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Neue Nationalzeitung · 1912-03-08 · Heft 5 (8.3.1912) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 5 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 K u r a n d a—Reichsbank, Dr. 0 f n e r—Reich.sjusliz, Dr, K o 1 i s c 'ii e r—Reichsbahnen, Dr. G r o ß— Reichs Wohnungsfürsorge, Dr. S t e i n h a u s—Reichs- Kariellwesen usw. Es wäre aber wirklich die höchste Zeit, daß die Herren „Reichspolitiker" sich auf ihre Pflichten als j ii i i s c h e Abgeordnete besinnen und die letzten Überreste einer alten Ausnahmsgesetzgebung abs:vjffen helfen. Das Deutsche Reich hat auf keine eh-heimischen Juden, die nur jüdisch schreibe n und lesen können, Rücksicht zu nehmen und dennoch hat es keine so absurde GesetzesbestimliKingcn. Kommt also einmal ein Fall vor, daß eine Urkunde mit jüdischen Lettern unterschrieben wird, hmn befleißen sich die deutschen Gerichte der weitesten Loyalität. Wir lesen darüber in der „R echt s- .sprecliung der Oberlandesgerichte auf c e m Gebiete des Zivilrechts" folgende P]ntsclieidung, die vom Oberlandesgerichte Colmar (rJlsaß) jüngst gefällt wurde: ..Paß die Viorkaut'suivkuiwle in deutscher Spnudio voivjrolosoru viitn don BotoiUVton iummic! liui.u't und oii^en händig iiitt<irs< IniebeJi worden, hat ilor Notar jrcMiiäß § 177 Satz 2 dos (iosotzois über (Mo An.^okuroiiihoiten der freiwilligen Ge-!-:rIMtt>-1 huu-koti-t. iinit dorn Hemiorkon iostsrestoht. diaß der Yarküiifor Jiiit Ii o 1) i' ii i s c Ji o n S o 'Ii r i f t z o i c Ii o n u n t o r- > c Ii r i io b o ii hat. Diaß dlie Boto-Sliirt-e-u in deutsch e.n Srhriftaeichcn unterschreiben müssen, verlangt das (lesetz nicht. Auch eine in den Hchrift/.eichcn einer fremden Swanilie YolWircne Dniivstetluini; des von dem iSdiveibonden üofiiihrtiMi XmiiMMLs ist ("ino eM»enliä.ndiue Fntoiseltrift. Ancli dJ.o oniitisiireclionde Vier schritt in § 221iV des Bürirorknlien r(itzlwlio« wird in don- Kwilifcs.lofliro ali^oiuwn so aitrfi.mol'aßt. daß o Fiitoisohritt dos e/iironhändkren Tes.tkilnii^ii.t.s;nh-Ii in don IScihriftzioiclioiii einer freunden Sprache orfnilyon kann. Daß das Froiiwilliiu'O Oork'lit.sbarkoiLtsti'eso.ty. eine UnitFrm I-1 ritt ki deutschen Sehriftzeichcn miohitf vorllaliijrt. oriribt ->;rh besonders (l^iinaais, d<aß eis im § 1774 nur den Fall \<oyu-osolipii hait. wenn aiai Beteiligter erklärt, daß er ii'borliaiiot i!'Hut. :s(direil)en könne^ nicht alter den Falk wenn diiie Err-iuiir des Bo toi Hü ten diaihiin ueht, er kü,nne nifli-t domtsidi si hrcilien. Die lefzte.re Erkläirum.j? stehlt dior ersteren nickt deich, iund deshalb kann ki sclciiionn Falle der Erklärende in:cht oimipin Scdiroibnnkiiiiidüiizioin .mloieh.wstollt wiofnlon. Hiiclitiir ist, diaß bei Fniterschriften. die hi fremden St h,rift/._e:c:lien voill./,o«-o«n \voinle.n sinnt, der F Tknind'Sihola'nito. <voforn ihm dioso Scliriftzoichoin nicht bekannt sind, nicht i ' iio wo/iitores feststellen ka.nn. daß eine Untcus-chrift, dais liodßt oino scihriftlieho Darstellung dos .Naiinons der Schreibend mi. vorliegt. Dieser Fall ist aber hier nickt ueireboTi. dl* der Notar, wie da.s Pi\itokoiM orjritat. im der La<e war. <1io Fcstvtolluimvdrzii'iiipili.mpii. Dio Lru":i.jrinitr. daß dies n;ntor 1 mständen .-siehyvipTfiir oder irnir iMMiiöi.u'lkdi sein könnte-, kann nicht dazu führen, o i n v n in (i o (s e t z e n i c h t a n f .»• o - stellte* F o r m e r f o r d e r n i s für die (iüilti.^keit der Fikinide anfznstellen. Sache »ks Fikundsboamiton ist es, iMuiuonfaills mit Jli'lfe dos etwa, .iromäß S 179 zuzuziehenden Dn]:ni(d»cihor> odior Schroibvonstäinli^on iskdi die FidiPirzou.jrunsr zu vorsc:liiaIfen, daß eine Vntorscli.rift vorliegt iwlor a.ber, fa.lls dies nicht niimlich, die Fntor>i liril't /.mriu kznw. i-i'ii. Ilau. er da^e^eii die Fr-tsteHun^ Lr,etniffeU. se lieut i'ine in der irosetzlio-li vni'L'o.