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Neue Nationalzeitung · 1912-01-26 · Heft 2 (26.1.1912) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 2 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 versuchen müssen, die kompetenten Behörden, Handelskammer, Handelsministerium usw. zu einer Aktion zu bewegen. Er hat nichts getan. Ist das bloße Indolenz? Herr Kuranda, dem es weder an Fähigkeiten noch an Energie mangelt, will sieh einfach für die Juden nicht exponieren. Die jüdischen Wähler haben ihm ja vorschußweise ihr Vertrauen geschenkt; kein Wunder, wenn ihm dies zu Kopf gestiegen, und er nun recht naiv glaubt, dasselbe als eisernes Inventar für ewige Zeiten in der Tasche zu haben. Herr Kuranda meint, Dr. Ofner und die „Hausjuden" hätten auch nichts getan. Er übersieht aber, daß Dr. Ofner ein Abgeordneter von Grnaden der Sozialdemokraten und die Hausjadea von Gnaden des Statthalters sind. Nur er steht und fällt mit dem Vertrauen seiner jüdischen Wähler. Wenn er hofft, dessen Schwinden durch einen Prozeß mit der „Neuen National-Zeitung" verhüten zu können, dann möge r klagen. Wir warten. Ein »Bluthund von Polna" — Redakteur der „Neuen Freien Presse"? In der letzten Weihnachts-Nummer der Prager „Union" schreibt Graf Sternberg unter dem Titel „0 tempora mutantur" folgendes: „Einst spielte die .Neue Freie Presse" die Rolle, welche heute die „Arbeiterzeitung spielt, damals als sie noch unabhängig und wehrfähig war; damals blies sie noch bei jeder Gelegenheit ehrlich Chofer, damals, wo sie den Rassenantisemitismus mit Stumpf und Stiel auszurotten trachtete. Heute sind die Verhältnisse andere geworden. Wer würde das für möglich halten, daß auf diesem Hlatt, dessen Tendenzen bekannt sind, heute ein Name als Herausgeber gedruckt steht, nämlich der Name jenes Urban, der bei dem Hilsnerprozeß der leidenschaftliche Berichterstatter des „Deutschen Volksblattes" war und der den Ritualmord aus einer langen Periode des Schlummers wieder zum Leben erweckt hat." Diese sensationelle Mitteilung hat die „Österreichische •Wochenschrift", das offizielle Organ dos Wiener Ifultusvorstandes, am 5. d. M. abgedruckt. Wir finden in einem Artikel „Antisemiten]ahrzeiten" von Dr. J. Sinnreich folgende Stelle: „Die größte Zeitung Wiens, die einen Weltruf genießt, von Juden begründet und bis zur Stunde in jüdischen Händen, soll seit 10 Jahren keinen Juden in die Administration aufgenommen haben. Selbstverständlich kann ich das weder beeiden noch beweisen. Aber ein anderer Fall ist vorhanden, der unwiederlegbar ist. Als verantwortlicher Redakteur dieser Zeitung zeichnet seit kurzem ein Mann, „der beim Hilsnerprozeß der leiden- . sehaftiieheBerichterstatter desDeutschen Volksblattes war und der den Ritualmord aus einer langen Periode des Schlummers zjuu Leben erweckt hat" („Union", Seite 4, Nr. 355, 24. Dezember 1911)." Den Namen des Herrn Wenzel Friedrich Urban und seine Eigenschaft als vei antwortlicher Redakteur kann jedermann *uf der letzten Seite der „Neuen Freien Presse" finden. „Wie ist das möglich" — wird der Leser fragen, — „daß ein, Bluthund von Polna1 Redakteur der „Neuen Freien Presse" ist? Darauf können wir nur antworten, daß eben iß. Wien alles möglich ist. Wem diese Antwort nicht genügt, der wende aich an Herrn Dr. Alfred Stern oder an Herrn Hofrat Kuranda, die zur „Neuen Freien Presse1' in, ständigen Beziehungen stehen. Ihnen kam auch die ütachricht der „Osterreichischen Wochenschrift" wie eine Bowbb«. Sie waren entsetzt über diese Unbotmäßigkeit, die sie um die Gnade der „Neuen Freien Presse" bringen könnte. Am Ende könnten noch deren jüdischen Abonnenten und Inserenten striken. . . . Es mußte also rasch ein Mittel gefunden werden, um die Judenfreundlichkeit der „Neuen Freien Presse" im strahlenden Glänze zu zeigen! So ein Mittel ist rasch zur Hand. Die „Neue Freie Presse" braucht nur eine jüdische Nachricht zu bringen, Avas sie sonst nie tut, und die Juden i'ühlen .«ich reiehlieh belohnt. Diesmal veröffentlichte also die „Neue Freie Presse" einige schmeichelhafte Worte, die Bürgermeister G;iynor in einer New-Yorker Synagoge an die Juden zur Chanukafeier gerichtet hat. . . . Und Herr Urban bleibt weiter Redakteur, die ,.Ncue Freie Presse" bleibt das „liberalste" Blatt und Iltlsner bleibt bis an soin Lebensende in der Kerkerzelle der Strafanstalt Stein. . . . Maxim Anin : t)as Zionsgespensf.*) (Schluß.) III. Um dem Palästinozentrismus dein Schein einer Begründung zu .verleihen, mußte ihm der Verfasser »eine Auffassung von Rasse und Wert anpassen. Das mußte zu einer vollständigen Vertuschung des Rasssnbegriffes führen. „Zion" mußte um jeden Preis zum konstitutiven Bestandteil des Judentumsbegriffes gemacht werden. Dsishalb mußte der Autor das Wieisen der Rasse in genau bestimmten Werten und konkreten Erscheinungen erblicken und nicht in einer bestimmt veranlagten wertebildenden geistigen Kraft, wie es die modieirne Literatur der Rassenfrage! anerkennt. Die Seele Israels offenbart sich dem Autor nicht in bsistimmten Geistes richtungen, sondern in einem genau präzisierten Geistes Inhalt. Judaismus sei soziales Heil in Zion. Messianismus — das Gottesreich in Zion. Wir berühren hier eine Erscheinung, die) im jüdisch-nationalen und insbesondere) im zionistischen Lager eine durchaus allgemeine Geltung erlangt hat. Diese Erscheinung, die wir zum tieferen Verständnis der Wirkung dzB Zionsgespenstes hier näher analysieren müssen, findet ihren prägnantein Ausdruck im weitverbreSteten Glaubensartikel „Judentum Thora — Zion=Heibräische Sprach e." Eine rein geistige! Qualität, eine universalistische Schaffensveranlagung wird auf die Stufe grob-sinnfälliger Tatsächlichkeit und engkonkretisierter Einzelerscheinungen berabg'eizerrt. Die ewig schaffende Kraft — mit delm geschaffenen — oft vergänglichen — Produkt identifiziert. Das Verhältnis von Körper und Kleidung wird bis zur Bedeutung des Verhältnisses von Körper und Seelei aufgebauscht. Wiiei konnte aber die Volksseele diese von unseren Bücherwürmern vorgenommene Metamorphose* billigen? Gerade bei dem abstrakt-nüchternen, dürr-intellektuali»tischen Grundzug des .heutigen Judengeistes konnte es anders nicht sein. Denn wer an Hypertrophie der Geistigkeit leidielt, kann seinen Mangel an konkret-emotioneller Auffassungs-, Empfindungs- und Gestaltungsgabe nur durch grobsinnfällige — im Grunde also auch nur rationali- *) Vgl. Nr. 1 d. Jhrg.

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