Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 6 (22.3.1912)
- Date
- 1912-03-22
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 6 Neue National-Zeitung' Seite 9 davon bestimmt, oh sio dorn Sänger ..liegen", sondern nur davon, ob sie iiüu.-siikiiilisrh und textilidi begründet sind. Der Sänger hat weiter tl'o.ii Ges.aimfct.il und da.3 Milieu de> Stulcke-s zu berücksichtigen. Man dollte iuwiehuien. daß durch diese allgemein künstlerischen Grundsätze nucili die Vortragsart dos Temnetlgesanges bestimmt weriten sohlte, bostimmit. durch den Ort. vuir ndl.an ab-eir durch die Wirkung, die er hervci bringen soll; das heißt, der Teuuiicilgesaug «uüßte ei/no weihevolle, gfohohono Stiiiiiinuinjr lier\ rrbringeai. d<io die Andacht der Gemeindie wecken und unterstützen soll. Was hören wir .über Jm vielen Tempeln V Wir hören einen He>rrn. d.nr sieh iui.-e'hginomd Müihe grbt. C.mmis-o zu kopieren, der singt, .als ob er ein gcbmachitenduvs LLob&s'lied einer italienischen Oper vortragen würde, das er jn.it zaiMrekthwi „süßen1" Falsotttönen, Trillern usw. iiu&ytattot, wchoi it nicht verfehlt, mit einem hoihen Ton «ilrf Appell an den Applaus doi;- Galerie zu schließen. Der Mann >imgt mit einem \V.orio so. als ob es ihm um eine e r o tische Wii-kiiinir. nicht im\ eine weihevolle zu tun wäre. Dissen bestimmten Eindruck hatte ich unlängst an einem Freitagabend i m 1, e o n o 1 .1 s t ä d t e r Tempel. Ich glaubte einen O p e r e t t e n s ä n g e r zu hören und fühlte mich von diesem „Gottesdienste" abgestoßen. Ich kann eiimen solchen Gesiaaig nicht anders als Entweihung' eines heilig .s>eiin seilenden Ortes bo/eiAl.'.neii. Es wäre sehr zu wünschen. daß den Kantoren in der Schule der Sinn für die Würde anerzogen wird, mit der lituirgische Gesänge auisget'ü.hrt wenden sollen'. Daß dieser Teinnplgosang bei einem großen Teil des I ■iil ilikimri.s als grar nicht anstößigempfutnden wird, daß dieses Gemisch von Frivolität und vorloigener Sentimentalität als ein dem religiösem Empfinden adätiuatiox Ausdruck hingeniomwnen wird, zeigt einen beklagenswerten Tiefstain.fi U n s e r er R el igiomsuib iiiin r. Wien, im März 191*J. Richard L i s s a. u. * * Wie lange noch? (Zur Raibbinorwahl in der Leopoldstadt.) Geeilurto Redaktion! Wie lange noch wi>d der Kultuisivw-stand die Geduld der Gemeinde miß braue hon? Wie lange noch wird die Leopoldstadt dior Tumiimelplatz agitab i'ischer Instinkte sein, der SpittliboM in den Händen vom Protektoren und Agnaten V Wie lange noch wird <dii<<? Kanzel in der Leo.poiklstaidt Unbesestzt bleiben und als Redinerbühne konkurrierender Rabbi inor und Prediger in den Ang-en der Lipoids tädtor Gemeinde selten'? Wie lange noch werden es sich die Rabbiner Wiens gefallen lassen, vom Vorstände, gelhänselt, ■mißbraucht und besdiämt zu weffd-en? Wie lange noch weideji sie d«i<zu schweigen, daß man ihnen, den Gewählten der Gemeinde gögteni Wunsch und Willen der Mitglieder umd gegen Recht und Vernunft Prediger von auswärts auf den Nacken (htetzt? Wie lange nie c.h werden sich aber solche auswärtige Prediger und Rabbi moir dazu benuifczietn lassen, Amtsbrüde/r zu beleidigen und zuirüek zusetzen; werden sich Rabbiner finden, welche es nicht als unehrenhaft betrachten, Prolicrcdcn in Wiener Kreisen zu halten, die keinen Rabbiner in ihrer Mitte dulden? Wie lange noch werden die Weener B.