Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 24 (1.12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 „Neue National-Zeitung" Nr. 24 Aus all diesen Gründen glauben wir, daß der ergebenst _ gefertigte Verein auf die Bildung und Förderung seiner Ziele von Seiten der jüdischen Jairistenschaft sicher rechnen kann, umsomehr als z. B. der deutsch-akademische Juristenverein von Seiten der deutsch-arischen Advokaten und Richter in jeder Weise unterstützt wird. Wir richten daher an alle jüdischen Juristen die dringende Aufforderung: dem Verein beizutreten sowie denselben durch Rat und Tat zu unterstützen. Insbesondere bitten wir um Ueberlassung von Büchern, Gesetzesausgaben (eventuell ältere Jahrgänge), oder .Abhaltung von wissenschaftlichen Vorträgen und Referaten. Zuschriften und Beiträge werden zu Händen des Präsidenten erbeten! Der Schriftführer: Der Präses: jur. Wilhelm Lederer. J. C. U. Oskar Trnka IX., Hernalser Gürtel 30. Wien. Der Akademische Verein jüdischer MeidLziner in Wien sendet uns nachstehenden Aufruf: Kommilitonen! Jüdische Mediziner! Heute sprechen wir zum erstenmal zu Euch-' Nach langem U eberlegen und langem Schwanken entschlossen wir uns, eine jüdische Medizinervereinigunjg zu bilden. Niun rufen wir jeden medizinischen,Jünger der alma mater Rudolfina, dem ߀in Judentum die ideale Richtung gibt und den höchsten Lebensinhalt ausmacht, izu unseren Scharen, in unsere Mitte-, als unseren Mitarbeiter und Mitkämpfer auf. Arbeit und Kampf! Das ist unsere Losung. Wir wollen, daß jeder jüdische Mediziner seine Studien aufs beste vollende, für seine Betätigung das beste Zukunftsfeld fände. Förderung des Studiums während der UniveTsitätszeiten durch Arbeitsvermittlung, Stipendiennaehweis und Eintreten bei Bewerbung um diese, eine eigene Bibliothek, ein eigenes Studierzimmer, Benefizien beim Einkauf von Büchern, Instrumenten und Utensilien, bei Bädern, Theatern und Konzerten wie Vorträgen, eigene Vorträge und Kurse: das iist unser wissenschaftliches, unser Arbeitsprogramm. Beim Beginne der Praxis und während derselben will der „Akademische Verein jüdischer Mediziner in Wien" als Korporation für volle Gleichberechtigung seiner Mitglieder, für die Anerkennung des Tüchtigsten und Besten ohne jede weitere Rücksicht eintreten. Das ist unser Kampfprogramm, unser praktisches Tätigkeitsziel. Kommet also, jüdische Mediziner, zu uns; machet uns groß und stark, damit wir unsere Ziele erreichen, die nur zum Wohle eines jeden von Euch sind. Wisset, daß die Isolierung Euch isoliert läßt, daß aber die Gemeinschaft jeden stärkt Einschreibungen und Auskünfte in Vereins- und Studienangelegenheiten vom 18. September an täglich zwischen 10 und 11 Uhr im Cafe Jägerhof, Wjen, IX/1., Borzellangasse 22. Jahresbeitrag K 2. Aufnahnisjgebühr K 1. Wien. (W e 11 b e w e r b.) Der „Tempelve-rein des XIH. Bezirkes der Stadt Wien" schreibt für alle in Wien ansässigen Architekten einen Wettbewerb zur Erlangung von Ideenskizzen für den Neubau einer Synagoge in Wien, XIH., Arno Kloppigasse, aus. Ablieferungstermin : 15. Jänner 1912, 12 Uhr mittags. 3 gleiche Preise zu je 500 Kronen.. Das Bauproigramm und die Bedingungen zur Teilnahme an dem Wettbewerb sind durch Herrn Direktor Dr. L. Kreuzberger, Wien, XIII./8, Auhofstraße 221, kostenfrei erhältlich. (Anmerkung der Redaktion: Warum für alle Architekten und nicht bloß für die jüdischem?) Wien. Der Krankenunterstützungs-Verein der Bukowinaer „Die Buche", veranstaltet Samstag, den 2. Dezember, 8 Uhr abends, im Cafe Adler, I. Schottenring Nr. 12, einen Unterhaltungsabend, bei dem hervorragende Kunstkräfte mitwirken werden. Konzertsängerin Frl. Lena Schwarz hat ihre Mitwirkung zugesagt. Da das Reinerträgnis dem Krankenunterstützungsfond zufällt und der Präsident des Vereines, Herr S. Salter, selbst das Arrangement übernommen hat, ist ein zahlreicher Besuch zu gewärtigen. Wien. Der Verein „Mensa a cademica Judaica in Wien" hat aus dem Begate des sei. Albert Freiherrn von Rothschild K 2000 erhalten. Wien. (Verein „E s r a t h Israe 1".) In der am 5, November abgehaltenen, starkbesuchten Generalversammlung des seit vielen Jahren bestehenden Bethaus-Vereines „O h e 1 J a k o b" wurde der Beschluß gefaßt, sich