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Neue Nationalzeitung · 1912-02-09 · Heft 3 (9.2.1912) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 3 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 3 Nr. 9, einen Teeabend. Im selben Hause besteht auch seit drei Monaten eine Talmud Thora, woselbst zirka 50 Kinder, Anfänger und Vorgeschrittene, von zwei tüchtigen LeUrer.i gediegenen Religionsunterricht erlhalten. Anläßlich der (dterwähnten Feier fand auch die Prüfung dieser Schüler >tatt, welche So. Ehrwiirdon Rabbiner Schaje Fürst durch seine Anwesenheit ausz Mchnete. Die zahlreichen Anwesenden sprachen sich über die in so kurzer Zeit 'erzielten Erfolge, besonders bei den Schülern im Alter von 11 bis 13 Jahren, die beim Eintritte nicht einmal über ein elementares Wissen verfügten, äußerst lobend aus. Nach Beteilung deT Kinder mit Früchten wurde ein Tee serviert und verlief die Feier sehr animiert. Prag. (C h e w r a Katfisc Ii <a.) Still und prunklos bezog dieser Tatg« die hiesige Chewra-Kadisoha ihr neues Heim in der ehemaligen großen Pinkasgasse, nachdem das alte Vereinshaus auf dem Hampaß der Assanierung zum Opfer fallen mußte. Hart an der Mauer des alten, weltberühmten Judenfriedhofes, an Stelle der früheren niedrigen Militärwachtluiuser erhebt sich der nach dem Plänen des Architekten B. Hiibschmann. vom Stadtbaumeister kais. Rat Alois Richter im modernem Stil aufgeführte vierstöckige Bau, um auch weiterhin ein Hort reiner Nächstenliebe zu bleiben. Auf fast vier Jahrhunderte wehltätigen Wirkens blickt die israelitische Beerdigungsbrüderschaft zurück. Die Originale über die Gründung der Brüderschaft sind nicht vorhanden, da sie in den großen Bränden der Jahre 1691 und 1754 den Flammen zum Opfer fielen; doch bestehen zwei autorisierte Kopien des sogenannten Staminbriefes. Ihr Inhalt besagt etwa folgendes: Als die im Jahre 1561 vertriebenen Prager Juden über Fürsprache hoher Protektoren schon ein Jahr später wieder sich in Prag ansiedeln durften, lag das Gemeinwesen sehr darnieder. Damals beschlossen einige Männer, eine Vereinigung für Begräbnis und andere humanitäre Zwecke zu gründen; rabbinische Autoritäten begutachteten den Verein und statteten ihn mit Satzungen aus. Als erster erscheint auf der diesbezüglichen Urkunde Rabbi Ellsor der Deutsche (Aschkonasi) unterfertigt- Ihm stand der durch seine Beziehungen zu Kaiser Rudolf II. und durch die Lebende bekannte Rabbi Loeb Bezalel, genannt der ho,he Rabbi Loeb, zur Seite und diese beiden Koryphäen uaben durch ein strenges Leichenbestattungs-Statut, dem Begräbnisse wieder den' Charakter der Pietät. Die Organisation der Piager Beerdigungsbrüderschaft verbreitete sich bald über die meisten israelischen Gemeinden des österreichischen Kaiserstaates und blieb,' als der Völkerfrühling des Jahres 1848 .hereinbrach, außer einigen durch die veränderte Gemeindeverwaltung bedingten Abänderungen ökonomischer Art, auch dann diosolbo auf Religiosität und Gesittung fußende Humanitätsanstalt wie vordem nach den Worten ihres Anwaltes Leopold Edlen_ von Haemel: „Was in trüber Zeit Lorbeeren errang, hat nicht den freundlichen Blick schöner Zeit zu scheuen." tyti AlieN W£LTOiU5N Die historische Kündißuiigsfeder. l>er Präsident der amerikanischen Republik, Taft, hat die Feder, mit welcher er die Resolution des Kongresses betreffend die Kündigung des Handelsvertrages mit Rußland unterschrieben hat, dem Weltv er bände der B'nai B'rith zum Geschenke gemacht. Der Verbandspräsident Adolf Kraus in Chicago hat diese sinnige Auszeichnung in einem Dankbriefe an Taft zur Kenntnis genommen und veranlaßt, daß die historische Feder dem Archive der B'nai R'rith zum ewigen Andenken einverleibt werde. Zum Oberrabbiner der Federation of Synagognes in London wurde Rabb. Dr. Jung aus Ungar.