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Neue Nationalzeitung · 1911-11-17 · Heft 23 (17.11.1911) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 23 (17.11.1911)
Date
1911-11-17
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 „Neue National-Zeitung" Die beiden: letzteren Ausnahmen sind gewiß höchst unbillig; die Beamtinnen und Diener leiden unter der Teuerung ebenso wie die anderen Beamten und da sie selbst zu den am niedrigsten Besoldeten gehören, so ist ihre Zurücksetzung unbegreiflich. Sollte dies etwa deshalb geschehen sein, weil die Beamtinnen und Diener kein Wahlrecht besitzen? Diesen Verdacht kann der Kultusvorstand nur dann beheben, wenn er die von sozialer Einsicht diktierte Maßregel auch auf diese Kreise ausdehnt. Im übrigen gewährt es uns eine Genugtuung, daß die von unserem Blatte seit einem Jahre mit dem Artikel „Das Beamtenproletariat der Kultusgemeinde" eingeleitete Aktion so rasch zu einem Erfolge geführt hat, Deutsches Reich. Gegen die Pariser Alliance. Berlin, den 7. November. Die hiesige Filiale der Pariser Alliance hat eine energische Aktion gegen die geplante Statutenänderung seitens der Pariser Zentrale eingeleitet. Man ist in hiesigen Kreisen allgemein der Ansicht, daß der Pariser Plan, an Stelle der Wahl von Vorstandsmitgliedern deren Kooptation zu setzen, zur Willkür und Cliqueherrschaft führen würde, Behufs Beschlußfassung über die einzuleitenden Schritte hat am 6. d. M. eine Generalversammlung der Mitglieder der deutschen Konferenzgemeinschaft stattgefunden. Den Vorsitz führte Justizrat Fuchs, welcher den Sachverhalt darstellte; nach ihm sprachen Geheimrat Landau, Rabbiner Dr. Frank aus Köln usw. Die Versammlung schloß mit der Annahme nachstehender Resolution: „Der am 6. November 1911 in Berlin veranstaltete Alliancetag erklärt hiermit seinen schärfsten Protest gegen den Versuch, das allgemeine Wahlrecht zu beseitigen und an seine Stelle die Kooptation zu setzen. Die deutschen Mitglieder der Alliance beanspruchen einen wirksamen Einfluß auf die Leitung der Geschäfte und die Vornahme entsprechender Maßnahmen in Paris. Der Alliancetag erhebt warnend seine Stimme gegen das Vorgehen von Paris, das eine Vernichtung des Gedankens der „Alliance Israelite Universelle" bedeutet und eine Vernichtung der Alliance in Deutschland bedeuten kann." Interessant ist es, daß die Frage, an Stellet der Wahlen das Kooptationsrecht zu setzen, bereits früher behandelt worden ist. Es existiert ein Bericht des Zentralkomitees über die ersten 25 Jahre des Bestehens der Alliance (1860 bis 1885). Dort heißt es auf Seite 9: „Das Zentralkomitee wird durch allgemeine Abstimmung der Mitglieder der Gesellschaft ernannt... Das jetzige System hat seine Nachteile ... Die vorgeschlagenen Systeme (zur Aenderung) haben jedoch nicht minder ernste Unzuträglichkeiten . . . Die Kooptation würde den Mitgliedern der Gesellschaft das hochanzusehlagende Recht der Kontrolle schmälern, und es wäre gefährlich, dieses Recht herabzumindern. Denn gerade in ihrem Rechte, bei den Wahlen einzugreifen und ihrem Willen Geltung zu verschaffen, liegt eine Garantie für die Interessen der Gesellschaft." -Dies die Meinung des Zentralkomitees vom Jahre 1885. Es ist merkwürdig, wie sich die Ansicht seitdem geändert hat. GEM&NE>g=üNi> VSREkNSNÄlftRiCMW Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die O e is t e x r e i c Ii i s c h e Mädchen- und K i li d e r s ci'h u t z 1 i g a, Oesterreichische Liga zur