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Neue Nationalzeitung · 1911-10-20 · Heft 21 (20.10.1911) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 21 (20.10.1911)
Date
1911-10-20
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 „Neue National-Zeitung" Nr. 21 Leo Tolstoi und die Bibel. Eine Berner Dissertation von Golda Plewsner behandelt dieses Theina in ausführliclier Weise und insbesondere Tolstois Ansichten über den Wert des Unterrichtes in den biblischen Geschichten des A. T. Die Verfasserin führt folgendes aus: „Keine Erzählung aus der russischen Geschichte, keine Begebenheit aus dem neuen Testament macht nach den Erfahrungen Tolstois einen so nachhaltigen und innerlichen Eindruck wie das Alte Testament. Auf Grund dieser Erfahrung stellt Tolstoi den Satz auf, daß die Bibel das einzige Buch ist, durch welches in der an Kenntnissen und Erfahrungen noch so armen Seele des Kindes diejenige Liebe zu den Kenntnissen erweckt werden kann, in der es die Vorbedingung alles Lernens und Erlernens erblickt und daß sie wie kein anderes Buch geeignet ist, die jungen Individuen in die ihnen noch unbebekannten Welt- und Lebensverhältnisse einzuführen." „Ich kenne kein Werk", sagt Tolstoi, „das wie dieses alle Seiten der Mensehenidee in gleich knapper und poetischer Form darstellt." Was Homer für die Griechen war, das, meint er, ist die Bibel für unsere moderne Gesellschaft; „sie ist ein für die Entwiekelung des menschlichen Geistes unentbehrliches Hilfsmittel." j.Wer hat noch nicht geweint über die Geschichte Josefs und seiner Begegnung mit den Brüdern? AVer hat nicht, mit bebendem Herzen die Geschichte von Simson gehört, der untergeht, indem er seinen Feinden . . . Und unter dem Zauber dieser vor ihm hinaufleuchtenden Welt beginnt der Schüler an seiner eigenen Vervollkommnung zu arbeiten, wie dies seine Aufgabe ist;" Die „Bauco di Roma" in Tripolis. Die „Settimana Israelitica" sehreibt: „Jetzt, da Italien sich anschickt nach Tripolis zu gehen, lenken wir die öffentliche Aufmerksamkeit auf die folgende Tatsache: Leute, die Gelegenheit hatten, mit tripolitanischen Juden in Berührung zu kommen, erklären, daß die dortigen Juden eine große Unzufriedenheit mit der Tätigkeit der „Banco di Borna" empfinden. Dieses Institut, das bekanntlich eine Gründung der römischen klerikalen Partei ist, scheint sich auch in Tripolis von konfessionellen Eingebungen leiten zu lassen, um auf diese Weise den Handel unserer Glaubensbrüder zu unterbinden. In diesem Moment der entscheidenden Schritte Italiens in Nordafrika wird es wohl Keinen geben, der nicht die große Wichtigkeit, welche eine Kooperation unserer tripolitanischen Glaubensbrüder für Italien haben könnte, anerkennen würde. Es liegt daher an der Eegierung, der „Banco di Eoma" eine größere Diskretion in der Ausübung ihres katholischen Geschäftsgeistes beizubringen. Neue englische Ausgrabungen in Jerusalem. Eine neue britische Expedition verließ dieser Tage London, um in Jerusalem die in den letzten beiden Jahren begonnenen Ausgrabungen auf der Stätte des alten Zion fortzusetzen. Der Hauptzweck der Ausgrabungen ist die Auffindung der Begräbnisstätten Davids und Sälomons. Die Expedition steht unter Leitung des Kapitäns Parker, des Bruders des Grafen Morley. In seiner Begleitung befinden sich Mr. Glarence Milsor und drei oder vier englische Schachtarbeiter. Die Arbeiten werden von dem Hauptquartier der Expedition in Karr Silwan (Siloah) geleitet und stehen unter der Oberaufsicht von türkischen Regierungsinspektoren, die von der türkischen Regierung