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Neue Nationalzeitung · 1912-02-23 · Heft 4 (23.2.1912) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 4 (23.2.1912)
Date
1912-02-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Neue National-Zeitung" Nr. 4 und Kolonisation allein nicht helfen, wissen wir alle. Was Sombart da zu; sagen hat, ist dilettantisch und schwach. , Kraftvoll tritt er der Assini iiierun gss u cht entgegen. Er spricht uns. da aus dem Her ze n. Die Arte rhal tung erscheint ihm, wie uns, als erstes Prinzip und oberster Grundsatz sittlicher Entwicklung. Deshalb steht er auch dem Judenstaate sympathisch gegenüber, in welchem jüdische Art sich am reinsten entfalten könnte. Uns „aufrechten Juden" braucht das nicht erst gesagt zu werden. Wir blicken mit Bedauern und Verachtung auf die Sorte Assimilanten, welche ihre Art verleugnen, ihr Judentum verbergen und ihr Bekenntnis fälschen. Sie sind sittlich defekt und sollen von Juden und Nichtjuden als Schädlinge beurteilt und verwertet werde;!. Jeder vorurteilslose Kenner und Beurteiler unserer Zeitgeschichte wird dem Zionismus und National Judentum das Verdienst zusprechen, daß sie in dieser Richtung mit großem Erfolg und mit nachhaltiger Wirkung aufgetreten sind. Ein gefährliches Spiel aber spielt auch Soznbart mit der Blutsverschiedenheit. Wissenschaftlich ist sie ja n^cht beweisbar; ebensowenig, wie die von den Rassentheoretikern als selbstverständlich angenommene „Eigenart" der Juden. Etheologisch ist auch sie nicht nachweisbar, wenn sie nicht gefühlt wird. Wir lassen sie uns aber nicht gerne erst von Nichtjuden erklären. Gefährlich wird die Behauptung der Assimilationsunmöglichkeit in dem Momente, wo von der notwendigen „Erhaltung der Art" der Juden in ihrem Verhältnisse zu den anderen Völkergruppen die Rede ist. Es mag richtig sein, daß Volksbewußtsein und Staatsbürgertum nichts miteinander zu tun haben. In der Praxis aber führt es zu Kollisionen, nicht weil die Begriffe miteinander in Streit geraten, sondern, weil die Konsequenz gezogen wird: ein aufrechter (assimilationsfeindlicher) Jude könne keine deutsche, französische Kultur besitzen. Und im Grunde seines Herzens und seiner Seele sagt das auch Sombart. Trotz seiner Versicherung, das Judenvolk sei es, das seit den Propheten den großen ethischen Ton in das Menschheits-Konzert gebracht hat, das tragische Pathos, das die natürliche Welt versittlichen will, „stamme doch am Ende aus Juda", bezeichnet er in seinem Vortrage die Juden „als unser" (der Deutsehen) „uns von Gott auferlegtes Schicksal", das man hinnehmen müsse. Und in seinem Buche wieder erblickt er in dem nach Assimilation mit den Völkern strebenden und sie nicht erreichenden Juden „Ahasver"v der nicht leben und nicht sterben kann. Wie reimt sich das? Ist dieses Schicksal so traurig? Haben die Völker Europas und, der Welt Wirtschaftlich und ethisch unter diesem Schicksal gelitten? Oder haben sie diesem Schicksal nicht dankbar zu sein? Sagt doch Sombart selbst: „Ich glaube freilich, daß. wir dem Zufall (Vorsehung) Dank schulden für die nicht allzu^carge Zuteilung jüdischer Elemente zu dem' schon recht bunten Gemisch, das „wir Deutscjie" darstellen." Also! Ayas soll es aber heißen, wenn er wieder an anderer Stelle sagt: „Ich wünschte daß die „Ver judung" so breiter Gebiete unseres öffentlichen und geistigen Lebens ein lEnde