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Neue Nationalzeitung · 1912-02-23 · Heft 4 (23.2.1912) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 4 (23.2.1912)
Date
1912-02-23
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4____„Neue National-Zeitung" $$JS ALLCN WEIttCiLCN Die Demission des Chacliam Baschi der Türkei. Am 5. Februar überreichte Rabbi H a i m Nahum der Regierung offiziell seine Demission nebst einem Entwurf der Motive; der Justizminister erachtete diese jedoch nicht für genügend detailliert und teilte daher dem Großrabbiner mit, daß er vor einer Ergänzung der Motive dos Gesuch der Flohen Pforte nicht unterbreiten könne. Er forderte den Großrabbiner auf, die Motive schriftlich eingehender darzulegen und dem Medschliss Dsehismani zu erklären, er solle noch keinen Kaimakam (stellvertretenden Großrabbiner) wählen. Der Großrabbiner übermittelte dem Konsistorium diese Mitteilung der Regierung. — Die „Ag. Ottomane'1 glaubt zu wissen, daß die unter dem Präsidium F a r a g i E f f e n d i s stehende Nationalversammlung (Medschliss Umumi) die Frage entscheiden und daß der Großrabbiner seine endgültige Antwort auf die Wünsche des Ministers nach der Sitzung bekanntgeben werde. Seitdem scheint sich der Ohacham Baschi eines anderen besonnen zu haben. Wie die Zeitungen von Konstantinopel berichten, hat Rabbi Haim Nahum Schritte bei der Regierung unternommen, die darauf abzielen, seine Demission rückgängig zu machen. Dieses Vorgehen Rabbi Nahums erregt, wie die ..Neue Jüdische Korrespondenz" behauptet, in allen Kreisen der Konstantinopler Judenschaft um so peinlicheres Refremden, als der Großrabbiner erst vor einigen Tagen wiederholt feierlich versichert hatte, sein Rücktritts-Entschluß sei unwiderruflich. Auch hatte Rabbi Nahum in seinem Demissionsgesuch an die Regierung das Konsistorium (Medschliss gismani) ungesetzlicher Handlungsweise bezichtigt, ohne daß er diese Anklage — trotz der Aufforderung der Regierung — bisher näher präzisiert hätte. Vielmehr beschränkte er sich darauf, der Regierung mitzuteilen, er sei bereit, falls diese die Demission der Hohen Pforte nicht unterbreiten wolle, sein Rücktrittsgesuch zurückzuziehen Unter diesen Umständen sieht man der Entscheidung desMinisteriums mit gespannter Erwartung entgegen. Eine neue jüdische Aussiedlung in Portugiesisch - Westafrika. Der jüdische Großkaufmann W. Terlo in Lissabon hat der portugiesischen Kammer eine Denkschrift nebst einem Gesetzentwurf über die Ansiedlung von Juden auf dem Plateaux von Angola und Mossamedes (Portugiesisch-Westafrika) unterbreitet. Der Entwurf, den der Deputierte Dr. Manuel Bravo im Einverständnis mit sämtlichen parlamentarischen Gruppen der Kammer vorlegte, gelangte dort am C>. Februar zur Verhandlung und fand eine sehr günstige Aufnahme, nachdem er schon vorher in den bedeutendsten Tagesblättern bekanntgegeben und sympathisch besprochen worden war. Die Annahme des Entwurfes sowohl in der Deputiertenkammer als auch im Senat erscheint gesichert. Der- Gesetzentwurf sieht vor, daß die Regierung an die jüdischen Ansiedler 500 Hektar pro Familie unentgeltlich abgibt und ihnen außerdem verschiedene Vergünstigungen gewählt. Die portugiesische Tagespresse hebt bei Besprechung des Projekts hervor, daß der politische und wirtschaftliche Verfall Portugals von der Vertreibung der Juden datiert. Das in Rede stehende Gebiet liegt an der Westküste von Südafrika und ist reich an pflanzlichen und tierischen Produkten aller Art. Die Zahl der Juden in New-York. