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Neue Nationalzeitung · 1912-03-08 · Heft 5 (8.3.1912) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 5 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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£eile 6 Nr. 5 Lehrplan notwendi g?" habe ich nichts hinzuzufügen. Jeder Satz in diesem Aufsätze kann unterschrieben werden. Sein Verfasser sagt hier viele Wahrheiten. Werfen wir doch nicht soviel mit Worten wie Ethik, „interessante neue Methode", ein köstlicher Ausspruch des Herrn Landesschulrats, herum. „Ethik", wie kann von einer solchen gesprochen werden, wenn es den meisten Eltern nur um die „gute Note" des Söhncnens zu tun ist, des Söhnchens, das durch die Mathematik und das Griechische viel strapaziert wird, und dem man zumu*et, auch von seiner Religion etwas lernen zu müssen. Wir geben gerne zu: Ungeschickte Religionslehrer machten vielfach die Wohltat zur Plage. Ihr Religionsunterricht war ein trockener, öder Sprachunterricht. Aber am Ende ihrer Laufbahn angelangt, mußten sie sich sagen: WTir haben die Jungen aus dem Judentum hinausgetrieben, hinausgeödet. Diese Jungen hörten im Unterrichte nichts von den Großtaten unserer Nation, dafür mußten sie hebräische Vokabeln auswendig lernen, sich mit den Geheimnissen der schwachen Verba plagen, ganze Kapitel aus den Psalmen im Schweiße ihres Angesichtes memorieren und so kommt es, daß Stimmen laut werden, die mächtig rufen: Wozu überhaupt das Hebräische? Werfet es hinaus, wie man es über kurz und lang auch mit dem Griechischen hm wird. Aber diese Rufer im Streite bedenken nicht, daß sie die Axt an die Wurzel des Judentums leger, dessen Grundlagen zerstören, aus ihm ein^n „Wohltäligkcitsveriein" schaffen wollen, und um dem anzugehören, braucht man allerdings das Hebräische nicht, und muß nicht einmal Jude sein. Allerdings nicht alle jüdischen Religionslehrer sind bloß hebräische Sprachlehrer. Es gibt in diesem Stande vortreffliche, für ihren Gegenstand wahrhaft befähigte und begeisterte Männer. Nicht zwischen allen jüdischen Religionslehrern und ihren Schülern hat sich „eine Kluft" gebildet, die erst „überbrückt" werden muß. Welch' einen tiefen und trostlosen Einblick gewähren uns solche Worte in gewisse Verhältnisse unseres Religionsunterrichtes! Und da meinen die am grünen Tische, ferne vom und sicher vor dem Schusse sitzende Herren Doktoren Juris utriusque et Medicinae universae, daß man ein solches Loch, oder eine solche Kluft mit Lehrplänen überbrücken, verstopfen, oder mit „neuen Methoden" über sie hinwegspringen könne? Ja, mit Werten kann man trefflich streiten, Systeme — und jüdische Lehrpläne — bereiten, es wird aber alles beim alten bleiben. Aus dem jüdischen Religionsunterrichte will man eine Art Universitäts-Seminar machen, in dem über „alles und noch einiges", z B. über die galizischen Schankgesetze, über Abfallbewegung und Auswanderung und dergleichen interessante Dinge geredet werden soll Merken denn die Herren nicht, wohin sie steuern? Solche Dinge können nur in der Schule flaches Faseln erzeugen. Das also ist die vielgepriesene, neue interessante Methode, die durch einen neuen Lehrplan festgelegt werden soll? Gewiß, einen Lehrplan muß jeder Unterrichtsgegenstand haben Aber der jüdische Religionsunterricht bedarf noch mehr, als jeder andere, auch der wahrhaft