Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 5 (8.3.1912)
- Date
- 1912-03-08
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Qualitäten dieses Professors strenger unter die Lupe zj. fassen. iyl einer großen vaA enibten Partei unwürdig. Wenn Professor Sombart niclits anderes gesagt hätte, als daß die Juden die ihnen staatsgrundgeset» iie'f] j/evväiirleisteten RecJite nicht überall und in vollem Unifange ausnützen sollen, so hat er schon damit allein gezeigt, daß er kein Freund der Juden ist, wenn er auch ein Freund der Zionisten sein mag. Und damit komme ich auf den wundesten Punkt des??>?Y?.sc';en Zionismus zu sprechen, der so manchen Freund imd Annänger Herzls gezwungen hat, sich von ihm zurückzuziehen. Der Standpunkt Somharts in der Frage der Gleichberechtigung — das ist auch der Standpunkt Herzls. Vielleicht hat Sombart diesem Umstände, seine Popularität unter den Zionisten zu verdanken Allein Herzl hat de,i Judenstaat angestrebt, der jetzt aus dem zionistischen Programm verschwunden ist Pie Teilnahme der Zionisten an den politischen Wahlen beweist ebenfalls, daß man von dieser Seite auf kein Staatsbürgerrecht verzichten möc'nte. Und dennoch wurde von dieser Seite gegen die Auffassung Sombarts über die Staatsgrundgesetze nicht protestiert. Durch den Somba Krümmel haben die Zionisten höchstens s.n-iel erreicht, daß sie den Assimilanten eine billige Gelegenheit gegeben haben, zu zeigen, wer heutzutage für die volle staatsgrundges e tz 1 i c h verbürgte Gleichberechtigung einzutreten bereit ist. Wenn der Zionismus kei.ie besseren Vorkämpfer und Wortführer als Werner Sombart hat, dann führt er sich selbst ad absurdum. L. tfcORReiPON&eNZCN Palästina. Brief aus Jerusalem. (Ho-nlselie Sephnrdini und jemenitische Juden In Palästina. Die Bezalel-Sclmle und ihre Ausstellungen.) — Die Ornngeii- :i<i«ifnhr Jaff;is. — Der Eisenbsilinhnu Anhule-Jerusalem. — Ein Buch über den Gemüsebau in Palästina. — Eine mechanische Weberei in Jerusalem. Jerusalem. Am 9. Februar traf in .Taffit eine Gruppe von dreißig sephardischen Juden aus Sarajevo ein. T)ie Teilnehmer der Reisegesellschaft sind gut situiorto Kaufh'iite mit einem <'haohani an der Spitze. Gleich nachdem sie hier eingetroffen waren, besuchten sie den Chachambaschi U s i e 1, Ihm dem sich zu ihrer Begrüßung einige Mitglieder der Gemeinde versammelt hatten. Der < baehambns.Iii hieß die Gäste mit herzlichen Worten willkommen und legte ihnen ans Herz, in Eren-Israel nicht nur die Denkmäler unserer ruhmreichen Vergangenheit zu besichtigen, sondern auch den neuen Schöpfungen unseres Volkes im Lande der Väter ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Mitglieder der Reisegesellschaft begaben sich sodann in die Mädchenschule der russischen t'howewe Zion (Beth-Sefcr Lebanoth) und folgten mit Interesse dem in hebräischer Sprache erteilten Unterricht. Nach einer eingehenden Besichtigung des jüdischen Stadtviertels Tel-Awiw reisten sie bi 'her. Von dort aus werden sie eine Rundreise durch die jüdischen Kolonien unternehmen. p]s wäre zu wünschen, daß das Beispiel der bosnischen Sephardim auch unsere spaniolischen Brüder in den anderen Ländern, insbesondere in der europäischen Türkei, zur Nachahmung aneifern Seite 9 möchte. Bisher haben sephardische Juden nur in Aegypten ähnliche < iesellsohaftsfahrtcn nach Palästina veranstaltet. An demselben Tage, an dem die bosnischen Sephardim hier landeten, traf auch eine größere Anzahl jemenitis c h o r Juden ein. Sie haben die Absieht, sich in den jüdischen Kolonien, insbesondere in P e t h a c h - T i k w a h, aU Landarbeiter niederzulassen. Die Jemeniten werden von den Kolonisten sehr gern als Arbeiter verwendet, weil sie anspruchslos, arbeitsam und ehrlieh sind, i n.