- Brod ernannt. Dr. Jung erhielt sein Rabbinatsdiplom. von Rabb. Sal. Spitzer. Er studierte in Marburg bei Professor Herrmann Cohen und außerdem iü Leipzig. 1888 wurde er zum Klausrabbiner in Mannheim ernannt und ging dann nach Ung.-Brod. Dr. Jung gründete zwei jüdische Gymnasien. Universitäts-Lehrkanzel für jüdische Wissenschaft. Das Beispiel der Leipziger Universität, die vom 1. April ab ein Lektorat für späthebräische, jüdisch-aramäische und talmudische Literatur einrichtet, dürfte bald auch an anderen Universitäten Nachahmung finden. In ein- Uui'reichen jüdischen Kreisen Berlins wird die Errichtung eines Lehrstuhls für die Wissenschaft des Judentums an einer preußischen, womöglich der Berliner Universität angestrebt. Zu diesem Zwecke sollen Anfang März in allen preußischen Gemeinden Geldsammlungen veranstaltet werden. Bedenken bestehen nur in der Richtung, ob ein einziger Lehrstuhl für das umfangreiche Gebiet der jüdischen Wissenschaft genügt. Wie bestimmt verlautet, werden in Budapest mit Beginn des nächsten Semesters zwei Lehrkanzeln für Talmud errichtet, eine an der katholisch-theologischen Fakultät und eine an der philosophischen Fakultät: die erstere dürfte dem Jesuitenpater Professor Leopold Huber, die letztere der Professor am Rabbinerseminar Dr. Ludwig Blau erhalten. Die Auszeichnung; einer jüdischen WaisenanstaltS-Direktrice. Frl. Reine Loew. Direktrice des jüdischen Waisenhauses in Straßburg, hat nach zurückgelegter 38jähriger Dienstzeit anläßlich ihres Rücktrittes das F r a u e n v e r d i e n s t k r e u z erhalten. Die jüdische Bevölkerung der Welt Einen statistischen Ueberblick über die Zahl der Juden, soweit zuverlässige amtliehe Angaben zu erlangen waren, gibt die „Nature". Nach dieser Aufstellung beziffert sich die Gesamtzahl der Juden auf 11,817.783, "wovon weitaus der größte Teil, 9,942.266, in Europa leben. In Amerika zählte man 1,894.409, in Asien 533.035, in Afrika 341.867 und in Australien 17.106 Bekenner des israelitischen Glaubens. An der Spitze der einzelnen Länder steht Rußland mit einer jüdischen Bevölkerung von 5,110.548 Köpfen, Oesterreich folgt mit 1,224.899, Ungarn mit 851.378, Deutsehland mit 607.842, die europäische Türkei mit 282.277, Rumänien mit 238 275, und an siebenter Stelle England mit 105.988. In Holland zählte man 105.988, in Frankreich dagegen nicht ganz 100.000, von denen nahezu 70.000 in Paris leben, Italien weist nach der Volkszählung 52.115 Juden auf. Anders liegen die Verhältnisse in den Großstädten der Welt. Hier steht N e w-Y o r k mit einer Bevölkerung von 1,062.000 Anhängern der jüdischen Religion an der Spitze. Es folgen Warschau mit 204.712, Budapest mit 186.047, Wien mit 146.926, London mit 144.300, Odessa mit 138.935, Brooklyn mit etwas über 100.000, Berlin mit 98.893, Lodz mit 98.671, Chicago mit 80.000, - Saloniki und Philadelphia mit je 75.000, Paris mit 70.000, Konstantinopel mit etwa 65.000, Wilna mit 63.841, Amsterdam mit 69.065, Jerusalem mit 53.000. Kischinew mit 50.237, Minsk mit 45.000, Lemberg mit 44.258. und Bukarest mit 40.533 Juden. Diese Ziffern sind zum Teile schon veraltet. Der Eid more judaico — aufgehoben. Der Kassationshof in Bukarest hat in der Frage der Eidesleistung der Juden folgende oberstgerichtliche Entscheidung getroffen: Der Gesetzgeber hat die Ableistung des gerichtlichen Eides im Gerichtssaal und in öffentlicher Sitzung vorgeschrieben, wobei die vom Gesetze vorgeschriebene Eidesformel nach der Religion dessen, der schwört, abgeändert werden kann. Das Gericht verletzt daher diese Regel, wenn es entscheidet, daß der Eid der Juden in der Synagoge gemäß dem fürstlichen Erlasse von 1844 geleistet werden muß, der durch Art. 740 des Zivilgerichtsverfahrens aufgehoben worden ist. — Durch diese oberstgerichtlicbe Entscheidung wird also die barbarische und stupide Eidesableistung, wie sie von manchen Berichten den Juden auf

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