die Majorität des Vertreter-Kollegiums den Beschluß gefaßt hat, anläßlich des Todes von Dr. Lueger der Stadtgemeinde zu kondolieren. V. jüdischer Tarntag. Am 26. und 27. Mai dieses Jahres wird die jüdische Turnern haft in Berlin ihren V. TüTutna abhalten. Anschließend an die Tagung wird u. a. das erste jüdische Sportfest stattfinden, bei dem sieh n. a. Fußball- und Hockeymannschaften der verschiedenen Vereine gegenübertreten werden. Außerdem werden leicht- und schwerathletische Konkurrenzen stattfinden. Der Verband steht auf dem Boden des Nationaljudentums und wurde gelegentlich des sechsten Zionistenkongresses in Basel im Jahre 1903 gegründet. Er umfaßt etwa 3500 Mitglieder in Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Bulgarien, Eumänien, und der Türkei. .Indische Landeskonferenz in Budapest. Auf Anregung des Präsidenten der jüdischen Kultusgemeinde in Szabadka, Dr. Adolf Klein, fand am 20. Februar in Budapest eine Landeskonferenz der jüdischen Kultusgemeinden statt, an der über 600 Delegierte der Kultusgemeinden des Landes teilnahmen. Die Konferenz hatte den Zweck, die Frage zu erörtern, auf welche Weise eine einheitliche Autonomie der in drei Lager gespaltenen jüdischen Kultusgemeinden (orthodoxe, neologe und Statusquogemeinden) erzielt werden könnten. Es wurde eine Resolution angenommen, derzufolge noch im Laufe dieses Jahres ein Landeskongreß der jüdischen Gemeinden aller Richtungen einberufen werden soll, der die Aufgabe kaben wird, den Frieden zwischen den verschiedenen jüdischen Parteien im ungarischen Judentum wiederherzustellen, damit der jüdischen Glaubensgemeinschaft die ihr im Sinne der Gesetze gebührende Autonomie auf einheitlicher Basis gesichert werden könne. — Die Einheitsbestrebungen, deren Wortführerin die Landeskonferenz war, werden übrigens von der Landesvertretung der orthodoxen Kultusgemeinden (orthodoxe Landeskanzlei) entschieden b ek ä m p f t. Diese strebt eine separate Autonomie der orthodoxen Gemeinden an und will von einer organisatorischen Gemeinschaft irgendwelcher Art mit den fortschrittlich (liberal) gesinnten Gemeinden nichts wissen. Bisher hat es die ungarische Regierung vermieden, in dieser Streitfrage Stellung zu nehmen. Von ihr allein hängt es aber ab, ob die ungarische Judenheit nach dem Muster der christlichen Konfessionen eine auton me Verfassung überhaupt — auf einheitlicher oder dualistischer Grundlage — erhalten wird. Große Neigung, den Juden dieses Zugeständnis zn machen, scheint bei der Regierung nicht vorhanden zu sein, vielmehr bietet ihr die Haltung der orthodoxen Landesvertretung offenbar den erwünschten Vorwand, den Juden das ihnen gesetzlich zustehende Recht zu versagen. Eine Dreimillionenspende. David Ritter v. Gutmann hat der israelitischen Kultusgemeinde Wien einen Betrag von 3,000.000 K zur Verwendung für ein Kinderspital „ohne Unterschied der Konfession" zur Verfügung gestellt. Die bei der Kultusgemeinde dermal vorhandenen und in Zukunft etwa hinzugekommenen Stiftungen oder Widmungen für ein jüdisches Kinderspital sollen für die Errichtung und Erhaltung des in Rede stehenden Kinderspitals mitverwendet werden. So einfach ist aber die Sache doch nicht. Die bei der Kultusgemeinde erliegenden Stiftungen sind nur für ein jüdisches Kinderspital bestimmt. Eine Vereinigung dieses Stiftungsvermögens mit der Gutmann'schen Spende, die auch für christliche Kinder gilt, widerspricht daher dem Willen der Spender. Der Prozess gegen den Uralsker Polizeimeister. Anfangs dieses Monats fand vor dem Militärgericht in Saratow die Verhandlung gegen den gewesenen Polizeichef von Uralsk, Liwkin statt, der die beiden Juden B e n j a m i n o w i t z u n d B i e 1 o s t o t z k i, welche ihn bei seiner vorgesetzten Behörde wegen seiner fortgesetzten Erpressungen angezeigt hatten, kurzerhand niederknallte. Liwkin war ein judenfeindlicher Wüterich schlimmster Art. der von den Juden in Uralsk horrende „Abgaben" erhob und sich durch seine Erpressungen ein großes Vermögen erwarb. Schließlich konnten die jüdischen Bewohner die unersättliche Geldgier des Polizeioberhauptes nicht mehr ertragen, und die genannten zwei jüdischen Kaufleute erstatteten gegen Liwkin die Anzeige beim Gouverneur, der eine strenge Untersuchung anordnete. Aus Rache erschoß Liwkin die beiden auf offener Straße. Das Militärgericht in Saratow hat gegen den Polizeimeister Liwkin folgendes Urteil gefällt: Die Mordtat an den beiden Juden sei mit Vorbedacht, aber im Zustande höchster Erregung vollbracht worden. Liwkin wird zu einer Gefängnisstrafe von 3 Jahren und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Ferner muß er den Witwen der beiden Ermordeten eine Rente von je 20 Eubel monatlich(!) als Schadenersatz zukommen lassen. Das Urteil erregt peinliches Aufsehen. Russisch-antisemitische Zeitungen in New- York. Die russische Regierung hat eine echt russische Revanche für die Kündigung des Handelsvertrages seitens Amerika ersonnen, indem sie in New-York eine blutrünstige Zeitung gründen ließ, welche aus Rußland große Subventionen erhalt. Das neue Blatt „Rußkij Imm igr ant" ist wohl