Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 23 (17.11.1911)
- Date
- 1911-11-17
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 ..Neue National-Zeitung" Seite 9 wandert sind. In Margo gibt es 10 jüdische Kolonisten und 15 Pächter und nur einen eingeborenen Gutspächter. Ebenso haben sich in Cholmakebi und Konklia jüdische Kolonisten angesiedelt, die sich ausschließlich mit Ackerbau beschäftigen. Die von den Kolonisten bebaute Fläche beträgt 1078 Hektar. Die Bearbeitung der Felder bereitet den Kolonisten mitunter große technische Schwierigkeiten, die jedoch von den russischen Juden mit bewunderungswürdiger Ausdauer allmählich überwunden werden. In Margo besteht eine von der „JCA" erhaltene jüdische Schule, die von 30 jüdischen Kolonistenkindern besucht wird. * * Die jüdische Kolonisation in Mesopotamien. Der türkische Eegierungsingenieur Santo Semo Bey, ein Jude, der sich gegenwärtig auf einer Vortragstournee durch Europa befindet, hat in Budapest, wo er gleichfalls mehrere Vorträge hielt, sich auch über die jüdische Kolonisation in der Türkei ausgesprochen. Die türkische Eegierung fördere seiner Ueberzeugung nach jede rationelle Kolonisation von Juden im türkischen Eeiche, wo die Juden vollständige Gleichberechtigung genießen. Die europäische Judensehaft sollte es in die Hand nehmen, das Tempo der systematischen Kolonisation von Juden in allen Teilen der Türkei zu beschleunigen; mit besonderer Wärme trat Santo Semo Bey, der vor einigen Jahren an der staatliehen Studienexpedition nach Mesopotamien als Ingenieuer teilgenommen hatte, für eine jüdische Kolonisation in Mesopotamien ein, welchem Lande er eine große Zukunft prognostizierte. Die türkische Eegierung würde seiner Kenntnis nach eine größere Einwanderung nach Mesopotamien mit allen Mitteln unterstützen. * 7079: jüdische Immigranten. Im September d. J. sind im New-Yorker Hafen 7079 jüdische Immigranten eingetroffen: 3331 Männer und 3748 Frauen. Davon sind 5033 aus Eußland und 981 aus Oesterreich. Im September 1910 sind in New-York 8153 jüdische Immigranten angelangt. * * * Die Jnden in Brasilien. Bereits im 15. Jahrhundert haben in Brasilien Juden gewohnt, die von den fanatischen katholischen Geistlichen ganz nach Art der spanischen Inquisition blutig verfolgt wurden. Von Brasilien sind auch die ersten 26 Juden vor 255 Jahren nach Kew-York ausgewandert. Gegenwärtig, seit der Begründung der Eepublik in Brasilien, beginnen wieder dort die Juden einzuwandern, zumeist aus Eußland. Das religiöse Leben läßt jedoch viel zu wünschen übrig. Sie haben keinen Schächter, daher kein Koscher-Fleisch und erst jüngst ist das erste Bethaus eröffnet worden. fRPRRCSPONDSNZSN Oesterreich-Ungar». Oesterreich.-israelitisch er Religionslehrerbund. Wien. Verschiedene Mißstände, unter denen die jüdischen Religionslehrer zu leiden haben, erweckten in einigen mutigen Männern den Gedanken an eine Einigung sämtlicher Kategorien der österreichischen Religionslehrer behufs energischer Wahrnehmung des Standesinteresses sowie zwecks gegenseitiger Förderung auf fach wissenschaftlichem Gebiete. Der Gedanke wurde schon in wenigen Monaten unter der begeisterten Zustimmung der Lehrerschaft in die Tat umgesetzt und so konnte Donnerstag am 2. d. M, die konstituierende Generalversammlung des Oesterreichischen Israelitischen Religionslehrerbundes unter überaus zahlreicher Beteiligung der Religionslehrer aller Schulkategorien abgehalten werden. Der Vorsitzende, Religionslehrer Wilhelm Breuer, berichtet über die Tätigkeit des vorbereitenden Komitees, verweist auf die bereits versendeten von der k. k. Statthalterei genehmigten Statuten und teilt mit, daß der Bund schon jetzt mehr als 300 Mitglieder zähle. Die Statuten werden widerspruchslos angenommen. Hierauf bespricht Redner die verschiedenen Programmpunkte des Bundes: Herstellung geordneter Rechtsverhältnisse des Religionslehrerstandes, die Hebung seines Ansehens nach außen, die Bestrebungen der Interessen des Standes. Er schildert sodarm die desolaten Zustände der Rechtsverhältnisse und die traurige Lage der Landlehrer. In der Diskussion, die sich an das Referat knüpfte, ergriff als erster Redner Rabbiner Dr. D. Feuchtwang das Wort, Redner verlangt, daß das fachwissenschaftliche Moment in den Vordergrund treten müsse. Die Fortbildung und Vervollkommnung kann und muß das Ansehen der Lehrer heben. Ebenso wichtig ist das religiöse Leben des Lehrers. In welchem Teile unseres weiten Reiches, in welchem Lager sie auch stehen, sie müssen sich jederzeit und allerwärts um die Fahne der Thora scharen. Die Verbesserung der rechtlichen Stellung kann die Lehrerschaft durch Selbstzucht, durch erhöhtes sittliches Bildungsniveau erlangen. Der Stand braucht „Manne r", die „Brüder" sind. Hierauf sprachen Dr. Schreiiber und Dr. A. Weiß. Letzterer spricht sein Bedauern aus über die so oft wechselnden Lehrpläne, die ohne, ja gegen die Ansichten der Lehrer erfolgen, und spricht sich in beredten Worten für intensive wirtschaftliche Bestrebungen aus. Schließlich werden die Wahlen vorgenommen. Es erscheinen mit Stimmeneinhelligkeil gewählt: Dr. D. F e u c h t w a n g, Obmann; Wilhelm Breuer und Dr. Heinrich P o 11 a k, Obmann-Stellvertreter; Dr. Moritz Rosenfeld, Kassier; Isidor Fallitschek und Hermann Ascher, Schriftführer; M. Antscherl und D. Steinbach, Revisoren, Wien; Dr. L. Hirsch, Prag, J. Kappelmacher, Jakob Kohn, S. Kulka, D. Löwit, Leop. Schulhof, M. Stengel, N. Vogel, Dr. A. Weiß, L. Wiesner, Wien, Dr. A. Abeles, Zkkov, Dr. A. Biach, Brüx, J. Gutmann, Teschen, J. Infeld, Baden, Dr. B Oppenheim, Teschen, Vorstandsmitglieder. Nachdem noch der Jahresbeitrag mit 4 K jährlich festgesetzt wurde, schließt der Vorsitzende mit herzlichen Dankesworten um y»ll Uhr nachts die Versammlung. * * * Teuerungszulagen für die Kultusbeamten. Wien. Der Kultusvorstand hat den Beschluß gefaßt, den Gemeindebeamten Teuerungszulage: n im jährlichen Betrage von K 300 zu bewilligen. Davon sind ausgenommen die Beamten mit einem jährlichen Gehalte von mindestens K 6000 sowie die weiblichen Beamten. Auch die Diener erhalten keine Zulagen.