in Konstantinopel hierzu ernannt wurden. J^otizen. Per^z Hirschjbein-Abend. Zu Ehren des in Wien weilenden' .iüdisch'en Schriftstellers Perez Hirschbein wird Dienstag, den 24. d. M., im Saale der „Jüdischen Bühne", IL, Taborstraße 12. ein T hea te ra b e n d stattfinden. Programm : Einleitende K o n f e r e n z; Vorlesungaus e i g-eneii Dichtungen; Aufführung des Dramas in 4 Akten „Die Newejle" unter Regie des Autors Peerez- Hirschbein. Karten sind im Vorverkaufe bei der Kasse der ,.J ü d i s c h e n B ii Ii n e:: erhältlich. biste der Ausgetretenen. Vom 1. bis 16. Oktober 1911. (Nr. 449-472.) Ehrlich Eduard, Student, geb. 22. Februar 1893, Wien, VI., Stumpergasse 53—55. Ehrmann Fritz, Realschüler, geb. 22. Juli 1894, Wien, VII., Kaiserstraße 76. Einörl Alexander, Realschüler, geh. 23. Februar 1897, Wien, IL, N'ordbahnstraße 54. Freund Hedwig Itha geb. Berger, Adv -Gattin, geb. 24. Juli 1872, Wien, XIX., Armbrustergasse 10.*) Freund Renate Marie, geb. 29. Oktober 1904, Wien, XIX., Armbrustergasse 10. Freund Hedwig Lisbeth, geb. 5. Dezember 190(3, Wien, XIX., Armbrustergasse 10. Kornitzer Samuel, Journalist, verh., geb. 26. November 1859, Gewitsch, IL, Rueppgasse 9.**) Kornitzer Paul, kdig, geb. 22. April 1893, Wien, IL, Rueppgasse 9. Krämer Josef, lcdig, geb. 13. August 1885, Mißlitz, X., Kolumbusgasse 2. Schlesinger Edmund, ledig, Jurist, geb. 18. Mai 1892 in Paris, L, Maximilianstraße 5. Rosenthal Alexander, verh.. geb. 6. Oktober 1882 in Budapest, XVL, Kirchstetterngasse 9. Singer Gregor, ledig, geb. 7. Juni 1886 in Budapest, IL, Große Pfarrgasse 23. Klatschko Alexander Theodor, ledig, Student, geb. 11.- November 1889, IV., Belvederegasse 3. Leipnik Alma, ledig, geb. 31. Jänner 1886 in Sissek, XIX., Guneschgasse 4. Pichholz Reisel, ledig, Private, geb. 17. Mai 1881 in Leinberg, XX., Wasnergasse 13. Dr. Lederer Erwin, verh., geb. 22. Mai 1882 in Prag, III., Gärtnergasse 16. Frank Artur, ledig, geb. 28. Juni 1874 in Olmütz, L, Getreidemaxkt 18. Eisler Margarete, ledig, geb. 24. Juli 1891, L, Reichsratstraße Nr. 13. Pelz Bernhard, verh., Markör, geb. 27. Jänner 1S83 in Zloczow, IL, Ennsgasse 19. Beck Emilie, ledig, Geschäi'tsleiterin, geb. 18. Oktober 1889, IL, Robertgasse 1. Kirschner Josef, ledig, Kaufmann, geb. 16. April 1885, IL, Große Pfarrgasse 23. Mandelbaum David, ledig, Kaufmann, geb. 1. August 1865 in Rußlau d, IL, Taborstraße 18. Duschinsky Hedwig Sofie, ledig, Studentin, geb. 16. Februar 1894.. Großmann Oskar, geb. 26. Februar 1878. Todesnachricht. Nach kuxzeüi Leiden ist in Wien im besten'Mannesalter Herr Isidor Bell' verschieden. Kaufmann von Beruf, hat sich Belf, der Sohn des bekannten Buchhändlers, in humanitärer Beziehung sehr intensiv betätigt. Er war Vorstandsmitglied des ..Verbandes der östlichen Juden", Obmannstellvertreter des „Vereines zur Unterstützung jüdischer KleingeAverbetreibender" und Revisor des Bethausvereines „Betk Israel". Die Todesnachricht hat in den weitesten Kreisen der jüdischen Bevölkerung tiefe und aufrichtige Teilnahme erweckt. Das Leichenbegängnis fand am 17. d. M. am Zentralfriedbof unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder der Korporationen, denen der Verstorbene angehörte, statt. Aon Sarge widmeten die Herreu Rabbiner Dr. B a c Ii, Rudolf Gold stein und Dr. S. R. Landau dem Verstorbenen tiefempfundene Worte des letzten Abschieds. *) Gattin des Hof- und Gericbtsadvokaten Dr. Rudolf Freund. (Anm. der Red.) **) Chefredakteur der „Wiener Mittags-Zeitung". (Anm/ der Red.)

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