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Neue Nationalzeitung · 1911-09-22 · Heft 19 (22.9.1911) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 19 (22.9.1911)
Date
1911-09-22
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 19 „Neue* Nationäf-Zeitung* Seite 9 „Bayer. Vaterland" über die Münchener Judenausweisungen mit Behagen nachdruckt und daran u. a. die Bemerkung knüpft: „Diesen Elementen, denen die Ehre der jüdischen Gesamtheit so wenig bedeutet, gönnen wir ihr Schicksal . . ." Bemerkenswert ist, daß der Herausgeber der „Laubhütte", Dr. Mayer in Regensburg, ein Rabbiner ist, der sich noch dazu als orthodox bezeichnet! Der Wiener Rabbiner Dr. David macht also Schule. GEMElNö£= und VSREiNSNMftRiCWW Wien. Der Verein der Sabbathfreunde „Schomre Schabbos" beehrt sich die P. T. Eltern schulpflichtiger Kinder aufmerksam zu machen, daß die jüdischen Schüler — auf Verlangen ihrer Eltern — vom Schreiben, Zeichnen und weiblichen Handarbeiten etc. an Samstagen befreit sind. — Sollten sich Schwierigkeiten ergeben, dann ist der Verein gerne bereit, in jedem einzelnen Falle zu intervenieren. Wien. Pr. Keligionsschule der Adass Israel (Schiffsynagoge), IL, Schiffgasse 8 Der Unterricht an der Pr. Religionsschule des Vereines hat begonnen. Die Einschreibungen erfolgen während der :-chulzeit: An Sonntagen von 8—12 Uhr Vormittag, an Mittwochen von 2—6 Uhr Nachmittag im Schullokale II., Malzg. 16, Tür 9. Gebäude der Talmud Tora-Schule. ftllEK WCßWiLM Eine Organisation der Karaiten. Unter den Karäern macht sich in den letzten Jahren eine Art nationaler Renaissance bemerkbar. Das erste kräftigere Lebenszeichen gaben die Karäer, wie wir seinerzeit berichteten, vor einigen Monaten, als sie in einem Kongresse in Eupatoria verschiedene, die Erhaltung und Entwicklung ihrer Sekte bezweckende Beschlüsse faßten. Die Moskauer karäischen Studenten haben bald darauf die statistische Erforschung der Karäer der ganzen "Welt in Angriff genommen und mm ist auch die erste Karäerzeitschrift erschienen. Die Zahl der Karäer in Rußland beträgt nach einer aus dem Jahre 1897 stammenden Statistik im ganzen 12.890 Seelen, die sich in zwei Gruppen teilen: in Krimer und in litauische Karäer. Die Krimer Karäer sind im Twarer Gouvernement konzentriert. Der Eest wohnt in Odessa (1049), Sebastopol (813), Moskau 332 und in Petersburg 310 Karäer. Bloß 60 Prozent der Karäer sind des Lesens und Schreibens kundig, 21 Prozent gaben als Muttersprache russisch, der Eest tatarisch an. Seit 1897 hat die Zahl der Karäer nicht zugenommen, sie sind in Abnahme begriffen, und die karäischen Studenten an der Moskauer Universität haben es sich, wie oben erwähnt, eben zur Aufgabe gemacht, über den heutigen Stand der Karäer genaue statistische Daten zu sammeln und in ihrer Zeitschrift zu veröffentlichen. Zugleich wird mitgeteilt, daß sämtliche russischen Karäer-Gemeinden sich geeinigt haben, ein gemeinsames religiöses Oberhaupt mit dem beständigen Sitz in TroM zu wählen. Die soeben getroffene "Wahl fiel auf Magister Schapschall, der an der Petersburger Universität orientalische Sprachen studiert und bis zum Jahre 1904 am Hof des Schah von Persien als Lehrer der russischen Sprache gewirkt und kurze Zeit auch den Posten eines Ministers und persönlichen Beraters des Schah bekleidet hat. Der neue Chacham ist 40 Jahre alt und war bis jetzt im russischen Ministerium des Aeußeren als (Pomotschnik) Gehilfe tätig. Eine Sammlung spanisch-jüdischer Lieder. Der Adjutant des spanischen Marineministers, Major Manuel de Lara, Mitglied