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Neue Nationalzeitung · 1911-12-15 · Heft 25 (15.12.1911) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 25 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 25 „Seit zehn Jahren", sagte er, „spielt hier das Jüdische Theater, welches sowohl von Juden als auch von Christen hesucht wird. Das Theater erfüllt eine hohe kulturelle Mission, indem es den kleinen Leuten Unterhaltung und Belehrung bietet. Eedner seihst besucht häufig dieses Theater, das er oft lachenden Herzens oder weinend verläßt. Das Theater hat eine vorzügliche Truppe, die sieh bemüht, wirklich gediegene Leistungen zu bieten. Das Theater hat auch eine ganz bedeutende Eegie, die sieh auf 11.390 K monatlich beläuft. Im Laufe der zehnjährigen Spieldauer hat das Theater der Stadt über 30.000 E an Kartensteur geleistet. In Erwägung aller dieser Umstände hat sieh Eedner veranlaßt gesehen, in der Sektion den Seperatantrag zu stellen, die Subvention auf 2000 Kronen zu erhöhen. Eedner bittet um Annahme seines Antrages. Dr. Strauch er unterstützte diesen Antrag wärmstens. Er führte aus: „Wenn es auch richtig ist, daß die hiesige Bühne noch nicht auf der Höhe steht, wie andere ähnliche Institute, so sei aber andererseits nicht zu übersehen, daß es sich da um ein Kunstinstitut handelt, das hohen künstlerischen Zielen zustrebt. Das jüdische Theater ist eine junge Pflanze, die eben der Pflege bedarf. Die jüdische Kultur befindet sich gegenwärtig in einer Periode der Eeuaissance und da spielt eben die jüdische Bühne eine bedeutende Eolle. Die jüdische Kultur schöpft nun ihre Probleme aus der jüdischen Geschichte, aus seiner alten, bewegten Vergangenheit. Und dieser national-kulturellen Bewegung gibt die jüdische Bühne Ausdruck. Die jüdische europäische Bühne freilich befindet sich noch nicht auf einer besonderen Höhe, hingegen gibt es in Amerika jüdische Bühnen, die einen bedeutenden kulturellen und künstlerischen Faktor bilden. Es gelangen da Werke von starker poetischer Kraft und Schönheit zur Aufführung. Und in den letzten Jahren haben sieh ganz her vorrangende Talente in den Dienst dieser Bühne gestellt. Das jüdische Theater hat aber auch einen erzieherischen Wert, indem es durch die Aufführungen beim Volke den Sinn für Schönheit und Gerechtigkeit erweckt hat, während die Auswüchse rücksichtslos gegeißelt werden. Das jüdische Theater verdient also ebenso wie die anderen nationalen Bühnen Förderung und Unterstützung.Eedner dankt daher auch dem GE. Wegner, der als Deutscher das vollste Verständnis für diese Sache aufbrachte und der jüdischen Bühne die ihr gebührende Würdigung angedeihen ließ und bittet um die Annahme des Antrages auf Gewährung einer Subvention von 2000 K." Der Antrag wurde auch angenommen. Sehr befremdend ist es daher, daß gerade seitens eines jüdisch-nationalen, dem Gemeinderate nicht angehörigen Advokaten ein Protest gegen diese Subvention beim Landesausschuß erhoben wurde. Dieser Protest wird mit angebliehen Mängeln bei der Abstimmung, sowie damit begründet, daß das Theater des Herrn Axelrad künstlerisch viel zu wünschen übrig lasse. Das mag ja sein. Aber dann soll der betreffende Herr ein besseres schaffen und dann könnte dieses Theater auf die Subvention aspirieren. Mit einem solchen Proteste schädigt man aber ein für allemel die Institution des jüdischen Theaters und übernimmt damit eine schwere