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Neue Nationalzeitung · 1911-12-15 · Heft 25 (15.12.1911) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 25 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 „Neue National-Zeitung" Seite 5 in unseren Städten ohne Beschränkung der jüdischen Bürgerrechte unmöglich ist. (Bewegung rechts!) In der Zeit, da die Juden im ganzen Lande Beschränkungen unterliegen, da in Westen und Südwesten nicht weniger Juden als bei uns wohnen, die überhaupt kein Gremeindewahlrecht besitzen, würde die Einräumung unbeschränkter Kechte an die Juden zu einer U eher flutung unserer Provinz mit den Juden führen, und die Judenfrage, die jetzt schon kompliziert ist, wäre noch unerträglicher. Die Juden bilden in vielen Städten die Majorität und dennoch betrachten wir die Städte als polnisch, nicht aber als jüdisch. Deshalb werden wir betreffs der Juden für die Ausschuß-Vorlage stimmen." (Stürmischer Beifall bei derEechten und bei den Oktobristen!) Die großartige Eede der jüdischen Duma-Mitglieder Fried mann und Niselo witsch, die besonders darauf hinwiesen, daß ja auch in Ofalizien zahlreiche Städte mit jüdischen Majoritäten bestehen, wo trotz der jüdischen Gemeinderats-Majorität und des jüdischen Bürgermeisters der polnische Charakter der Stadt keinen Schaden leidet — halfen nichts. Mit Hilfe der Polen wurden die Juden in Polen zu Bürgen zweiter Klasse degradiert. Nun steht die Duma wieder in der Debatte über die Loslösung Chelms. Derselbe Polenklub winselt über Gfewalt. Und in zahlreichen Städten Gfaliziens beschließen die Gremeinderäte flammende Proteste gegen diese Maßregel. Auch jüdische Gremeinderäte stimmen dafür. Keiner hat den Mut aufzustehen und den Heuchlern die Maske vom Gesichte zu reißen. Sie sind ja Moschkos! Darum muß der katholische Charakter Chelms gegen die Eussifizierung verteidigt werden... Was liegt ihnen aber an den Juden in Polen? ... Sigmund Mayer, der Ehrenpräsident der „Oest.- lsrael. Union" in Wien feiert am 16. d. M. seinen 80. Geburtstag. __Die der Union nahestehenden Kreise haben dem Jubilar vielfache Ehrungen bereitet. Er selbst hat aus diesem Anlasse seine Memoiren unter dem Titel „Ein jüdischer Kaufmann" erscheinen lassen. Herr Sigmund Mayer bezeichnet sich selbst als Assimilanten. Er ist ein Gegner der jüdisch-nationalen Idee und des jüdischen Wahlkatasters. Dafür aber ein eifriger Verfechter jener altliberalen Z w e i s e e 1 e n-Theorie, wonach der moderne Jude „sich auch als Mitglied einer der bestehenden Kulturnationen fühlen muß und sich doch gleichwohl als Jude fühlen kann (S. 350). Zu welchen Konsequenzen diese Weltanschauung führt, zeigen die Wiener Verhältnisse. Die Gesinnungsgenossen des Herrn Mayer sind weder Deutsche noch Juden, sondern konfessionslose (auch wenn sie offiziell aus dem Judentum nicht ausgetreten sind) Kosmopoliten, im besten Falle „mosaische" Philantropen (Bnei Brith). Die zweite Generation der Mayers tauft sieh. So ist auch Herr Sigmund Mayer trotz seiner großen Fähigkeiten und seines eminenten Wissens nur eine jüdische Vereinsgröße, aber kein großer Jude geworden. Die Passbewegniig ia Nordamerika nimmt immer weitere Dimensionen Schon hat sich der Ausschuß an für auswärtige Angelegenheiten für die Kündigung des Handelsvertrages ausgesprochen. Das Eepräsentantenhaus wird zweifellos diesen Beschluß zu den seinigen machen. Präsident Taft verhält sich noch reserviert. Gewisse