-B.-Vereinigrungen dieses unehrliche Spieil treiben, das sie und die Rabbiner vor der ganzen Welt herabsetzt? Wie lange noch werden die Mitglieder diie s K u iL t iu s v e cn si ta nd e s, welchve ig,l ei eibzeitig Mitglieder der B.-B.-V e r e i n i giu n g sind und dort führende Stellungen einnehmen, ihre Rabbiner gesellschaftlich deklassieren? Wie lange noch wiurd der Vorstand all diese Ehrenkränkungen, Zurück Setzungen, Intriguen, Machinationen um den Leiopoldistädter Rabbinersitz dulden? Wie lange no'ch? Ein Theologe. fBDRRCSPONDeNÄN Oesterreich-Ungar», Die Ausweisung galizischer Juden aus Ungarn. Wien. Der Abgeordnete Dr. Strauc Ii er und Genossen haben am 21. d. M. nachstehende Interpellation im Parlamente überreicht: An Ihre Exzellenzen, den Herrn Ministerpräsidenten und den Herrn Minister des Innern! Seit Jahr und Tag häufen sich die Fälle, dail in Ungarn österreichische Staatsbürger nur deswegen, weil sie galizische Juden sind, von den dortigen Behörden, insbesondere von der Grenzpolizei in rücksichtsloser, u n m e n s o h 1 i e h e r W e i s o aus d e in Lande v e rj a g t ii n d n m ihre w i r t s e h a f 11 i e h e Existenz g e w a 11 .< a in g e bracht w erden. Es sind darunter österreichische Staatsbürger, welche seit Jahrzehnten in Ungarn wohnen, es durch ihren Fleil) und ihre Rechtsehattenheit zu Vermögen und Ansehen gebracht haben, somit nach jeder Richtung rechtschaffene und einwandfreie Bürger sind und dennoch werden diese Leute durch einen Ukas der Komitats-Pasehas aus Hu ein Heim gerissen und brutal fortgejagt .... So geschah es beispielsweise uii! : M anasse Freilich, einem 60jährigen Mann, der vor 58 Jahren ans Oesterreich nach Ungarn kam, der seit 35 Jahren mit einer geborenen Ungarin verheiratet und in Felsöszinowor (Marmaroser Komitat) steuerzahlender Bürger, denn Besitzer von Liegenschaften und eines offenen Ladens ist. Dieser Mann wui-de ohne jeden Grund vom okormezöer Oberstuhlrichter Emil Zombory plötzlich ausgewiesen und mußte binnen 24 Stunden seine Frau und zehn Kinder verlassen M ad 1 Leib in Sztropko. seit 15 Jahren in Ungarn, seit 9 Jahren mit der Tochter des dortigen Rabbiners verheiratet, der 140 K jährlich Steuer zahlt, wurde vom Hauptmann der Bartfelder Grenzpolizei, Josef Bano, plötzlich ausgewiesen, mit der Aufforderung, das Land binnen 15 Tagen zu verlassen. Die Zahl der galizisehen Juden, die nach echt russischem Muster von ungarischen Behörden behandelt, d. h. rücksichtslos wirtschaftlich niedergestampft werden, läßt sich gar nicht genau feststellen. Die ungarischen Behörden, speziell an der ungarisch-galizischeu Grenze, behandeln die galizischen Juden, die doch österreichische Staatsbürger sind, als v o g e 1 f r e i und rechtlos. Die Endesgefertigten erlauben sich die Aufmerksamkeit Euer Exzellenzen auf die Mißstände zu lenken, und die Anfrage zu richten: Was gedenken Euere Exzellenzen zu veranlassen, um die iß Ungarn ansässigen, aus Galizien stammenden österreichischen Staatsbürger gegen die Brutalität und Willkür ungarischer Behörden zu schützen? Unsere P. T. Abonnenten werden um die Begleichung der rückständigen Abonnements-Gebühr höflichst ersucht. Die Administration,