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Neue Nationalzeitung · 1912-02-09 · Heft 3 (9.2.1912) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 3 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3 „Neue National-Zeitung" Seite 7 Der Leitung der Deutschen Konferenzgemeinschaft wurde einstimmig ein Vertrauensvotum erteilt. Von allen Seiten ist die fVste Ueberzeugung ausgesprochen worden, daß durch Gründung eines solchen L.mdes-Komitees für die deutschen Mitglieder der A. J. U. die Möglichkeit geschaffen werde, einen maßgebenden Einfluß auf die Leitung der Alliance Angelegenheiten zu gewinnen. Die hiesige (Konferenz-Gemeinschaft) verbreitet eine umfangreiche Flugschrift „Die Entrechturg der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft." * . Der Ritualmord-Prozess in Kiew. Berlin. ,.D e r Hilfsverein der Deutschen Juden" erhält folgende Telegramme: Kiew, 1. Februar. Seit Jahresfrist wird die Öffentlichkeit in Kußland durch einen Ritualmordprozeß in Kiew in Erregung gehalten. Ein gewisser Justschinsky wurde in Kiew ermordet aufgefunden. Da man den Mörder nicht ausfindig machen konnte, so wurde von den reaktionären Gesellschaften in Kiew daran gearbeitet, den Mord als einen K i t u a l m o r cl hinzustellen und gegen die Juden auszubeuten. Es wurde ein Jude in Haft genommen, dem in dieser Woche der Prozeß gemacht werden soll. Nunmehr hat ein bekannter Journalist, Brasil Brusehkowski in Kiew, sensationelle Enthüllungen gemacht, zu denen er auf Grund eines umfangreichen gesammelten Materials gekommen ist. Hiernach ist der Mord das Werk einer berüchtigten Yerbrecherbande, die unter Leitung des in Kiew ansässigen französischen Staatsangehörigen Mifle und der Verwandten des ermordeten Justschinsky steht. Für Mifle und Konsorten war die Beseitigung Justsehinskys notwendig, weil dieser Kenntnis von ihren verbrecherischen Treiben hatte und sie Verrat von seiner Seite fürchten mußten. Zwei Zeugen, die mit der Verbreoherbande in Beziehung standen, die ehemalige Geliebte Mifles,Tschebyrjakowa, und der Tischler Petrow haben außerordentlich schwerwiegende Tatsachen bekundet, die zur Feststellung der wirklichen Mörder führen müssen. Gestern hat nun Brasil Bruschkowski der Kiewer Staatsanwaltschaft sein Material übermittelt und die beiden genannten Zeugen der Staatsanwaltschaft vorgeführt. Die anwesenden Staatsanwaltsgchilfen weigerten sich aber, die Bekundigung der Zeugen, die die Situation völlig ändern und Lieht in das Dunkel bringen, entgegenzunehmen und begründeten ihre gesetzwidrige Weigerung damit, daß der Hauptstaatsanwalt in Angelegenheit Justschinsky nach Petersburg abgereist sei. Die Weigerung, solch wichtiger Zeugen zu vernehmen, ist umso unerhörter, weil der Prozeß wegen des Mordes Justsehinskys schon in dieser Woche beginnt und weil sich gerade jetzt der Ministerrat, der auch höheren Ortes zu berichten beauftragt ist, mit der Angelegenheit befaßt. In der Kiewer Bevölkerung, auch in der niehtjüdischen, herrscht über diese Vorkommnisse eine außerordentliche Aufregung, da man mehr und mehr zu der Ueberzeugung gelangt, daß man die Wahrheit in der Angelegenheit Justschinsky unterdrücken und die Juden als Schuldige hinstellen will, um einen Vorwand zu ha»en, gegen die Juden zu hetzen und Unruhen und Pogrome hervorzurufen. * Kiew, i. Februar. Die rätselhafte Mordaffäre Justschinsky in Kiew, die ganz Rußland seit einem Jahre in Aufregung hält, die manchen Ministerrat und selbst die Duma beschäftigt hat, ist jetzt ihrer Aufklärung nahe. Die gestern gemeldeten Enthüllungen des Journalisten Brasil Bruschkowski füllen ganze Spalten der Kiewer und sonstigen russischen Zeitungen. Unter dem Drucke der öffentlichen