mit dem vor einiger Zeit begründeten humanitären Vereine „E s r a t h Israel" zu vereinigen, weiters, eine streng jüdische Bibelschule ins Leben und einen Darlehensfond ins Leben zu rufen, um bedürftigen Mitgliedern Darlehen zu gewähren. Wien. (Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierenden in Wien 1861—1911.) Aus Anlaß des fünfzigjährigen Bestandes des Vereines findet Samstag, den 2. Dezember 1911, präzise 6'/? Uhr abends, im israelitischen Tempel, Wien, I. Seitenstettengasse 4, ein Fest-Gottesdienst und Sonntag, den 3. Dezember 1911, 10 Uhr vormittags, im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgeme nde, Wien, 1 Seitenstettengasse 4, eine Generalversammlung und Festsitzung statt. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in W i e n.) Der Verein kann den Vortragsabend, den er am 26. November im vollgefüllten Festsaale des niederösterreichischen Gewerbevereines inszenierte, den glanzvollen Veranstaltungen der letzten 25 Jahre seines (Bestandes, anreihen Der Vortragende Universitätsprofessor Dr. L. Königstein, der von der Versammlung mit auffallenden Sympathie - Kundgebungen begrüßt wurde, hielt einen musterhaft sachlichen und dabei populären Vortrag über dieAusstellung inDresden. Der Beifall der Zuhörerschaft wurde umso größer, als der Präsident Herr S. B r o d den Vortrag beleuchtete und bei dieser Gelegenheit die Autorität des Vortragenden hervorhob. Unter den würdigen Vertretern der verschiedens ten Berufsarten bemerkte man auch Oberlandesgerichtsrat Dr. S p i t z k o p f, kaiserl. Rat Hirsch, in Vertretung des niederösterr. Gewerbevereines kaiserl. Rat Schwein burg, die Professoren Autscherl, Kraus, Direktor Fischer, die Präsidentinnen Amalie Beck, Dr. Fischauer usw. Wien. Der „Jüdische Turnverein Favoriten" veranstaltet Samstag, den 9. Dezember 1911, im Festsaale des Verbandsheimes, VI Königseggasse 10 ein Schauturnen mit anschließendem Tanzkränzchen. Wien. [„V er band der türkischen Israeliten (Sephardira) zu Wien".] Die seit vielen Jahren offene Frage des Rechtsverhältnisses der türkischen Israeliten (Sephardim) zu Wien zur israelitischen Kultusgemeinde Wien wurde nunmehr durch ein vom Ministerium für Kultus un<l Unterricht genehmigtes Regulativ, das einen wesentlichen Bestandteil des Statutes der Wiener Kultusgemeinde bildet, geregelt. Nach diesem Regulativ bilden die türkischen Israeliten innerhalb der „Wiener israelitischen Kultusgemeinde" eine besondere, die rechtliche Stellung der Korporation? (juristischen Person) einnehmende Vereinigung unter dem Namen „Verband der türkischen Israeliten (Sephardim) zu Wien". Diesem Verbände gehören an: a) Alle bisherigen Mitglieder des Verbandes der türkischen Israeliten (Sephardim) zu Wien und deren Nachkommen; b) alle künftigen, direkt aus Bosnien oder Herzegowina nach Wien übersiedelnden und daselbst ihren Wohnsitz nehmenden sephardischen Israeliten; c) alle künftighin direkt aus den Balkanländern oder allen derzeitigen Provinzen des türkischen Reiches nach Wien übersiedelnden und daselbst ihren Wohnsitz nehmenden sephardischen Israeliten ohne Rücksicht auf ihre Staatsbürgerschaft; d) alle in Hinkunft aus anderen Ländern nach Wien übersiedelnden und daselbst ihren Wohnsitz nehmenden Sephardim insoferne, beziehungsweise insolange sie die österreichische oder die ungarische Staatsbürgerschaft besitzen. Die Miglieder des Verbandes sowie der Verband selbst entrichten keinerlei Beiträge an die Kultusgemeinde, haben aber auch nicht der Kultusgemeinde gegenüber die den Mitgliedern derselben zustehenden Rechte. Das gesamte, dem Verbände der türkischen Israeliten gehörige, wie immer namenhabende Vermögen, insbesondere alle ihre Kultusanstalten, Wohltätigkeits- und Schulinst.tutionen, das Tempelgebäude, die Chewra-Kadischa-Stiftung, Fonds un i Kränkenanstalten samt allen Rechten und Verbindlichkeiten, Aktiven und Passiven bleibt dem Verbände und wird selbständig durch ihn verwaltet, ohne daß aus dem Gcbahren des Verbandes überhaupt die Wiener ..ultusgemeinde oder deren Vorstand irgend eine Verpflichtung oder Haftung treffen wird. Der Rabbiner des Verbandes wird von der Wiener Kultusgemeinde als Gemeinderabbiner dieser Kultusgemeinde anerkannt.