Bekämpfung 'des MädcihGiiliaiiidels, sieht, sich angesichts der großen Ansprüche, die an die materielle Leistungsfähigkeit des unter dem Präsidium Seiner Erlaucht des Grafen Franz Harrach gegenwärtig im. 8. Jahre seiner Tätigkeit stellenden Vereines (gestellt werden, veranlaßt, auch an den bekannten Wohltätigkeitssiiui und die nie versagende Humanität der israelitische«. Mitbürger zu appellieren. Zur Begründung dieses Appells sei hervorgehoben, daß von den vier Vereinen, welche derzeit in den von der österreichischen Regierung ins Leben gerufenen und unterstützten Zentralkomitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels viertreten sind und die in ihrer Gesamtheit den österreichischen Zweig der großen, internationalen Oganisation zur Bekämpfung des Mädchenhandels _ bilden, die Oesterreichische Mädchen- und JCinderschutzliga der einzige ist, der auf interkonfessioneller Grundlage, steht und sohin berufen erscheint, in der erwähnten Zentralorganisation auch die Interessen der jüdischen Opfer des- Mädchenhandels wahrzunehmen. Laut des Tätigkeitsberichtes über das Vereinsjahr 1910 gehörten von den 768 Mädchen, welche ■im Laufe des Berichtsjahres in die Fürsorge des Wiener Generalsekretariates gelangteiL. 176 de v israelitischen Religion an. Zieht man die Gesamtleistung, des Vereines, der in Triest, Lemberg und Czernowitz Filialen besitzt, in Betracht, so erhöht sich diese Zahl noch, ganz wesentlich. .Die liiemit gütigst erbetenen Spenden wollen" an das Generalsekretariat Wien, VI., Köstlergasse Nr. 5, gesendet werden. Ordentliche Mitglieder, welche auch bei der unentgeltlichen Dienstvermittlung besondere Berücksichtigung finden, zahlen mindestens K 3 jährlich, Gründer K 20 jährlich oder einmal K 200, Stifter K 1000. Wegen Platzmangel mußten wir diesmal die Liste der Ausgetretenen zurückstellen. In der nächsten Nummer wird daher die Austrittsliste für den ganzen Monat November zur Veröffentlichung gelangen. * * * In der nächsten Nummer beginnen wir mit der Veröffentlichung einer grösseren, höchst aktuellen Novelle „DER TAUFZETTEL'* vom berühmten Ghetto- Schriftsteller M. SPEKTOR. Sie behandelt mit erschütternder Tragik das Schicksal eines jüdischen Advokatenpaares in Russland, welches im Interesse ihrer Existenz zum Scheine die Taufe annahm In meisterhafter Weise schildert hier SPEKTOR den schweren Gewissenskonflikt der Advokatensgattin, der mit zwingender psychologischer Notwendigkeit zur Katastrophe führt. Nachtrag. Das Kommunique des "Wiener Kultusvorstandes über die nichtöffentliche .-itzung vom 5. d. M. ist ans erst nach Schluß der Redaktion, und zwar am 16 d. M. zugekommen Wir Avaron daher nicht mehr in der Lage, den ziemlich ausführlichen Bericht zu veröffentlichen. Merkwürdigerweise hat das Sekretariat, welches uns bisher die Kommuniques gleichzeitig mit den anderen jüdischen Blättern zugeschickt hat, diesmal einen ganz eigenartigen Vorgang gewählt. Es hat uns am 15. d. M. iain 5. Avar die Sitzung!) einen Bürstenabzug der „0 österreichischen Wochenschrift" zugeschickt; damit hat, es scheinbar seine Pflicht erfüllt, in Wirklichkeit aber die Veröffentlichung unmöglich gemacht. Wir können unsere Leser trösten, daß in dem Kommunique nichts Wichtiges vorkommt Ueber Herrn kais Kat Dr. Lieben, der doch nicht von Dr. Stern, sondern Aron den jüdischen Steuerträgern bezahlt Avird, überlassen Avir das Urteil der Oeffentlichkeit. Die Redaktion.

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