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Neue Nationalzeitung · 1911-10-06 · Heft 20 (6.10.1911) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 20 (6.10.1911)
Date
1911-10-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „Neue National-Zeitung' Nr. 20 In Galizien existieren 24ß Judengemeinden. Um ihre Meinung wurden jedoch bloß die Kultuspräsidenten von Lemberg und Krakau befragt, wiewohl gerade die Präsidenten der kleineren Gemeinden, wie Kolomea, Buezacz, Stanislau, Sniatyn, Zaleszczyki, Zolkiew, Brzesko, Brody usw. usw., wo sich das jüdische Massenelend konzentriert, über die Bedingungen einer wirtschaftlichen Sanierung kompetentere Gutachten abgeben könnten. Eine Reihe von Persönlichkeiten, die in Galizien in Bezug auf Wohltätigkeit hervorragend wirken, die aber, weil sie den politischen Cliquen nicht angehören, keine öffentlichen Aemter bekleiden, wurde von der JCA sowohl bei der schriftlichen Enquete als auch bei den wiederholten Konferenzen ausgeschaltet; dafür aber befragte man um ihre Meinung: Frl. Pappenheim aus Frankfurt und Herrn Dozenten Dr. Mahler aus Prag, weil sie hie und da einmal auf 24 Stunden nach Galizien zu kommen pflegen; zu den Wiener Konferenzen wurden nicht Persönlichkeiten zugezogen, die im Dienste der galizischen Judenschaft wirken und für dieselbe Opfer bringen, sondern in erster Linie Personen, die durch Zufall oder Servilismus gegenüber dem Polenklub ein Reichsratsmandat erlangt haben oder aber zwar Feinde der „Polnischen", dafür aber Präsidenten sind, wie David von Guttmann oder Dr. Alfred Stern. Tatsächlich war auch die einzige Anregung, die von Dr. Alfred Stern ausging, die, daß man dem galizischen Komitee das Geld nicht anvertraue, sondern dasselbe von Wien aus verwalte .... Alles das hat sich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit abgespielt und die Oeffentlichkeit ist daher derzeit darüber nicht informiert, in welch sträflicher Weise das eingesetzte Komitee seine Pflichten vernachlässigt. Wie kommt das jüdische Proletariat Galiziens dazu, auf die so lang ersehnte Hilfsaktion zu warten, weil Dr. Adolf Groß keine Zeit hat, die Statuten auszuarbeiten oder Dr. Loewenstein wegen des tragischen Wahlresultates in Drohobycz mißgestimmt ist oder weil Herr Stand nicht mehr Abgeordneter ist? Die Zugehörigkeit zu dem eingesetzten Komitee, die großen Aufgaben, die ihm bevorstehen, sollten ja jeden wahren jüdischen Volksmann mit Genugtuung und Opferfreudigkeit erfüllen, denn sie eröffnen ihm die Möglichkeit, bei einer großen Tat mitwirken zu können. Allein, alle diese Herren, die dem Komitee angehören, scheint die stille, geräuschlose, selbstlose Arbeit im Dienste der jüdischen Bevölkerung nicht zu befriedigen; sonst würden sie die Inangriffnahme der Hilfsaktion beschleunigen, aber nicht verschleppen. SPRECflSddL. Unsere P. T. Abonnenten werden um die Begleichung der rückständigen Abonnements-Gebühr höflichst ersucht. Die Adtnlpistration. Ein Heiligenbild im jüdischen Hospital. Geehrter Herr Red la k t e u r! Auf einem Spaziergange durch Baden ging ich jüngst an dein j ü d i s c h e n Hospital vorbei und trat aus Neugierde ein, um es zu besichtigen. Wie war ich aber erstaunt, als ich in der Hausflur an der linken Wand ein Heiligenbild (die Mutter Gottes darstellend) hängen saih^ Aus der Aufschrift des Gebäudes ersah ich, daß dieses Hospital von einem Juden (Hermann Freiherr von Tod e s c o) gestiftet wurde und im Uuion-Ka-lender finde ich auf S. 149, daß diese Stiftung in Verwaltung der Wiener i s r <a e 1 i i is c h e n K u 11 u s gemeinde stellt . . . Ich gestatte mir nur die Frage: War überhaupt ein Mitglied des Kultus Vorstandes schon jemals im Hospital? Es wohnen ja mehrere Herren, auch der Präsident und sogar der Oberrabbiner selbst in BadenI Sollten sie es für religiös zulässig halten, daß in einem jüdischen Hospital ein christliches Heiligenbild ihänge? Dann möchte ich aber an die Herren Kultusvorsteher als Kuratoren und den Herrn Oberrabbiner die Frage richten: Dürfen froanme Juden in diesem Hause beten? Mit besonderer Hochachtung Ein Kurgast in Baden. Geehrte Eedaktion! Ich nehme mit Gegenwärtigem Veranlassung, einen Uebelstiand, welcher mir bekannt wurde, rügen zu müssen: Wie ich ganz zufallsweise erfahren habe, ist, es jetzt der Schuljugend „gestattet" anläßlich der hohen Feiertage nicht wie bisher vor der Tür zu stehen, sondern in die Tempel einzutreten. — Die Schuljugend wurde jedoch von dieser Verfügung des Kultusvorstandes gar nicht in Kenntnis gesetzt, so daß sie an den Feiertagen zu Hause bleiben mußte. Es wäre wohl Pflicht der jüdischen Kultusgemeinde gewesen, in allen Schullokalitäten diese neue Verordnung bekannt zu geben, resp. sie zu affichieren. Auf diese Weise wäre dies der Schuljugend bekannt geworden! Allein bei unserer Gemeinde wird eben nur halbe Arbeit geleistet. Ho ch achtun gs v oll Ein Steuerzahler des VI. Bezirkes. ÖRReSPON&eNZCN Oesterreich-Ungarn. Die Kultussteuer wird erhöht. Wien. Von gut informierter Seite wird uns folgendes mitgeteilt: „Das Präsidium der Kultusgemeinde respektive Dr. Alfred Stern plant im Sinne des § 96 des Kultusstatuts eine Erhöhung der Kultussteuer um 20—30 Prozent. Der betreffende Passus lautet: „Ergibt sich1 ausi dem Gebarungsvorschlage für das z w e i te oder für das dritte Jahr einer Schätzungsperiode ein größerer Bedarf an Kultussteuer, so ist der Kultusvorstand befugt, die für diese Periode den einzelnen Kultussteuerträgern vorgeschriebenen Kultussteuern um höchstens 50 Prozent zu erhöhen." Während also die ordentliche Kultussteuer durch die Bezirkskollegien unter Bedachtnahme auf die individuellen Verhältnisse veranschlagt wird, steht es dem Ermessen des Kultusvorstandes frei, die ordentliche Steuer um einen Zuschlag bis 50 Prozent willkürlich zu erhöhen, sobald sich „ein größerer Bedarf an Kultussteuer ergibt".

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