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Neue Nationalzeitung · 1911-12-15 · Heft 25 (15.12.1911) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 25 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 „Neue National-Zeitung" Seite 7 1909 noch um 58.556 Personen. Die einzelnen europäischen Staaten waren an dieser Einwanderung wie folgt beteiligt: Spanien 124.009, Italien 103.188, Frankreich 24.216, Deutschland 11.356, Österreich 4542, Ungarn 694, England 3308, Portugal 1247, Holland 1179, Belgien 545 Personen. Aus Brasilien sind 14.682 Personen eingewandert. Von dea Einwanderern waren 258.934 Katholiken, 6680 Juden und 24.026 Andersgläubige. Die barbarische Behandlung russischer Juden in Deutschland. Das Züricher „Israelitische Wochenblatt" veröffentlicht folgende Zuschrift eines jüdischen Emigranten, der in Deutschland ärger als in Kußland behandelt wurde. Und da schimpft man noch über Bußland! Der Brief lautet: Hochgeehrter Herr Redakteur! Ich ersuche Sie höflichst, in ihre werte Zeitung die Beschreibung meiner Eeise von Eu.Bland nach Zürich aufzunehmen. Am 21 November 1911 passierte ich die russische Grenze und kam nach Kreuzburg in Deutschland. "Wie ich im Eisenbahnwagen nach Breslau fahren wollte und schon im Wagen saß, erschien ein Gendarm und fragte mich, wohin ich fahren würde. Ich antwortete: nach Breslau. Er behauptete, es sei nicht wahr, und ich mußte aussteigen und er zwang mich, mit ihm nach Ostrowo zu fahren. Ich bat ihn um Freilassung, da ich ein Deserteur aus Eußland sei, es half aber nichts, und er transportierte mich nach Ostrowo, wo . er mir riet, ich solle nach London fahren, wenn ich dies . nicht wollte, schicke man mich nach Eußland zurück. Auf der Kontrollstation Ostrowo meldete mich der Gendarm, ich sei ein Mann, der nach London fahre. Man behielt mich fünf Tage bei Wasser und Brot und man zwang mich, von zu Hause Geld zu verlangen, da meine 46 Rubel nicht zur Eeise nach London reichten. Darnach bekam ich noch 45 Rubel telegraphisch von Rußland. Das Telegramm lautete: „Wenn das verlangte Geld nicht kommt, so werde ich nach Rußland zurücktransportiert." Endlich forderte die Schiffsgesellschaft 78 Rubel, welche ich sofort bezahlt habe, um nach Xondon über Bremen geschickt zu werden. Man verweigerte mir sämtliche Korrespondenz nach Zürich zu meinem Onkel. Ich komme nach Bremen und konnte endlich von dort nach Zürich fahren durch die Unterstützung des Jüdischen Hilfsvereines, dem ich hiermit öffentlich den herzlichsten und verbindlichsten Dank ausdrücke. Will noch bemerken, daß man mir mein übriges Geld ausgebeutet hat. Ich möchte darum jeden Auswanderer davor warnen, daß er nicht in die Hände der preußischen Grenzpolizei fällt, da er sonst viel Schaden an Leib und Seele erdulden muß. D. Sf. Protest gegen neue Einwanderungsgesetze, Am 27. November haben der Senator Penrose von Philadelphia und die Kongreß-Mitglieder dieser Stadt eine Deputation der jüdischen Gemeinde empfangen, welche gegen die Einführung eines Bildungszensus und die Erhöhung der Einwanderungstaxe von 4 auf 10 Dollar protestierten. Unsere P,T. Abonnenten werden um die Begleichung der rückständigen Abonnements-Gebühr höflichst ersucht. Die Administration. SPRECH5/I/IL. Die jüdisch-nationale „Politik" in Galizien. Geehrte Redaktion! Mit dem Ende der Reichsratswahlen erscheint in der jüdischen Presse Galiziens auch das Thema ,jüdisch-nationaie Politik* abgeschlossen. Alles schweigt. Gibt es überhaupt noch eine jüdisch-nationale Politik? Warum jetzt diese Ruhe? Ist die