Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 5 (8.3.1912)
- Date
- 1912-03-08
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Neue National-Zeitung" Nr. 5 Saison zwischen 700.000 und 800.000 Kisten. Nicht unerheblich ist auch der .Absatz nach Aegypten und dor onropäischen Türkei. Neuerdings hat sich auch "Rußland als guter A' mdimor erwiesen, und es sind Versuche im Gange, neue Märkte in Südafrika und Australien für die Orangen zu erschließen. Kleinere Mengen nehmen ' >esterr<'ieh. Frankleioh und rtalion auf. Der Verkauf in Deutschland beschränkt sich im wesentlichen auf die Zeit vom Spätherbst Iiis Anfang Dezember. ]>ie Einfuhr belief sieh hier in der Kampagne Ii) 10;iuf etwa 1O.00Ö Kisten und hat in der diesjährigen Saison ungefähr die gleiche Höhe erreicht. Kür den im April d. .1. beginnenden Bau der Eisenbahnlinie A p h u 1 e—J e r u? a 1 <- m w rd"ii die technischen Voi arbeiten emsig durchgeführt. Durch die neue Linie - rhält bekanntlich llaif:! eine direkte Eisenbahnverbindung mit Jerusalem. Aphule liegt an der Kisenhahnstrccke Ilaifii—Damaskus und hier wird die neue Bahn nach Jerusalem hin — über fJanin und Nablus (Si hem) — abzweigen. Die Länge dieser Linie beträgt ca. 170 km, also doppelt soviel als die Stre kc Jaffa—Jerusalem. Der Bau dürfte drei Jahre, in Anspruch nehmen und wird einen Kostenaufwand von annähernd 40 Millionen Kranes erfordern. Soeben ist aus der Keder des Kolonisten S. Gohen- L i p s c h ü t z eine hebräische Schrift über den G e m ü s eb a ii in Palästina erschienen. Das Büchlein enthält in volkstümlicher Darstellung alles Wissenswerte über diesen in Palästina wonig gepflegten Zweig der Landwirtschalt, dem sich jedoch neuerdings wieder das Interesse weite)- Kreise zuwendet. Der Autor besuchte seinerzeit die Aekerliauschule ,.Mikwoh Israel" bei Jaffa und war dann jahrelang in den jüdischen Kolonien als Landwirt praktisch tätig. Em hiesiger angesehener jüdischer Bürger, Herr Mendel R a n d. beabsichtigt, im Verein mit anderen jüdischen Kaufleuten eine mechanische Weberei in Jerusalem zu eröffnen, die 200 jüdische Arbeiter beschäftigen soll. Das Aktienkapital des neuen Lnternehmons beträgt -2()0.O(H) Francs, wovon Herr Rand selbst die Hälfte gezeichnet hat. ^US ftlLCN WCISHiLEN GEM&N[>e=üNf> V&REkNSNW5RiCTCW Wien. (Ein e. P ro-t« s t v e rsamm 1 u n g.) Dien sf a g, (ton 27. Fobru-ar, hat dfivo von Hwr-rn. S. Komwt pi'ti'Ix'i ufene Vensaiiiiiii/luinir stiattii-efinwlein, woltclhe unter denn Seliki,<rwoTto oiin^-r OrfKiniftatioin der 40.000 polnischen Jiulen in Wien eigentitixdi dien Zwecik hatte, .pioiiroin 'den Rabbiner der p-oin/ksciliiein Synagoge, Herrn Ma y cf sfl Im, Stellung zu nehmen. So syinpath*i«'Cth uns flaist jodle Opposition gos;en die PaistharwiTitisicihaft in der SeitenistetteniSKisse utntl (He G'iia»Rtlinge dorsetlbon ist, w hat uns diese Art dos Kampfes geradezu a n ir o w <i d e r t. Es «rehit nicht am, diaß ein Herr Kennet und -ein ..Kefeireoit", lein iiwitrer Buirs che, eräiien a!:ten Rabbiner b c s c h i in p f e n, daß sie den Raibbiner Mayersohn.;t!s Rosch-Beth-Din, wegen der Arr, wie er die Taxen für Scheidt--iiren und Levirats-Ehcn bostimmit und einhebt. angreifen, i .iuegen den Herrn Obomubbimor (Viiidiemamn, mit dem o r ja :i 11 o s toll >t, für siaikr«sa.inkt orkläron. Dar Schulz <les (M rra'hbiners umd des Kii'ltusvotrstatiHleis von die>e!r Seite i.-t roalut bozeichnemd. Zu <iie»e<r Versamniiliuing ist keiin eimiziger Kultu>svwstehe.r erschienen, wiewohl laille Herren ewiErela/den waren und irenau wnißtcn. was Imct vioirkioimmiicn wind. Daß auch Dr. Anselm HeMpern, der mm Mandat lediglieh dorn Rabbiner Mäiyersohin zu rerdianken hat, diolr VoTislaimini'liin.