der Madrider Akademie der schönen Künste, bereist gegenwärtig die Balkanländer und den Orient, um im Auftrage der spanischen Eegierung die alten spanisch-j üdische n Lieder, die noch unter dem Sephardim bis zum heutigen Tage erhalten blieben, zu sammeln. Manuel de Lara, der zu den bekanntesten Dichtern seiner Heimat zählt, hat bereits Bosnien, Serbien und Bulgarien bereist und fand überall das freundlichste Entgegenkommen. In Sofia sicherte er sich die Mitarbeit des Oberrabbiners Dr. Ehrenpreis. De Lara befindet sich jetzt auf dem Wege in die. Türkei, wo er besonders reiche Ernte für seine Aufgabe erhofft. Oesterreichische Auszeichnungen an reichsdeutsche Juden. Kaiser Franz Josef I. hat in Anerkennung ihrer auf dem Gebiete des Handelshochsehulwesens erworbenen Verdienste verliehen: Dem Diroktor der orientalischen Handelsakademie in Berlin Dr. Ignaz Kunos den Orden der Eisernen Krone dritter Klasse, dem Professor derselben Akademie Adolf Strauß das Eitterkreuz des Franz Josef-Ordens. Beide Gelehrte sind Juden. Dr. Kunos ist der Schwiegersohn des Präsidenten der orthodoxen Kultusgemeinde in Kleinwardein-Michaelszell. Der 16 Internationale Tierschutzkongress gegen das rituelle Schächten. Vom 2. bis 5. August tagte in Kopenhagen im Hotel l'Angleterre der 16. Internationale Tierschutzkongreß, dessen Verhandlungen für uns einiges Interesse besitzen, da man sich auch mit der Schächtfrage beschäftigte. Den Anlaß gab ein Eeferat einer Finnländerin, Frl. v. Konow, die ein wütendes, die jüdische Eeligion schwer beleidigendes Pamphlet gegen das „tierquälerische Schächten" verlas, das, wie sie stolz mitteilte, durch ihre Agitation in Finnland untersagt sei. Im Laufe des Kongresses erhielt diese Eednerin dann abermals das Wort zu einem Eeferat, das sich in vielleicht noch gesteigerter Feindseligkeit gegen das Judentum bewegte. In der Diskussion wurden ihre Ansichten von Eabbiner Dr. "Wohlstein (Malmö), Dr. Biberfeld (Berlin), Oberrabbiner Dr. Löwenstein (Kopenhagen) und besonders energisch von Dr. Louis Frankel (Kopenhagen) bekämpft. Der Kongreß nahm dann folgende Eesolution an: „Die Schlachtung darf nur nach vorhergegangener Betäubung des Tieres erfolgen oder so, daß der Kopf möglichst schnell vom Eumpfe getrennt wird." Das 3. Preisausschreiben der Jugendschriftenkommission der Großloge für Deutschland VIII, U. O. B. B., ist nun erledigt. Gewünscht wurde eine Erzählung oder Novelle, die iüdisches Leben oder jüdische Gestalten derart schildert, daß die jüdische Sittenlehre für Juden und Christen anschaulich hervortritt, ohne daß die Tendenz aufdringlich sich bemerkbar macht. Neun Arbeiten sind eingelaufen. Die Prüfung derselben lag in den Händen der Herren: Eabbiner Dr. Galliner (Charlottenburg), Verlagsbuchliändler Marcus (Breslau), Eeallehrer E. Gut und Dr. J. Heinemann (Frankfurt a. M.) und Hauptlehrer Theodor Eothschild (Eßlingen). Das Preisrichterkollegium war zu seinem Bedauern nicht in der Lage, auch nur einer der Arbeit einen Preis anzuerkennen; einigen derselben sind gewisse Vorzüge nicht abzusprechen; sie können wohl als gute Ghettoerzählungen gelten, entsprechen jedoch nicht den Forderungen einer Jugendschrift. Die Herren Verfasser, denen jedenfalls hier für ihre Bemühungen bestens gedankt sein soll, werden ersucht, ihre genaue Adresse anzugeben, damit wir ihnen die Arbeiten zurückschicken können. — Auch den Preisrichtern sei hiemit bester Dank gesagt. Die Jugendschriftenkommission der Großloge für Deutschland VIII, U. 0. B. B.

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