jüdisch-nationale Politik bloß ein Sch'agwort zu Wahlzwecken? Existiert eine jüdisch-nationale Politik nur dann, wenn ein jüdischer Klub im Parlamente i-itz hat? Hat sich die jüdisch-nationale Idee mit der Erledigung der Schenkerfrage und Volkszählung im Volke schon ganz durchgerungen und ist sie mit dieser Erledigung schon abgeschlossen? Ja, was ist's mit der jüdischen Politik? fragen die Vielen. Wo sind die Herren Judenführer, die in der Liste der Reichsratskandidaten so zahlreich waren, heute? Der Grund liegt darin, daß es uns an Männern fehlt, an Männern von energischer Tatkraft und Opferwilligkeit. Es fehlt ein Führer, dessen Persönlichkeit schon im Volke von besonderer Anziehungskralt ist. Sahen die Einen das Allheilmittel für das jüdische Volk und das Judentum im dllgemeinen in der Assimilation, so lehrte die Zeit das Gegenteil. Es kann heute gesagt werden, die Assimilation Bei in Agonie und der jüdische nationale Geist lebe im Volke. Aber andererseits ist die Ansicht, der jüdisch-national ausgefüllte Stimmzettel bekunde schon den jüdisch-nationalen Geist irrig. Die national-jüdische Idee ist im embryonalen Zustande geblieben und durch die Propaganda der rein politischen Seite ist geradezu eine Versumpfung eingetreten. Die zwei wichtigsten Momente des jüdischen Nationalismus,- das kulturelle und religiöse Moment sind dahin. Die Pflege: jüdischen Wissens ist bloß eine Phrase, das Religiöse ist ganz geschwunden. Man hört zwar, dem kulturellen Notstande müsse geholfen werden. Aber der mit Ach und Krach zusammengetrommeise Hebräertag ist bloß erst eine Ankündigung von Taten. Das Herumspielen mit Konferenzen und Komitees kann nichts .Positives" fördern. Diese Art von Konferenzen ist nach g al i z i s c h - z i o n i s t i s c h e r Praxis gewöhnlich Anfang und Ende. So hat man auch mit der Politik begonnen. Kaum sehen aber einige Ehrgeizige, daß keine Mandate mehr herausschauen, wird die Politik fallen gelassen. Verschwunden sind plötzlich die Herren, d'.e' zur vVahlzeit dem Volke goldene Zeiten versprachen. „Ich bin ein guter Jude", schrie jeder der Kandidaten, „für die Linderung des wirtschaltüchen Elends muß dies und jenes getan werden!" Die Wahlen sind längst vorüber, die Glücklichen im Wahlkampfe bilden Stimmaterial in den einzelnen Klubs und das ElenJ schreitet mit Riesenschritten fort. Tausende Juden wandern aus, plan- und ziellos, das „Wohin" wird dem Gewissen der Auswanderungsagenten überlassen! Es wäre an der Zeit Ihr Herren, Eure Versprechungen in Taten umzusetzen oder es wenigstens zu versuchen. Persönliche, politische, prinzipielle Gegensätze mögen außer Acht gelassen werden, wenn es gilt, das Judentum zu erhalten und das jüdische Volk zu retten. Ben Ha'ewi. ftv_ - Oesterreich-Ungarn, Die Subventionierung des Jüdischen Theaters. Czernowitz. Der hiesige Gemeinderat hat den Beschluß gefaßt, dem hiesigen, von Herrn A x e 1 r a d geleiteten Jüdischen Theater eine einmalige Subvention von 2000 Kronen zuzuwenden. Der Antrag ging von einem christlichen Gemeinderat (Dr. Hostiuc) aus und ein zweiter christlicher Gemeinderat (Oberoffizial Wegner) hat die Erhöhung der ursprünglich mit 1000 K vorgeschlagenen Subvention auf 2000 K beantragt. Der Gemeinderatsbeschluß ist ein sehr erfreulicher Beweis, daß die Czernowitzer Stadtväter — auch die christlichen — den großen kulturellen Wert des Jüdischen Theaters für die jüdischen Massen zu schätzen wissen. Sehr interessant waren die Ausführungen des Gemeinderates W e g n e r-:

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