Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 4 (23.2.1912)
- Date
- 1912-02-23
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" reits die Vorladung von 150 Zeugen und' Experten beantragt. Und was halten Sie vom Ausgange des Prozesses? fragte der Korrespondent. — - Die Zeit ist noch nicht da, um alle Geheimnisse des Prozesses zu enthüllen. Ich bin jedoch überzeugt, daß die Häüpttriebfeder bei der Ermordung Justschynskis in' dem Bestreben einer ganzen Verbrecherbande zu suchen ist, den jungen Burschen ans dem Wege zu' räumen, weil er vielleicht zufällig Zeuge ihrer Gewaltakte war. Deshalb wird das Hatoptbestreben /dfer Verteidigung dabin gehen, den vCirklichen Mörder zu entlarven. Die Bemühungen, den Angeklagten, für dessen Schuld nur sehr sehwache Verdachtsmomente vorhanden sind, reinzuwaschen, kommen erst in zweiter Linie in Betracht. Unsere heilige Pflicht in diesen! Prozesse wird darin bestehen, nicht mir den Freispruch des Angeklagten durchzusetzen, sondern auch die ganze Wahrheit in dieser schauderhaften Geschichte an den Tag zu bringen. — itfer sind die wirklichen Mörder? fragte der Interviewer. — Davon darf ich, antwortete Margolm, vorläufig nicht sprechen. Ich habe kein Recht, unsere Geheimnisse preiszugeben. Welches Verdikt erwarten Sie also von den Geschworenen? — Ich bin überzeugt, daß die Geschworenen, selbst wenn sie die ärgsten Antisemiten wären, es nicht wagen würden, den Angeklagten zu verurteilen. Welchen Eindruck hat auf Sie Bejlis bei der Besprechung gemacht? — fis war ein schwerer Augenblick, als ich mit ihm befm Gericht zusammentraf. Er leidet furchtbar, doch ist er fest überzeugt, daß er freigesprochen wird. Ist die Verteidigerliste schon komplett? — Diesbezüglich sind die Unterhandlungen noch im Zuge. Wir verhandeln mit den hervorragendsten Verteidigern von Petersburg. In einigen Tagen wird die Entscheidung fallen. Ueberraschungen sind nicht ausgeschlossen. In einigen Tagen wird sich alles klären. * Dte Gen^ralVersiarnrnlurie der russischen Cftbwdwe-Zfdri. Odessa. Mittwoch, den 14. d. M., wurde die Generalversammlung der „Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Palästina und Syrien" durch den Vorsitzenden, Ingenieur M. Ussischkin, eröffnet. Die Tagung fällt mit dem dreißigjährigen Jubiläum der Gesellschaft zusammen und gestaltete sich deshalb besonders feierlich. Außer 200 Delegierten aus allen Teilen des russischen Reiches nahmen zirka 800 Gäste an den Beratungen teil. Die zionistische Organisation war durch das, Mitglied des Engeren Aktions- Komitees, Dr. Viktor Jacobson, vertreten. Es herrschte eine gehobene Stimmung. In seiner Eröffnungsrede gab der Vorsitzende eine allgemeine Uebersicht über die kolonisatorischen und kulturellen Leistungen der Gesellschaft in den drei Jahren seit der letzten Generalversammlung Ef wies insbesondere auf die Bestrebungen der Gesellschaft zur Seßhaftmachung der jüdischen Landarbeiter und zur Förderung des höheren hebräischen Schulwesens hin. Sodann gedachte er der in der Berichtsperiode verstorbenen hervorragenden Zionsfreunde und Mitglieder der Gosel schaft, M. L. L i 1 i e n b 1 u m, E. L. Lewinsky, S. P. Rabbin o w i t z u. a. An den Geschäftsbericht knüpfte sich eine lebhafte Debatte, an der u. a. die Herren Hillel Z 1 a s t opolsky (Kiew), Doktor C h i s s i n (Jaffa) und M. Kleinmann teilnahmen. Es wurde insbesondere der Wunsch ausgesprochen, die Gesellschaft möchte der jüdischen Landarbeiterfrage in Palästina mehr Aufmerksamkeit zuwenden. In Erwiderung darauf teilte Präsident M. Ussischkin mit, daß das Komitee in Aussicht genommen habe, auf den der Gesellschaft gehörigen Grundstücken nächst den Kolonien Rischon- Lezion und Chedera neue A n s i e d 1 u n g e n jüdischer L an darbeiter — ni?'i dem Muster der Landarbeiterkolonie Ein Ganaim bei Pethach Tikwah — zu schaffen. Diese Mitteilung wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Im weiteren Verlauf der Beratungen wurde beschlossen, einen Fonds im Betrage von 20.000 Rubel auf den Namen der Vorkämpfer der Chibbath- Zion-Bewegung M. Ussischkin und Dr. E. W. Tschlenow zu gründen. Dieser Fonds ist zur Schaffung landwirtschaftlicher Kolonien in der Umgebung von Jerusalem bestimmt. Eine unter den Teilnehmern veranstaltete Sammlung für diesen Fonds ergab einen namhaften Betrag. GBMßMD€= un» VSfteiNiN^RilfSW Wien. „J <ii d i s e h e r 8 c h u 1 v e r o.i i\ für den 9. Bezirk. Montau den 10. d. findet im Verein «lokale, I.V. Seejrasse 10. der il ritt e E 1 t e v n a h e n d statt. ("Diskussion.) («äste willkommen. Wien. (Bothaus-Veieiu ..A d d a s .1 e * c Ii u rai n".) Die ordentliche (jeneralversamniliuu.tr findelt Sonntag, den {). Bezirk." Montag den 10. d. findet im Veroinsloikale. IX.. Pfhiggasse 5. .statt. S a m s t ü' jr, 24. d. M.. findet im Vereins!! ikale. IX., Pflugsrasse 5. ein Vortrat: des Herrn Prof. B. Rosenstein über ...T ii d i s c Ii e Oes <• Ii i c h t e" statt. Wien. (J ii d i s c Ii e T o y ti b e e h a 1 1 e f ii r «d e n 2. Bezirk. II., llemiiiie.iitrasse 8.) Sa.niista.jr. den 24. d. M.. '^8 Uilir tvlieiwls. liält II. phil. Max Präjrer einen Vortrag iiher A^elis Roman ...Amerika". — Anmoldumgon für Vorträge ■und Vorlesungen sind a.n den akad. Verein „Jüdische Kultur". 11.. Bluinauergasse 20, zu richten. Wien. (Vor t r a g w n. s j «ü d i s c Ii e r (5 es <• h i r h t o. Literatu'r und KuätiiT.). Donnerstag, den 29. Februar 1912, präzise hU'lb S Uhr abends findet im Festsaale des Ingenie-ur- und An'eiliiltekteii.vereine.s. T.„ Fschonbachjrasso 9. ein VortTia.tr des Herrn Rabbiner Doktor Alois Sehw-eker aus Egor (Erlan) statt. Thema: Der Neodarwinismus". Eintritt frei, ohne Karten. (Amin, d. Redaktion: Was hat der „Xeodarwinisinns" mit ..jüdischer Ge schiebte, Literatur und Kultur" zu tun? Sri! >-iolle-w*.ht durch den ..Xeodarwinisinus" der Taufseuche entgegenjreiafrrjeitet werden?) Wien. „C h e w r a K a d i s c h a" Verein für fromme und wohltätige AVerke. Samstag, den 24. Februar 1912, 7 Uhr abends, findet im Gemeinde-Tempel I. Seltenste'tengasse eine Gedächtnis-Feier für die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mitglieder der Chewra itadischa statt.