Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 6 (22.3.1912)
- Date
- 1912-03-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Neue National-Zeitung" Seite 5 Armin Vämbery. Zum 80. Geburtstag. Am 19. d. M. wurde von allen gelehrten Körperschaften Ungarns, von den zahlreichen Verehrern und und Schülern Armin Vämberys, dessen 80. GeburUtug gefriert. Der heute noch wunderbar rüstige und agile Gr« is sieht auf eine Laufbahn voll von Mühseligkeiten, EnUx hrungen, Kämpfen und Erfolgen zurück. In seinem zweibändigen Memoirenwerk »The story of my struggles" schilderte er dasselbe sehr ausführlich. Als Sohn eines blutarmen jüdischen Hausierers (V a roher ge r) in Szerdahely geboren, besucht er die dortige jüdische Schule und erregt schon dort durch sein gn nz außerordentliches Gedächnis sowie durch seine eiserne Willenskraft Aufsehen. Zwölf Jahre alt, verläßt er das Elternhaus, geht zu Fuß nach Pozsony und besucht, seinen Lebensunterhalt mit Lektionen verdienend, das dortige Piaristen-Gymnasium. Hier lernt er ungarisch, deutsch, Latein und griechisch und vervollkommnet sich im Hebräischen, lernt französisch, italienisch, englisch, spanisch, russisch und verblüfft seine Professoren durch sein ganz außerordentliches Sprachentalent. Als dann aber Jung- Vämbery noch in seiner Gymnasialzeit auch die türkische, arabische und persische Sprache erlernt, da kennt das Staunen seiner Professoren keine Grenzen und der Direktor des Pozsonyer Piaristen-Gymnasium machte den eben aus dem Auslande heimkehrenden Baron Josef Eötvös — auf diesen zweiten Mezzofanti aufmerksam. Nicht ganz 22 Jahre alt, langte der geniale Armin Vämbery mit Unterstützung der Akademie der Wissenschaften in Konstanlinopel an. Er begann nicht nur die orientalischen Sprachen zu lernen, sondern er studierte auch den AUKoran, die Bibel des Islams. Als man ihn als Ausländer ausweisen wollte, verlangte er den Schutz des österreichischen Botschafters — der ihm versagt wurde. Er begab sich zum englischen Botschafter und dieser nahm den fließend englisch und türkisch sprechenden jungen Mann unter seinen Schutz, ja noch mehr, er empfahl ihn dem Scheich ül Islam Hussein Pascha, der seinen Sohn von Vämbery in der französischen und englischen Sprache unterrichten ließ. Von Hussein wurde der „Küdschük Kaissarli Madscharli" (der kleine hinkende Magyare), wie Vämbery in Konstantinopel allgemein genannt wurde, dem damals allmächtigen Fuad Pascha, dem ersten Reformtürken, empfohlen, dessen Sekretär er wurde. Sieben Jahre lang, von 1854 bis 1861, studiert Vämb6ry in den Hochschulen und Bibliotheken Konstantinopels die orientalischen Sprachen. Als dann im Jahre 1861, mit dem Tode des Sultans Abdul Medschid, Sultan Abdul Aziz zur Regierung gelangte, verließ Vämbery mit einem Ferman des neuen Sultans ver¬ Professor Armin Vämb£ry. sehen, als Derwisch Reschid Effendi Konstantinopel, um seine Forschungsreise in das Innere Asiens anzutreten. Er zog als Derwisch durch Armenien, Persien, Bochara und Sarmarkand bis in das Innere von Tibet, in Gebiete, die vor ihm noch keines Europäers Fuß betreten. Unter tausendfältigen Gefahr* n durchqnerto er di>se Länder und als r bn Jahre i Mi5 Ülier Konstiinttnopel n.uh IWJi nach H ii-e k in. d.i wurde er, auf den freilich schon die englische Pres-e aufmerksam gemacht hatte, mit Jubel empfangen und 1865 zum Professor der orientalischen Sprachen an der Budapester Universität ernannt. Vämbery hat das Ergebnis seiner Forschungen in einem epochemachenden Werke „Reise in Mittelasien" veröffentlicht. Die von ihm vermittelte Kenntnis Mittelasiens und der dortigen politischen Verhältnisse fand in zwei Staaten die gebührende Aufmerksamkeit: in der Türkei und in England. Er wurde gar häufig in mittelasiatischen politischen Fragen sowohl in London als auch in Konstantinopel zu Rate gezogen und sowohl in London als auch in Konstantinopel fand Vämbery eine Verehrung, die hier im Lande fast unglaublich erscheint. Die persischen Schahs und die japanischen Kaiser haben ihn durch hohe Orden ausgezeichnet. Als unsere Monarchie daran ging, Bosnien und Heizgovina zu annektieren, legte Graf Aehrcnthal auf den Rat Vämberys und seinen Einfluß bei den Jungtürken großes Gewicht. In London zählte Armin Vämbery zu den Lieblingen der Königin Viktoria und des Prinzen von Wales, des späteren Eduard VII. Auch der jetzige König Georg V. schätzt ihn in hohem Grade. Und er stand seit den Zeiten Lord Palmerstons bei allen englischen Politikern in hohem Ansehen. Er zählte zu den persönlichen Freunden Lord Beaconsfields, William Gladstones, des Herzogs von Devonshire, Lord Russeis, des Marquis of Roseberry und des Marquis Salisbury, mit denen er in ständiger Korrespondenz stand. Seine intimen Beziehungpn zum Sultan Abdul Hamid machten es Vänbery möglich, mit Rat und Tat den Führern der zionistischen Bewegung beizustehen. Er tat es sehr gern; er führte Dr. Herz! beim Sultan ein, er versuchte dies beim König Eduard VII, Dabei hat Vämbery die optimistischen Anschauungen Dr. Herzls betreffs Palästina nie ganz geteilt und vom raffinierten Geschäftsgeist Abdul Hamids nichts erwartet. Auch Herr Wolffsohn hat während seiner Präsidentschaft wiederholt Prof. Vämbery besucht und um Rat gebeten. Vämbery ist kein ungaiischer Chauvinist, sondern vielmehr ein großer Anhänger des jüdischen Nationalgedankens; möge die jüdische Volkssache noch recht lange sich seiner wertvollen Unterstützung und seines reichen Wissens erfreuen. __k^ ^x'^y., ( .<5V. A*-*"-/?*?}?.