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Neue Nationalzeitung · 1912-02-23 · Heft 4 (23.2.1912) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 4 (23.2.1912)
Date
1912-02-23
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Nr. 4 auf. Schließlich kehrte auch sie, gewiß nicht aus eigener Initiative, zur jüdischen Bühne zurück. Sicher ist es aber, daß sie ihr länger fern geblieben wäre, wenn sie es hätte ermöglichen können. Ihre „Erklärung" an das „werte Publikum", sie wäre „nur aus Liebe zum jüdischen Volk und zum jüdischen Theater" zurückgekehrt, ist ebenso wie ihre Tränen eine schauspielerische Pose. Um es aber ganz ungeschminkt zu sagen : sie hatte dort keinen Erfolg mehr, d. h. gerade herausgesagt: eine Niederlage . . . und man freute sich auch darüber. Diese Freude ist aber keine Schadenfreude; sie ist vielmehr ganz anderer Art. Allerdings hat Frau Kaiisch diese Niederlage verdient, ebenso wie jeder andere, der sein Volk verläßt, ohne hiezu gezwungen zu sein . . . Gewiß, wenn einer als jüdischer Künstler nicht sein Auskommen finden kann, dann ist es etwas anderes: denn davon hat doch ein Volk nichts, wenn seine Künstler am Hungertuohe nagen müssen . . . Allein das jüdische Theater in Amerika zahlt seinen Schauspielern sehr gute Gagen und es werden ihnen auch Lorbeeren gespendet. Sie finden im jüdischen Publikum immer eine warme Aufnahme und die Stars haben noch mehr Beifall, als sie verdienen. Und wenn ein Künstler vom Range S c h i 1 d k r a u t s*), der eine Zierde der besten europäischen Bühnen wäre, im jüdischen Theater spielt, so wird es auch der Madame Kaiisch anstehen, bei uns zu spielen. Und es kann sich ein jeder jüdische Schauspieler zur Ehre anrechnen, in „Yiddisch" zu spielen, wenn Schildkraut im jüdischen Theator auftritt. Wenn aber auch Schildkraut eines Tages die jüdische Bühne verlassen würde, so brauchten wir uns dessen absolut nicht zu schämen, denn bei uns ist die Szenerie und ihre Dekorationen nicht so naturtreu und gediegen hergestellt, die Kostüme sind nicht so reich und historisch gehalten. Gleichwohl steht unsere Bühne hoch genug, als daß sich Madame Kaiisch mit uns zu schämen hätte. Zugegeben, daß die anderen großen Bühnen über unserem Niveau stehen, so ist doch die jüdische Bühne noch sehr entwicklungsfähig, der Nachwuchs an Schauspielern und das Publikum können noch künstlerisch erzogen werden und das jiddische Drama ist ja erst in seinen Anfängen begriffen. Unter diesen Verhältnissen haben wir Künstler wie David Kessler und die Kaiisch sehr notwendig. Ohne Frage ist ja auch für den Schauspieler das Einkommen eine eanditio sine 411a non. Aber es wird niemand behaupten wollen, daß David Kessler oder Madame Kaiisch bei der jüdischen Bühne nicht ihren Lebensunterhalt finden. Bekommt nicht Madame Kaminska einige tausend Dollars für eine Saison? Werden nicht die Moskowitsch, Blank, Zuckerberg, Nathansons usw. gut bezahlt? Die Gage, die Schildkraut bekommt, ist gewiß nicht kleiner als die, welche große englische Theater an ihre Stars zahlen. Wenn aber nicht die Gehalt s-Frage entscheidet — was dann? Genügt es den Künstlern nicht, nur vom jüdischen Publikum geliebt und geschätzt zu werden? Eeflektieren sie so sehr auf das Lob englischer Zeitungen? Wollen sie ihre Photographie in der großen Sonntags-Ausgabe der englischen Blätter sehen? Wenn dies das ganze Streben der jüdischen Künstler wäre, dann müßten wir das wirklich bedauern. Wenn das nun wirklich so ist, dann sollten diese Herren und Damen nicht versichern, daß sie aus „Liebe