-idiriidiencn fi^iil orruditoto Fi kinide vnr. Die Fe>tstrlli!:i^ der Fi kmid>ibciainten hierüber is"t (vnrbehaltliit Ii des (ie'jcnl>eweises oder weiterer von Amts woiron \ itirzium liinondcr ICrn ul<t:t ol um irtMi) obousn maßirebeiid wie -<»i11ri• Fo^tstellnnir der Identität der vnr ihm erschienen For-miein." Wir sehen daraus daß die deutschen Gerichte :iic hebräische und jüdische Sprache, resp. Schrift 5'! gleicher Weise wie jede andere fremde Sprache und Schrift behandeln. Warum soll dies in Galizien, wo 800.000 Juden leben, nicht möglich sein? Tst denn der Staat dazu da, seinen Untertanen das Leben zu erschweren? Und sind die jüdischen Abgeordneten dazu da, die vitalsten Lebensfragen ihrer Wähler zu ignorieren? Oer Sombapfpummel. Der in der letzten Nummer dieses Blattes au leitender Stelle vom Rabbiner Dr. Feuchtwa n t>; ausführlich gewürdigte Vortrag des Prof. Werner Sombart „Wie Zukunft der Juden" hat nicht nur in den Kreisen der Assimilanten und des dazu gehörigen Kultusvorstandes, sondern auch bei jedem selbstbewußten, nationalgesinnten Juden tiefe Mißstimmung hervorgerufen. Mit Ausnahme des zionistischen Blattes, welches an dem Vortrage materiell interessiert war, haben sämtliche jüdischen Blätter Wiens den Standpunkt Sombarts zurückgewiesen,- in unserem Blatte der dem Zionismus freundlichst gesinnte Rabbiner Dr. Feucht w a n g, der bekanntlich am Todestage Flerzls wiederholt die Trauerrede gehalten hat Es ist nun sehr interessant, zu beobachten., wie sich die Zionisten, und zwar nicht nur Wiens, sondern t'ueh der Zentralleitung in Berlin, mit dem Standpunkte Sombarts identifizieren, ja die causa Sombart ganz zu der ihrigen machen. Die vom Wiener Kultus- .erstände einberufene Protestversammlung, in der •'abbiner Dr. Grunwald das Heferat erstattete, wurde von einem Heer jugendlicher Zionisten gestürmt und fast gesprengt; das Berliner zionistische Zentralorgan führt an leitender Stelle eine heftige Polemik gegen unser Blatt, insbesondere gegen den Artikel des Dr. Feuchtwang und nennt denselben — bitte nicht zu lachen einen „alten Heizl-Jäger", einen „Marannen" usw. Oder zitieren wir lieber den ganzen Satz: .Diese wilde Jagd. das sind d i e a 1 t e n TI erzl-Jiiger, die mit g i f t g e s c h w o 1 - Jene n Backen ins Horn stoßen. Das sind d i e M a r a n n e n und ihre betörten, mißbrauchten Hörigen, denen Theodor ITerzl die Kreise störte." Die „Welt" und ihr Leitartikler scheinen plötzlich einem Verfolgungswahn verfallen zu sein, sonst wären ja diese Wehklagen und Jammerrufe garnicht verständlich. Man bedenke, worum es sich eigentlich handelt: Ein großer Teil der Judenschaft lehnt die — notabene nicht wissenschaftliche, sondern aktuell-politische— Einmengung eines christlichen Professors in die vitalsten Fragen des Judentums ab. Dieser Professor hat sich bei der zionistischen Partei damit eingeführt, daß er den Bestand der jüdischen Nationalität und die jüdische Volksindividualität anerkennt. Und das genügt, um den christlichen Professor zu einem zionistischen Helden zu machen, um jeden Widerspruch gegen eine seiner zahlreichen sinnlosen und den jüdischen Interessen schädlichen Emulationen, als ein Verbrechen gegen den Zionismus hinzustellen! .... Ist das nicht Verfolgungswahn? Zu den Fehlern der Assimilation hat es immer gehört, daß dieselbe in Verzückung geraten ist, wenn ein christlicher Professor oder Pfarrer den Juden etwas Angenehmes zu sagen wußte. Das konnten die Zionisten 'nicht oft genug den Assimilanten unter die Nase reiben. Nun verfallen sie ganz in denselben Fehler. Sie haben einer» christlichen Professor gefunden der die jüdische Nationalität und Eigenart anerkennt und nun führen sie ihn wie ein Wundertier durch alte Hauptstädte herum und schreien Zeter und Mordio, wenn es jemandem einfällt, die wunderbaren

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