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung von N e w - Y o r k betrug nach einer statistischen Studie, die Mr. Joseph Jacobs im Auftrage der New-Yorker Kehilla herausgibt, am 1. Jänner Seite 8 1912 ungefähr 006.000 Seelen. Bisher wurde die 2ahl der Juden in New-York auf weit über eine Million geschätzt, Mr. Jacobs hat aber auf Grund umfangreicher statistischer Nachforschungen festgestellt, daß die jüdische Bewohnerschaft von New-York sich am 1. Juli 1910 auf 825.000, am gleichen Tage des Jahres 1911 auf 8S2.000 Seelen belief und seither durch Einwanderung und den Geburtenüberschuß auf 900.000 Personen gestiegen ist. Der Oberrabiner von Prag gestorben. Am letzten Freitag, um 4 Uhr nachmittags, ist der Öberrabbiner der Prager Kultusgemeinde. Ph.-Dr. Nathan Ehren fei d, nach langer Krankheit verschieden. Im Jahre 1843 zu C-suz in Ungarn, Komitat Komorn, geboren, studierte er an den hervorragendsten Rabbinerschulen, unter anderm auch bei dem berühmten Rabbiner Hildesheimer und erwarb sodann in Kiel den philosophischen Doktorhut. Im Jahre 1890 kam er als Nachfolger des Oberrabbiners H i r seh nach Prag, wo er sich durch seinen lauteren Charakter, wie durch seine Gelehrsamkeit und sein bedeutendes Rednertalent bald allgemeiner Sympathien erfreute. Im Jahre 1900 erhielt er einen Ruf nach Berlin, den er aber ablehnte. Eine Ansiedlang bosnischer Sephardiin in Palästina. Demnächst begibt sich eine aus sephardischen Juden Bosniens bestehende Reisogc^'Mschaft nach Palästiaa zu einer Pilger- und Studienfahrt. Die Reisegesellschaft wird auch nach einem geeigneten ländlichen Terain Umschau halten, auf dem sich eine Anzahl bosnischer Sephardim als Ackerbauer niederlassen konnte. Es handelt sich um eine Gruppe junger, zum Teil verheirateter Leute, die bereits in Bosnien in der Landwirtschaft tätig waren. LITERATUR UND THEATER Vom jüdischen Theater in Amerika.*) Man könnte beinahe die Regel aufstellen, daß ein jüdischer Schauspieler, der Jargonstücke zu spielen pflegte, gewöhnlich einen Mißerfolg hat, wenn er sich vom Jiddisch abkehrt und sich in Stücken der Landessprache hören lassen will. Erst in letzter Zeit hatten wir in Amerika zwei Beispiele hiefür. Ich meine David Keßler und Frau K ali s c h . . . . Vor einigen Jahren verließ David Keßler plötzlich die jüdische Bühne, um auf amerikanischen Bühnen zu spielen. Er hatte aber absolut keinen Beifall, vielmehr fiel er durch und kehrte zum jüdischen Theater zurück, wo er trotz der Niederlage, die man ihm vorher vom Herzen gegönnt hatte, wieder freundlich aufgenommen wurde. Denn wir freuten uns darüber, daß uns eine solche Kraft wie Keßler — nach unserer Ansicht ist er ein Künstler, der gleich hinter Schildkraut rangiert — erhalten blieb, dann auch deshalb, weil er eine Lektion erhalten hatte, die ihm ein für alle Mal die Lust verdarb, wieder von den Juden zu den „Christen" zu gehen. Ich habe zwar Madame K a 1 i s c h niemals spielen sehen, doch wird sie für die bedeutendste jüdische Schauspielerin gehalten. Auch sie versuchte ihr Glück bei anderen Bühnen und zwar mit größerem Erfolg als Keßler, denn sie trat einige Jahre auf größeren Bühnen *) Wir entnehmen diesen Artikel dem in jiddischer Sprache erscheinenden T a tr b 1 a 11 „Der Adler" im Montreal (K&mda). Dje RßdfiMtion,

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