Fabrikantenkreise stellen ihre Geschäfte höher als die Ehre der Vereinigten Staaten. Und Taft unterliegt noch ihrem Einflüsse. Der Strom der öffentlichen Meinung wird ihn aber fortreißen. Oder er wird weggeschwemmt werden. Die Bewegung hat bereits nach England übergegriffen. Xur in Oesterreich, dessen jüdische Staatsbürger vom Nachbarreiche am meisten schikaniert werden, rührt sich noch nichts. Die jüdischen Abgeordneten, allen voran der Abgeordnete des Wiener Handels-Kais, verhalten sich ganz passiv. Man wird Mittel und Wege finden müssen, diese Herren an ihre Pflichten zu erinnern. Ein zionistisches „Ehrengericht". Es gibt Personen, welche die politischen Fähigkeiten und die Opferwilligkeit des Herrn Adolf Stand sehr bezweifeln. Die Niederlage, die sich sowohl Herr Stand persönlich als auch die von ihm geführte Partei bei den letzten Reichsrats wählen geholt haben, der Umstand, daß Herr Stand trotz seines bedeutenden Vermögens für die zionistische Sache und die jüdisch-nationale Politik bisher mit seinen Beiträgen auffallend gegeizt hat, geben jenem Zweifel genügende Nahrung. Nach einer Richtung hat es jedoch keinen Zweifel gegeben: daß Adolf Stand ein persönlich ehrenhafter Mensch ist. Diese Anschauung wird man jetzt revidieren müssen. Herr Adolf Stand hat sich, geleitet einerseits vom Parteifanatismus, andererseits von persönlicher Ranküne, verleiten lassen, einen Menschen mit seiner Person zu decken, gegen welchen konkrete B es chuldigungen der Veruntreuung, des Falschspiels und des literarischen Diebstahls, vorliegen. Es handelt sich um den Fall Leo Wechsler. Wie sich unsere Leser noch erinnern werden, haben wir in der Wahlkampagne berichtet, daß der zionistische Student und gewesene Redakteur der Jüdischen Zeitung, Herr Moses Waldmann, beim zionistischen Zentralkomitee in Lemberg gegen den genannten Leo Wechsler eine Anzeige überreicht und demselben eine Reihe von unehrenhaften Handlungen, die sogar mit dem Strafgesetze kollidieren, vorgeworfen hat. Zum Zwecke der Prüfung dieser Beschuldigungen wurde ein Ehrengericht, bestehend aus Dr. Z i p p e r, Dr. Ringel und Adolf Stand als Vorsitzenden zusammengesetzt. Dieses beschloß zuerst, die Entscheidung über den Fall bis nach den Wahlen auszusetzen, da Wechsler als Agitationsleiter und Sekretär des Zentralwahlkomitees fungierte. Damit wurde ihm die Wahl seiner drei „Ehrenrichter'1 besonders ans Herz gelegt, und er hat auch sein Möglichstes geleistet. Daß alle seine drei Ehrenrichter durchgefallen sind, ist gewiß nicht von ihm gewollt, wenn auch zum Teile die Agitationsleitung durch diesen von eigenen Gesinnungsgenossen der schwersten Verfehlungen beschuldigten Mann auch viel dazu beigetragen hat, das moralische Ansehen der zionistischen Partei schwer zu schädigen. Die Wahlen sind nun vorbei und das'„Ehrengericht" hat seinen Spruch gefällt. Der Anzeiger selbst wurde nicht vernommen, die wichtigsten Zeugen wurden nicht verhört und die Komödie, genannt „Ehrengericht", endete damit, daß die Herren Stand, Zipper, Ringel ihrem Faktotum seine zweifelhafte „Ehre* reinwuschen. Die Ungeheuerlichkeit der Entscheidung der drei „Ehrenrichter" wird man voll und ganz begreifen, wenn man aus der langen Reihe der Beschuldigungen Waldmanns wider Wechsler die drei schwerwiegendsten heraushebt: 1. Veruntreuung. Waldmann hatte den Wechsler beschuldigt, 300 Kronen, welche er

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