nähme; zum Heile der deutschen Kultur aber ebensosehr um der jüdischen". UndI das jia^ erauch in seinem Vortrage gesagt; und das hörten wir — mit ruhigen Blute an! Wie? Die Juden haben wirtschaftlich ungeahnte. Leistungen hervorgebracht, das ethische Pathos in die Welt gesetzt und doch, spricht man von Vorjudung, also inschlechtem Sinne. Ist es nicht eine S c h m a c h f ü r die Deutschen, ein Armutszeugnis für ihre wirtschaftlich-ökonomische und geistig - intellektuelle Potenz, daß sie sich „V e r j u d e n" lasse n„ von einem Volke, das nur ein Prozent der Bevölkerungsziffer ausmacht? Ist es nicht eine Schmach für alle Kulturvölker, daß sie von diesen 11K» Millionen Juden in der ganzen Welt „Verjudung" befürchten, und die Judenfrage für sich — nicht für die Juden als ein Problem betrachten, mit dem sie sich nun seit Jahrhunderten beschäftigen? Nichts wäre imstande, unseren weltgeschichtlichen Wert zu erweisen, als diese Tatsache. Die Not der estlichen Juden wird einfach registriert, mit einigem Bedauern über die mangelnde Gerechtigkeit der Regierungen. Von einer sittlichen Entrüstung aber keine Spur. — Es ist furchtbar, die Kälte zu fühlen, welche dieser deutsche Professor ausströmt, wenn er von dem lebendigen Judentume spricht, wie ein Anatom am Seziertisch. Haben wir es wirklich nötig, uns von diesem Manne, der mit unserem „Schicksal" ein gutes Gesehäff macht, belehren zu lassen. Glaubt ihm e i n vernünftiger Mensch, daß unser Schicksal ihm Sorge macht? Hören wir einmal, wie er sich diese in ihrer „Art" und „Eigenart" erhaltenen Juden in ihrem Zusammenleben mit den Völkern denkt: „Die Staaten geben ihren jüdischen Mitbürgern die volle Gleichberechtigung und die Juden werden die Klugheit und den Takt besitzen, diese Gleichberec'htigung nicht überall und in vollem Umfange auszunützen." Für diese Frivolität gibt es keinen Ausdruck. Er verlangt die Erfüllung aller staatsbürgerlichen Pflichten bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit; gesteht die außerordentliche Tüchtigkeit und Brauchbarkeit der Juden auf allen Gebieten des Lebens, ja ihren unersetzlichen Wert für die Welt und den Staat — er begreift aber nicht, wozu die Juden nach Staatsstellen streben; begreift nicht, wie sie, die Gut und Blut herzugeben bereit und die besten Patrioten sind, auch den Ehrgeiz haben können, Offiziere zu werden; begreift nicht, wozu jüdische Gelehrte Lehrkanzeln an Universitäten als höchstes Lebensziel betrachten." All dies zu sagen, hat freilich Sombart in seinem Vortrage nicht gewagt; nicht aus Takt — denn diese Empfindung ist ihm völlig fremd, und sein ganzer Ton ist auf Selbstgefälligkeit und Dreistigkeit gestimmt — sondern aus Unehrlichkeit. Was hilft uns da seine Begeisterung für Zionisten und Natiönaljuden, wenn er gerade diese „aufrechten" Juden in ihren primitivsten Empfindungen verletzt und ihnen Ratschläge erteilt, welche nur Feiglinge und Knechte befolgen können. Der „Arterhalter" Sombart, dieser unaufrichtige Schwärmer für „jüdische Eigenart" und Reinheit jüdischen Wesens ist ein Freund, vor dem uns Gott , beschützen möge. Er ist ein umgekehrter Bileam. Er konimt scheinbar, um zu segnen und flucht Hinter jedem, seiner süßen Worte steckt ein vergifteter Stachel. Er bewegt sich in Paradoxen und. Wider^ Sprüchen und mißbraucht die hochgehende Woge des

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