zum jüdischen Volke" zum jüdischen Theater zurückgekehrt seien. *) Sehildkraut, einer der hervorragendsten Schauspieler Deutschlands, ist vor einem Jahre nach Amerika übersiedelt und spielt lediglich am jüdischen Theater. Die Redaktion. Hoffentlich wird die Lektion, die nun Madame Kaiisch erhalten hat, von Wirkung sein und die jüdischen Künstler werden beim jüdischen Theater bleiben. Und sie werden es gewiß nicht zu bedauern haben, sie werden sich dagegen viel Aerger ersparen. biste der Ausgetretenen. Vom 6. bis 19. Feber 1912. (Nr. 59—79.) Husserl Johanna Auguste Gabriele geb. Forst, geb. 6. Mai 1881 in Bcrllin, IX.. Porzellan gas se 45. Kocheies Karl, geb. 11. Dezember 1887, Wien — derzeit Judendorf bei Graz. Leidersdorf Stephanie, Hilfsarbeiiteriu, geb. 2. Apri'1 1888, Wien, XL, Eyzin<gergasse 7. Manhard Theodor Hermann, Kaufmann, geb. 24. Juli 1880, Wien, IX., Poregringiasse 4. Sterk Vilmos, Schmittsteller, geb. 28. Juni 1880 in Budapest, IV.. Job. Stra.ußffasse 34. Sterk Emma geb. Birnbaum, Sciiriffcstellersiglattin, geb. 5. Februar 1872, Wie-n, IV., Job. Straußgiasse 34. Sterk Peter Cornelius, Kind, geb. 24. Juli 1906, IV., Jcih. Ktrauüira.vse 34. Sterk Gertrud Magda, Kind, geb. 3. Juni 1907, IV., Job. Straußes sp .'»4. Pilpel Max, verli., Privjitbe.iiiitor, geb. 21. Jiifiner 1873. IX.. Prainiergasse 9. Frischmann Helene, lYivate. geb. 21. November 1869 in Williehnsburg, N.-Oest., XI., llamptstiraße 173. Benedikt Gisela, Wwe.. Private, geh. 5. April 1873 in Eger. VII.. Hurgga.sise 5. Hacker Gisela, lodiig, Verkäuferin, geb. 10. Oktober 1879 in Piiikafö, XVI., Grundstein glatte 42. Bilik N., verh., Kondition-, geb. 28. September 1871 in Kischenew, XVII., Palffygasse 14. Popper Emma, ledig, Private, geb. 8. Ma.i 1883, IX., Höri- ^asi« 18. Stauber Alice, Dr., ledig, geb. 29. September 1881, IX., I )le t ri eh s te i n g« s s e 7. Hofmann Josef, ledig. Prokurist, geb. 31. August 1877 in Staui'slau. XIII., Parkhotel 13. Klempner Paul, ledig, geb. 14. Juni 1878. IL, Schmelze. 7. Münster Siegmund Hermann« seb. 18. Juni 1877, IL, Zirkusgasse 47. Werner Hermann, ledig. Kaufmann, geb. 1. Dezember 1879, II . Praterstraße 60. Körner Rudolf, ledig, Keisender, geb. 12. Mai 1883, IX., Nußdorfer-straße 6. Bloch Alfred, lediy, Asiuit, gel). 16. Febmao: 1883, VI., Stumperga.sse 45. fslotizen. Einnahmenausweis der Austro-Americana. Die Gesell s oh« ft schließ/t das laufende Geschäftsjahr wiederum mit einem Einiui'hineplu« von über 2 Millionen Kronen ah, nachdem bereits die früheren Jahre, wie nachstehende TaibeUe zeigt, eine kontinuierliche Steigerung aufzuweisen hatten, und zwar wst die Entwicklung in den letzten 4 JathTen folgende: Seemeilen Einnahmen Ke?Ä Vo^hc 1908 . . . 1,615.83« K 23,472.295 K — 1909 . . . 1,489.708 „ 25,348.861 „ 1.876.566 1910 . . . 1,544.708 „ 30,541.722 „ 5,193.861 1911. . .1,536.915 „ 32,890.692 „ 2,148.970 Da. der Betrieb der Gesellschaft im großen und ganzen der gleiche wie in den verflossenen Jahren geblieben ist und nur Yerscvhiebunsen iiwierhalb der einzelnen Linien stattgefunden haben, dürften dlie Befcriebslasten keine außergewöhnliche Steigerung aufweisen; folgedessen dürfte die Gesellschaft nicht nur eine weitere erhebliiohie Kräftigung iiliTer inneren finanziellen Ijage durchführen, sondern a<uch eine höhere Dividende zur Ausschüttung bringen können. Anläßlich der bevorstehenden Ostern verweisen wir bezoiglk li der K<1sc>her-Selch wahren auf das Inserat der Fabrik MoriiCz Laizax in Wien, XX.

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