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Neue Nationalzeitung · 1911-12-15 · Heft 25 (15.12.1911) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 25 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 25 „Neue National-Zeitung" Seite 9 umfassendes statistisches Material gesammelt, von dem nachstehend eine kurze Zusammenfassung mitgeteilt sei. Es gibt in den einzelnen Staaten der nordamerikanischen Union an jüdischen Farmerfamilien: New-York 975, New Jersey 726, Connecticut 598, JNord-Dacota 250, Massachusetts 185, Ohio 85, Michigan 83, Pennsylvania 63, Süd-Dacota 50, Wyoming 31, Wisconsin 29, Jowa 25, Indiana 24, Washington 22, Louisiana 22, Illinois 19, Maryland 18, Colorado 16, Nebraska 15, Missouri 11, andere Staaten 29, zusammen 3 3 3 9. Diese Aufstellung ist jedoch, wie bereits oben bemerkt, recht unvollständig. In Wirklichkeit dürfte die Zahl der jüdischen Farmerfamilien nach Schätzungen des Vorstandes der Aid Society ungefähr das doppelte der obigen Ziffer betragen. Berechnet man nun die einzelne Familie zu fünf Köpfen, so würde die Zahl der jüdischen Farmerbevölkerung in den Vereinigten Staaten auf etwa 30 000 Seelen belaufen. Montag, den 27. November, wurde iu New-York, im Gebäude der Educational Alliance, der dritte Kongreß jüdischer Farmer eröffnet, welchen die Föderation der jüdischen Farmer einberufen hat. Es erschienen 75 Delegierte, Vertreter von 41 Vereinen mit 1200 Mitgliedern. Der Kongreß dauerte 3 Tage. Die Eröffnungsrede hielt der Präsident der Föderation, Mr. Samuel Hein, welcher die großartigen Erfolge der jüdischen Farmer und die von ihnen bereits überwundenen Schwierigkeiten schilderte. Er stellte dann mehrere wichtige Probleme zur Diskussion: Wie die Kinder d-r Farmer als treue Juden zu erziehen seien, die Notwendigkeit der Schaffang einer Unterstützungskasse für Invaliden und Witwen, sowie die Einrichtung einer Korporation zum Zwecke des gemeinsamen Produktenabsatzes. Der Kongreß hat nicht nur in jüdischen, sondern selbst in den weitesten amerikanischen Kreisen großes Aufsehen erregt. Liegt doch die Zukunft der amerikanischen Judenschaft und der weiteren Einwanderung in der Ueberführung der jüdischen Volksmassen aus den neuentstehenden Ghettis zur Landarbeit. In diesem Sinne hat der New-Yorker Bürgermeister Gaynor an den Kongreß eine Zuschrift gerichtet; Jacob Schiff, der an einem Meeting der Farmer teilnahm, hat die Zunahme der jüdischen Farmer lebhaft begrüßt. Es heißt, daß die Föderation von der Pariser ICA einen größeren Betrag erhalten soll. Der Kongreß ist für die amerikanische Judenschaft von sehr großer Bedeutung. %U5 ÄLLBN WCLttCilM Baron Gustav Rothschild ist in Paris am 29. November im Alter von 82 Jahren gestorben. Er war der zweite Sohn des im Jahre 1868 verstorbenen Gründers des Pariser Hauses. James Kothschild. Dieser hatte drei Söhne hinterlassen : Alfons, bis 1905 der oberste Leiter, Gustav und den noch lebenden Edmund, der jetzt gemeinsam mit einem Sohne von Alfons, Eduard, und dem Sohne Gustavs, Baron Eobert Philipp Rothschild, der Pariser Firma vorsteht. Gustav war mit Cäcilie geb. Anzbach, einer Verwandten des Frankfurter Hauses vermählt und hatte drei Kinder. Gustav E. war mehrere Jahrzehnte Generalkonsul Oesterreich-Ungarns. Die Führung der Konsulargeschäfte war jedoch einem Berufskonsul übertragen. Als Führer der französischen Judenheit hat er stets die konservativen Grundsätze vertreten, und es soll nicht vergessen werden, daß er durch sein Eingreifen die gefährlichen Vorschläge der französischen Eeform-Eabbiner zur Einführung der Scheidungsklausel bei der Eheschließung vereitelt hat. 1S86 gründete er die unter dem Namen