-besondere werden sie auch ihrer großen Frömmigkeit wegen von den Kolonisten orthodoxer Richtung gern gesehen i;i;d vielfach den aus Rußland stammenden askenaeisehen Ailieitern vorgezogen. Die Jemeniten, bei denen auch die Krauen und Kinder arbeiten, sparen im Laute der Zeit von ihrem Arbeitslohn einiges Geld, das sie zu in Alikauf kleiner l'urzeil. n und zur Errichtung eines Häuschens verwenden. Ks wäre für l'alästinafreunde eine überaus dankenswerte Aufgabe, diesen strebsamen, sympatischon Ansiedlern durch kleine Darlehen den Bar. eines Häuschens und den Erwerb eines Stückehen Landes zu ermöglichen. In letzter Zeit sollen die -luden in Jemen, da di" kleineren Stamaicslursten ilmnme) wieder an Macht gewonnen hahei), in manchen Teilen des Landes schweren Verfolgungen ausgesetzt sein. Die neu eingetroffenen Jemeniten erzählen, daß sehr viele ihrer unglücklichen Brüder den Wunsch gehabt hätten, sich ihnen anzusohliolinn, i:m sieh durch die l'ebersiedlung nach Palästina vor den Verfolgern zu retten, daß sie aber leider keine Mittel für die Ueise gehabt hatten. Hie Neuankömmlinge selbst halten ihre geringe Habe verkauft, um die Reise unternehmen zu i'Hinen. Dieser Tage besuchte Rabbiner Lew aus San Franeisc;>. der tiroßmeister - des Ordens Bnai-Bi'ith in Amerika, die Br/.alelsc!)ii!e in Jerusalem und alliierte sich in begeisteter Weise über den Eindruck, den die Leistungen auf ihn srenncht hab-n. Er \ ersprach der Leitung der Schule, M'inen ganzen Einfluß als Drdensgroßmeister aufbieten zu wollen, um sämtliche Bnai-Rrith-Logen in Amerika zum Anschluß an den Verein „Bezalel" zu veranlassen. Mitte Februar wurde in Kairo eine B e z a I e I- Ausstellung eröffnet, die sehr erfolgreich zu werden verspricht Auch in Lodz fand eine großangelegte Ausstellung der jüdischen Kunstgewerbeschule in Jerusalem statt. Die Ausstellung blieb über vier Wochen geöffnet und hatte einen glänzenden Erfolg. Sie war von ca. 18.000 Personen besucht,, und der Wert der Bestellungen auf die Erzeugnisse der Schule beläuft sich auf nahezu 10.000 Rubel. Die polnische und deutsehe Presse widmete der Ausstellung eingehende sympathische Besprechungen. her jüngste Berieht des deutschen Vizekonsulats veranschlagt den Wert der jährlichen <» r a n g e a u s f tt Ii r •laffas auf nahezu G Millionen Francs. Die Bedeutung dieses Artikels für den Außenhandel Palästinas geht auch daraus hervor, daß der Orangeexport 39 Prozent der Gesamtausfnhr des Jaffaer Hafens ausmacht. Der Export ist von 44'».000 Kisten im Jahre 1904 auf 1 Million in der Saison 1010 gestiegen und beträgt 1011, obwohl dieses Jahr nur einen Dreiviertelertrag aufweist, bis jetzt schon las gleiche Guantum. Da von Jahr zu Jahr neue PJlanzungen angelegt und frühere Anlagen ertragsfähig werden, wird man in einigen Jahren auf eine Ausfuhr von 2 Millionen Kisten rechnen können. Hauptabnehmer für .laffa- Orangen ist England. Tu der Snison. von November bis März, gehen regelmäßig Frachtdampfer nach Liverpool. Die Flacht, die in der Regel 1 Shilling pro Kiste beträgt, ist von einer Linie bereits auf 0 Pence herabgesetzt worden. Der Export nach England betrug in der letzten „Neue National-Xcitung"