Meinung hat auch die Kiewer Staatsanwaltschaft ihre anfängliche gesetzwidrige Haltung aufgeben müssen. Noch spät am Mittwoch Abend wurde dem Verlangen Brasils nachgegeben und er und seine Zeugen einem fünfstündigen Verhör unterworfen. Die von Brasil angegebenen Zeugen machten für Mifle und seine Bande sehr gravierende Aussagen. Der Tischler Petrow hat kmz vor der Ermordung Justsehinskys gesehen, wie Mifle eine Schusterahle präparierte. Nach der Ermordung Justsehinskys fanden zwei- Knaben, der Knabe Tsehebyrjakow, der später merkwürdü gerweise ebenfalls einen rätselhaften Tod fand, und de Knabe Sarutsky, diese Ahle. Sie war voll Blut. Neben der Ahle fanden sie an der Mordstelle auch eine eigentümliche Feile. Als Mifle Kenntnis von diesen Fund erhielt, wurde er sehr erregt und befahl, diese Gegenstände in eine Klosettgrube zu werfen. Die Mutter des getöteten Knaben Tsehebyrjakow und der Knabe Sarutsky machten nach dieser Richtung die bestimmtesten Aussagen. Zugleich erzählte die Mutter, eine ehemalige Geliebte Miltes, von geheimnisvollen Zusammenkünften Miltes und seiner Genossen Neschinski, Priehodko, Nasarenko und anderen vor und nach Ermordung Justsehinskys. Sie schwuren sich gegenseitig, das Geheimnis ihrer Verschwörung zu wahren und bekräftigten ihren Schwur mit ihrem Blute, indem sie sich Einschnitte in die Hand machten. MiÜe äußerte mehrmals vor Petrow, daß seine ehemalige Geliebte ihn zu Grunde richten würde und er stellte daher ihrem Leben nach. Durch Verbreitung des Märchens von einem Ritualmorde versuchte die A'erbrecherbande den Verdacht von sich abzulenken. GEMEiNög=üM& V&R5iNSNÄUWilßtW Wien. (,I ii d i s <• Ii e r V n I k s 1 i e d e r a h e n d.) Der akademische Verein .,J ii d is c l> e Kult u r" veranstaltet Anfany März einen irroßanireloyten Volkslioderaboud. Die Vorarbeiten sind horeks in Ausritt youomineu worden. Näheres wird noch bokanntsroirobon werden. Wien, (I) o r V e r b :i n d j ü d i s c h e r F r a ti <> n /. ii r F ö i" (1 e r ii Ji d o r Kulturarbeit i n P a 1 äs t i ii ii) veranstaltet in den Räumen des Jüdischen Natinlialt tii lsluir aux, Wien. IX., Türkonstraße 9. eine!S <• h a ustellu u ir orient a 1 i s c \\ o r Spitzen u n d E r- /. e u - n i s s e de r K u n -s t ir e w e r b e s c Ii u 1 e ..K e z a- 1 o!"\ Die Besichtigung findet vom 11. bis 18. Februar 191J tätlich von 10 bis 1 Uhr vormittags und von :i bis Ii Fhr iwichmitta.tfs statt. Wien. Dpi1 Kultusvurstaud hat auf Grund einer Eingabe zahlreicher hervorragender Geineiiidemitjdiodor die Aufnahme des verstorbenen UingMihrixen Kultus Vorsteher.- Fmaniiel Bau in ir arte n in die 11 a s k a r ah der G<- meiiHlebethäuser Stadt und Leopoldstadit, beschlossen. ..su daß das Andenkon dos Verewigten in der Reihe der um die Wiener Gemeinde verdienten Persönlichkeiten auch im (iotteshause in pietätvoller Weise dauernd gewahrt bleiben wird". Wien. (Verein zur Hebunu: der Gewerbe in Wien.) S o ii nta sr, den 11. Februar, 7 Ehr abends, findet im Fest- >aalie des n.-ö. Gewerbevereiues. I.. Eschonbaclnra>se 11. ein Vortrag des Herrn Redakteur Julius Frey, früher in T i o n t s i n (Nord-China), über: ..China im Zeichen der Revolution" mit 1U0 Skioptikonbildern statt.. Wien. Froitas?. den 16. Februar wird Herr Leopold M ii 11 e r sein Amt als O b e r k a n t o r der Sehiffscliule dl.. Gr. Schiff^. S) antreten. In Anbetracht des voraussichtlichen Andranges werden die P. T. Bethaussitzinhaber irebeten, rechtzeitig zu kommen. Wien. (Verein „E s r a t h Israel*'.) Am 4. Feber 1. .}. veranstaltete der Verein „Esrath Israel" in seinen, wohltätigen Zwecken .gewidmeten Lokalitäten, II., Floßgasse

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