Gustavede-Eothschild-Schule bekannte Elementarschule, und bei Gelegenheit der Jahrzeit seiner früh verschiedenen Tochter, der Baronin Emanuel Leonino (1898), stiftete er 20 Preise von je 000 Frs., die an jüdische Greise in Paris jährlieh verteilt werden sollen. Eine Christin auf dem jüdischen Friedhof. Die jüngst verstorbene Frau Marta Oesterreic her geb. Petzold, eine Christin, die, wie wir jüngst mitgeteilt haben, gemeinsam mit ihrem 1901 verstorbenen jüdischen Gemahl die jüdische Gemeinde in Breslau zur Erbin ihres großen Vermögens einsetzte, bat kurz vor ihrem Tode darum, ihre Urne auf dem jüdischen Friedhofe beizusetzen. Die Gemeinderabbiner genehmigten den Wunsch und die Beisetzung erfolgte in aller Stille. Der „Yerein zur Förderung der Interessen der Synagogengemeinde Breslau" hat jedoch in seiner jüngsten Versammlung die folgende Eesolution gefaßt: „Die Zulassung der Beisetzung nichtjüdischer Personen auf den jüdischen Friedhöfen ist geeignet, das Empfinden einer großen Zahl von Gemeindemitgliedern aufs tiefste zu verletzen. Wir sind der Meinung, das der konfessionelle Charakter der jüdischen Friedhöfe gewahrt bleiben muß, und daß demnach eine prinzipielle Eegelung der vorliegenden Frage nur dahin erfolgen kann, daß die Beisetzung nichtjüdisch9r Ehefrauen auf den jüdischen Friedhöfen für unzulässig erklärt wird," Die Juden in Mord-Afrika. Am vorletzten Samstag hielt der auch als Schriftsteller bekannte Generalkonsul v. Hesse-Wartegg auf Veranlassung des Kaufmännischen Vereins in Basel einen öffentlichen Vortrag mit Lichtbildern über das aktuelle Thema : „Marokko und Tripolis" Der Eedner, der durch viele Eeisen und persönliche Bekanntschaft mit Land und Leuten und als früherer deutscher Generalkonsul in Tripolis sich für den Vortrag besonders qualifizierte, wußte die Zuhörer, die bis auf den letzten Platz den großen Saal des BernoulHanums füllten, in zweistündigem Vortrage zu fesseln und zu unterhalten. Für die Juden fiel freilich manche boshafte Bemerkung ab. Die von dem früheren Sultan von Marokko, Abdul Asis, der durch seine Mißwirtschaft das Land den Franzosen in die Hände spielte, bestellten Luxusgegenstände, wurden, so erzählte er zum Beispiel, sobald der orientalische Herrscher ihrer überdrüssig geworden, von den „Hebräern" versilbert. Der Vortragende schätzt die Zahl der Juden in Marokko und Algier auf je 120.000, in Tunis 60.000 und in Tripolis auf 18- bis 20.000. Interessant ist, was er von jüdischen Troglodyten (Höhlenbewohnern) in Tripolis erzählt. In dem felsigen Boden sind breite Vertiefungen eingegraben, auf deren Grund die Kinder spielen. In die Felsen hin eingebaut sind die als Wohnung dienenden Höhlen, welche der Eedner nach photographischen Aufnahmen in Bildern zeigt. In einer solchen Höhle befindet sich sogar eine Synagoge und der dort amtierende Eabbiner hat dem Vortragenden gesagt, daß er bereits der elfte seines Geschlechtes sei, der diese Stellung bekleide, woraus, wie der Eedner bemerkte, hervorgeht, daß es ein einträgliches Amt sein müsse. Merkwürdige Logik. . . . Der Präsident der Budapester Kultusgemeinde, Hofrat Dr. Philipp Weinmann, wurde unter ergreifenden Kundgebungen tiefer Trauer, bestattet. Bei dieser Trauerfeier kam einerseits die hohe Verehrung, die Hofrat Weinmann in allen Kreisen der Gesellschaft genossen, zum Ausdruck, andererseits äußerte sich in imposanter Form die Dankbarkeit der engeren Glaubensgenossen des Verewigten für die humanitären Schöpfungen, die, seitdem Hofrat Weinmann die Angelegenheiten der Gemeinde geleitet, teils geschaffen, teils zu Ende geführt wurden. Die Trauerfeier

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