Verantwortung. Deutsches Reich. Der Hilfsverein der Deutschen Juden. Berlin. In der letzten Sitzung des geschäftsführeiiden Ausschusses des Hilfsvereines der Deutschen Juden gedachte der Vorsitzende, Herr Dr. James Simon, zunächst in warmen Worten der seit der vorigen Tagung dahingeschiedenen Mitglieder des Zentralkomitees des Hilfsvereines, der Herren Geh. Medizinalrat Professor Dr. Senator, Rabbiner Doktor Vogelstein (Stettin) und Emil Wassermann (Bamberg. Die Organisation des Hilfsvereines erfuhr durch Zuwahl hervorragender, speziell für soziale Fürsorge sich interessierender Persönlichkeiten eine wertvolle Stärkung. Herr Ludwig Schiff (Frankfurt a. M.) und Frau Direktor May (Berlin) als erste Dame wurden in das Zentralkomitee kooptiert. Herr Rabbiner Dr. Nobel (Frankfurt a. M.) wurde in, die Schulkommission gewählt. Die Beratung galt im wesentlichen den Budgets für das Sc hui werk, die eine erhebliche Steigerung gegen das Vorjahr erfahren haben. Die Mehrkosten erwuchsen insbesondere durch den weiteren Ausbau einer Anzahl Institute des Hilfsvereins in Jerusalem, Jaffa, Haifa und Saloniki, umfassende organisatorische Verbesserungen, Heranziehung neuer tüchtiger Lehrkräfte, Einführung des Handfertigkeitsunterrichtes in Palästina etc. Das Gesamtbudget für das Schulwerk belauft sich für das Schuljahr 1911/12 auf rund 200.000 Mark, wovon ca. 155.000 Mark auf Palästina und ca. 45.000 Mark auf die europäische Türkei, Bulgarien, Rumänien, Galizien ^entfallen. Schließlich wurde noch über das Hilfswerk zu gunsten der Opfer der Brandkatastrophe in Konstantinopel und die weitere Gestaltung des russischen Hilfswerks, speziell der Auswandererfürsorge beraten. Nordamerika. Der Kongress jüdischer Farmer. New-York. Die zahlreichen und ausgedehnten Siedelungen jüdischer Landwirte in den Vereinigten Staaten von Nordamerika sind in Europa verhältnismäßig wenig bekannt. Eigentliche jüdische Ackerbaukolonien, d. h. geschlossene Dorfsiedelungen, wie sie z. B. in Palästina, Südrußland und Argentinien bestehen, gibt es in Nordamerika nur in kleiner Anzahl. Sie befinden sich meist im Staate New Jersey, und die bekanntesten unter ihnen sind die Kolonien W o o d b i n e, Alliance, Rosenhain und Karrael. Woodbine wurde im Jahre 1891 gegründet, schwang sich rasch zu ansehnlichem Wohlstand empor und macht heute den Eindruck eines kleinen, freundlichen Landstädtchens, etwa wie Pethach-Tikwah oder Rischon- L e z i o n in Palästina. Alliance, Rosenhain und Karmel existieren schon seit dem Anfang der Achtziger jähre und haben sich ebenfalls sehr gut entwickelt. Neben diesen größeren Kolonien gibt es aber, über das ganze Gebiet der Union zerstreut, eine große Menge landwirtschaftlicher Einzelsiedelungen, sogenannte Farmen, die früher keinerlei Zusammenhang untereinander hatten, vor einigen Jahren jedoch in der Jewish Agricultural and Industrial Aid Society eine Zentralstelle erhalten haben. Diese überaus segensreich wirkende Organisation geht den einzelnen Farmern mit billigem, langfristigem Kredit, mit fachmännischen Ratschlägen für die rationelle Bodenbewirtschaftung, mit Vermittlung von Bodenkäufen sowie mit der Einrichtung von Schulen, Bibliotheken und Lesehallen an die Hand. Eine einigermaßen vollständige Statistik der jüdischen Farmer in Amerika gibt es zur Zeit noch nicht, doch hat die obengenannte Aid Society immerhin

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