tüchtigen, geschulten, befähigten Lehr e r. Und so begreifen wir es, wenn in der Debatte über den neuen Lehrplan die bange Frage nach dem geeigneten ,.L eh rer-M at er ia 1 e" aufgeworfen wurde. Das scheint mir der Kardinal-Punkt zu sein, um den sich die ganze Keligions-UnterrichtLSirage, durch die wir nun glücklich um eine Frage bereichert wurden, bewegen soll. Der Herr Landesschulrat gab zu: „Der Lehrplan erfordert hervorragende Lehrer und wir wissen nicht, ob wir sie haben werden." Ein bemerkenswertes Zugeständnis, wert, sehr tief gehängt zu werden. Oder ist es kein Zugeständnis, sondern der Ausdruck eines nicht ganz ruhigen Gewissens? Zu den Werten des Herrn Landesschulrats fügt die Redaktionsnotiz Ihres Blattes ein treffliches, wahres Wort hinzu: ,.Es wäre zu bedenken, ob die Auswahl der Lehrer immer die richtige ist, ob bei ihrer Berufung Fähigkeit oder Protektion entscheidend sind. Nach dieser Richtung bleibt noch viel zu wünschen übrig." Dazu bemerke ich, es bleibt nach dieser Richtung £ 11 s r, zu wünschen übrig. „D i e Hintertrerpenbewerbung" muß aufhören und an de-^T Stelle öffentliche Konkurrenz" gesetzt werden Neue Le>T0läne sind nicht so schwer zusammer.süstsllen. Die Reformbewegung hat gegenwärtig die ganze Unterriehtsordnmig ergriffen, sie bleibt beim jüdischen Religionsunterrichte, der so vielfach verbesserungsbedürftig ist, nicht stehen. Da ist es nicht schwer, ein neues System zu bereiten. Aber tüchtige Lehrer zu finden, ist um so schwieriger. Warum s c h r e i b t man die vakant gewordenen Stellen nicht aus? Was bei einer Turnlehrerstelle geschieht, sollte doch auch, so meine ich, bei jüdischen Ueligionslenrerstellen in Kraft traten. Ja,' Bauer, das ist etwas anderes, Da worden' zuerst Gevatterschaften und K n meraderien geschlossen. Dann wird .,e w p f o h 1 e nM. Die Herren Kandidaten laufen "ich, man verzeihe das harte Wort, die Stiefel ab. Schließlich setzt s'rh auch irgend ein Hoch sehn 1professor für den Stellenhungrigen ein. Und so wird „unter der Hand" ein Posten besetzt. Woher kennt man die „hervorragenden" Kandidaten? „Das gute Material"? Welch' prächtige Bezeichnungen! Die „hervorragenden" Kandidaten aus dem . guten Material" stehen nicht alle ,,auf einem gleichen Niveau", aber es wird versichert, sie seien . hervorragend", oder besser gesagt, es „wird sie.! erst zeigen", ob sie e». sind, Wir Juden beklagen uns, mit Recht, über die Protektionswirtschaft der Christlich sozialen. Wehmütige Betrachtungen werden über diese allwöchentlich von unseren Kultus-Gemeinde- Oh'iziösen und den von ihnen herausgegebenen Blättern an Terelit. Wie nennen wir aber die Besetzungen von Peligionslehrerstellen, die bei uns im Schwange shid? HintertrepnenWirtschaft. Das ist das richtige Wort, Wer wird es leugnen, daß der neue, interessante Lehrplan tüchtiger Lehrer bedarf? Lehrer, die des freien Vortrags mächtig, namentlich in der Geschichte unseres Volkes bewandert, die Jugend zu hderess'eren verstehen, Warum suchte man nicht durch eine Ausschreibung in der Wiener Zeitung", .wie es für jede armselige Supplentur geschieht, einen Lehrer zu gewinnen? Da scheint man aber befürchtet zu haben, es werde sich jemand bewerben, der hie und da anderer Meinung zu sein sich erlaubt, als es den Gewaltigen genehm ist. Solche Leute liebt man nicht, da stellt man

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