<r fernblieb, dürfte füT Rabbiner Miayersehn eine Lehre sein, sich künftii.Ljihiin seine Protekt.iofnsikindieir sroin auw anziiisrihen. Wie wir hören, hörntet die Mayorsnhn-Pa.ritei oine eiirenc \'crsaininlii!i<r vor. Reiigionswecliscl auf dem Totenbett. Am 24. Februar ist in Budapest der gewesene Vizepräsident der Ibidapester Waren- und Effektenbörse Max v. X e u m a n n, im Alter von Ii Jahren gestorben. Die in den blättern veröffentlichte Traueranzeige der Familie brachte eine große Ueberrasehung, denn sie besagte, der Verstorbene werde nach dem Ritus der röraisc h-k a t h o 1 i s c h e n Kirche begraben werden. Die Ueberrasehung war um so größer, als allgemein bekannt war, daß Ncuinann bis an sein Lebensende der Bndapester isratditiseben Kultusgemoinde als Mitglied angehörte, daß er ferner schon vor längerer Zeit eine Grabstätte auf dem Kercpeser Friedhof angekauft und den Wunsch geäußert hatte, zwischen seiner fJattin und seinem Bruder ruhen zu wollen. Die Leitung der „Pester <'hewra Kadiseha" deren Mitglied der Verstorbene war, hat sofort nach dem Bekanntwerden der Parte an kompetender Stelle, Vorstellungen erhoben, da es klar war, daß die Taufe in der letzten Lebensstunde Neumanns, möglicherweiser zu einer Zeit, da er nicht mehr bei vollem Bewußtsein war,' erfolgt sei. Nichtsdestoweniger hat unter starker polizeilicher Assistenz das Leichenbegängnis Neumanns nach katholischem Ritus stattgefunden. Die Polizei hatte jedoch keinen Grund zum Einschreiten, denn die Jvoiehenfeier, der zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten beiwohnten, ging in vollster Euhe vor sich. Die Zeremonie vollzog Kaplan Huszar, selbst ein getaufter Jude, der auch bei der Wegtaufe interveniert hat. Zum Kiewer Ritualmordprozess. Die Gerichtsverhandlung gegen den des Mordes an dorn Knaben Justschinsky angeklagten .luden Beilis findet im Mai d. J. statt. Als Sachverständige für die Frage des Vorhandenseins sogenannter „Ritualmorde" bei den Juden hat die Verteidigung eine Reihe russischer Universitätsprofessoren — Theologen, Orientalisten, Psychiater, Chirurgen — sowie den Berliner Professor Strack vorgeschlagen. Unter den Verteidigern von Beilis befindet sieh auch der hervorragende Advokat B o b r i t s c h e w - P u s c Ii k i n. Die infolge der Enthüllungen des Journalisten B r a sul-Il rusclitows k y verhaftete Frau T s c Ii e b y r i a k o w a wurde vom Polizeigewahrsam ins Gefängnis übergeführt. Eine Deputation in Angelegenheit der Klaffomauer beim Pascha von Jerusalem. Mittwoch, den 'AI. Januar sprach beim Pascha von Jerusalem Djaudat B e y eine jüdische Deputation vor, die aus dem Ghachambasehi von Jerusalem, dem Ohachainbaschi von Bagdad und den aschkenasischen Rabbinern Cliaim Berlin, T. H orowit / und A. L Dajan bestand. Die Deputation überreichte dem Pascha eine Bosehwerdeschrift gegen die bekannte Verfugung der Stadtverwaltung von Jerusalem, w o n a c h die Aufstellung von St ü h 1 e n an der Klägern au er verboten ist. Der Pascha sprach seine Bereitwilligkeit aus, die Angelegenheit nach dem Wunsche der jüdischen Bevölkerung zu regeln und bemerkte, daß die Frage jetzt der Regierung in Konstantinopel zur Entscheidung unterbreitet worden sei. Der Pascha unterhielt sich eingehend mit den einzelnen Mitgliedern der Abordnung und ersuchte sie, ihm nötigenfalls auch in Zukunft die Wünsche der jüdischen Bevölkerung persönlich vorzutragen. In hiesigen jüdischen Kreisen erwartet man nun einen günstigen Ausgang der Angelegenheit, die in Palästina soviel Erregung hervorgerufen hat.