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Neue Nationalzeitung · 1912-02-09 · Heft 3 (9.2.1912) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 3 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 ,Neue National-Zeitung" Seite 3 Der neue Religions-Lehrplan — angenommen! (Die Debatte im Kultusvorstand.) Wi e n, den 7. Februar. Du gestrige öffentliche Sitzung des Kultusvorstandes war in erster Linie der Aenderung einzelner Bestimmungen des Kultusgemeinde Statutes gewidmet. Das Vertreter Kollegium hat nachstehende Anträge dem Plenum unterbreilet: 1. Dio E r h ö h u n »' des Steuormaximunis von K 12.000 auf K 20.000 und dio Xoiiointoihmir der Steuerklassen und Stufen. 2. Dio Küokhosteuorunir bereits längere Zeit in Wien wohnhafter Israeliten. 3. Dio Krhöhunu' dor KuHussteurr einzelner Steuertrüber während dos Trionnhinm. 4. Dio I'pbortrfl.iruiii? dos Rechtes an die Srbät/.unirskominission. die Imaitrikulatious-obiihi' zu onuäßuron nd:>r na ehzulasson. 5. Festsetzung der Pflicht zur Steuerleistun»' für das laufende Jahr im Falle dos froien Ausscheidens auder Gemeinde. (>. Vorkehrungen für den Fall, als ein Kultussteuer- IJoziiksknllot:imii seiner Pflicht, die Steuorbeniessmiir vorzunehmen, nicht nachkommt. 7. Erhöhung' d<»r Anzahl der Vertrauensmänner und AennYruii.ir der Aufteilim«' auf die einzelnen Jv ultus-Dozirkskolloinon. X. Festsetzung des A nsprif lies der A n b'v teil ton auf Vevsor<j;iiiii>;s<xenüsso. mit tiiuk-doht auf «las PYusioiisversitdieruuiU's.ii.'esO'tz. Es kam jedoch diesbezüg ich zu gar keinen bindenden Beschlüssen. Zahlreiche Kultusvorsleher wollten auf das Flickwerk des Herrn Dr. Alfred Stern nicht eingehen und verlangten unbedingt eine zeitgerechte Revision des ganzen Statuts. Im Sinne der Ausführungen der Herren ßrod und Wilhelm Kuf f n er — les extremes se touchent — wurde der Beschluß gefaßt, die Debatte über die vorgelegten Anträge bis auf weiteres zu vertagen. Eine Ausnihrr.e wurde nur gemacht bezüglich der oben sub 7 und 8 angeführten besonders dringenden Bestimmungen. Ad 7, weil für den Bezirk FJoridsdorf eine Bezirks« kommission geschaflen werden mußte, bei welcher Gelegenheit auch die Zahl der Verlrauensmänner für die anderen Bezirke erhöht wurde. Ad 8 sollten die Vorschriften des Gemeindestatuts bezüglich der Pensionierung der Gemeinde-Angestellten mit dem staatlichen Pensionsgesetze vom 16. Dezember 1906 in Einklang gebracht werden. Die Anträge des Vertre'er-Kollegiums wurden auch einstimmig angenommen. Den 2. Punkt der Tagesordnung bildete die Reform des Religionsunterrichtes an den zwei obersten Klassen der Mittelschulen. Es hat sich hier darum gehandelt, die in unserem Blatte seinerzeit sehr ausführlich besprochenen Reform vorschlage des Dr. Maximilian Steiner in einem konkreten Lehrplan einzukleiden, resp. diesen Lehrplan anzunehmen. Dieser Lehrplan soll lediglich für die zwei obersten Klassen der Mittelschulen bestimmt sein und vorläufig probeweise in drei Mittelschulen eingeführt werden. Lehrplan für die zwei obersten Klassen der Mittelschule. Vorletzte Klasse. — I. Semester. 1. Geschichte der Juden vom Ende des Gaonatos bis zur A ei treibunir der Juden ans Spanien in «rroßen Gosehii htsbildern. mit besonderer Beriioksiehtiiriniir der Geschichte der Juden in Oesterreich. 2. Dio heiligen Schriften, deren Einteilung und Inhalt sowie die w i c h t i v: s t e n F e b e r s e it z u n ix e n. Punkt 3 und 4 werden zusammengefaßt in: 3. n) Die Gruiidlohron der Thoira. Fesen der betreffenden Stellen in der F r s p r a c h e mit Ueb ersetz u v, ix. b) Das; rel'miowo Loben der Juden im Hau^e und in der Synau'ou'o: Ritualien. Liturgie. Terminoloirie. 4. Ausi-rewlihlte Stücke aus der Thora und den Propheten in d o u t s r h o v F o h o r s o t z u n t>. II. Semester. 1. Geschichtsbild;1!1 aus dem 15.—18, Jahrhundert, mit besonderer I?erii(ksiclutinun.i; der Geschichte der Juden in Oesterreich. 1'. Das talmudisch-rahhiiiiseho Judentum und dessen Wol tan schau unu. H. Die Festvorschriften der Thora: deren spätere Gestaltung, die wichtigsten Gebote! n d o r Fr s p r a c 1» p m i t I ehe v s e t z u n ^. 4. Ausgewählte Stücke aus den Propheten, Hiob sowie mititehiltei lieber Dichtungen in deutscher LT e b e r - setz u n ir. Letzte Klasse. — I. Semester. }. Geschichtsbilder aus iIt neuen Zeit, -mit besonderer Berück siohtiuunir der Geschickte -der Juden in Oesterreich. 2. Ausgewählte Stücke ans den Sprüchen und Ps.almon in der F r s p r a. c h e m i t F e b e r setz u n g. Ausgewählte Stücke aus den ndiVionsphilosophischen Schriften des Mittelalters i n <d e u t s c h eir U e b e rs e t z u n ix. II. Semester. 1. Geschichtsbilder aus der neuesten Zeit, mit besonderer Beriieksn htii:unir der Geschichte der Juden in Oesterreich. 2. Wo.'hJt/iti.'fküitKpfleire und Solidarität in Hoschiehtli< her Entwicklung. 3. A b fall b e w e ix u u ix u n d A u s ivanderun .<?. 4. Wiodorholunir der zolin Gebote und dos Abschnittes KedauHcliim in der V r « p r a e Ii o m i t U e b o r s o t z u n y. C). Die Lebenskraft des Judentums. An den Lehrplan knüpfte sich eine sehr ausführliche Debatte, die sehr würdig und ernst verlaufen ist. Es sprachen sehr ausführlich die Kultus-Vorst eher: Dr. Markus Spitzer, Dr. Gustav K o h n, Dr. Schreiber, Weil, Dr. Engel und Dr. Maximilian Steiner. Sämtliche Redner betonten die Notwendigkeit einer Reform des Lehrplanes, weil der bisherige, wie Dr. Kohn wiederholt mit Nachdruck hervorhob, zu, trocken sei und nunmehr interessanter gemacht werden solle. Es soll damit eine neue Methode geschaffen werden und auch nach Ansicht des Dr. Samuely und Dr. Schreiber ein besseres Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler herbeigeführt, resp. die Kluft zwischen

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