Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 19 (22.9.1911)
- Date
- 1911-09-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 „New! National-Zeitung" Nr. 19 wünschte" und „lästige" Elemente zu bezeichnen. Selbst, bereits eingewanderte Juden wurden, wenn sie infolge Arbeitsmangels mittellos geworden sind, des Landes verwiesen. Unsere heimatlosen Brüder werden daher davor gewarnt, mit leeren Taschen den müden Schritt nach Kanada zu lenken. Die Einwanderer werden von dem von der J.-C.-A. vor zwei Jahren eingesetzten „Canadien- Comite" empfangen, welches seinerseits einen Arbeitsnachweis für sie organisiert hat. Mit Hilfe dieser Institution, die in zahlreichen Ortschaften des Landes Agenturen und Subkomitees unterhält, ist es im Berichtsjahre gelungen 3237 Einwanderer in Montreal unterzubringen (darunter 1104 als Eisenbahn und 1153 als Fabrikarbeiter!). Außerdem hat das Komitee 173 in Montreal wohnende Juden veranlaßt, sich im Innern des Landes niederzulassen, 55 von ihnen Wurden in Calgary, in der Provinz Alberta, als Landwirte angesiedelt, wodurch eine neue Kolonie entstanden ist. Jüdische Bauern in Kanada. Die Zähl der jüdischen Bauern in Kanada ist derart gewachsen, daß dieses Land unter den jüdischen Kblonisatiohsländern einen wichtigen Platz einziniehmen beginnt. Zu den alten vom Baron Hirsch respektive von seiner Rechtsnachfolgerin, der J.-C.-A., begründeten Kolonien Hirsch, Qu'Appell a, Öxbow, Wappella und Bender sind in neuerer Zeit die Ansiedlungen Neu-Hermann, Tröchu -W alley, Eden-Bridge, Krügersdorp und Masaca hinzugekommen, welche ohne fremde Hilfe", aus eigener Initiative der Ansiedler entstanden sind. * Daneben leben in allen Teilen Kanadas zahlreiche jüdische Landwirte, die vereinzelt in der Nähe größerer Städte wohnen und sich durch Gemüsebau und Milchwirtschaft ernähren und daneben an die Städter Sommerwohnungen vermieten. Die Zahl dieser tapferen jüdischen Ansiedler, deren Existenz in Kanada erst vor zwei Jahren entdeckt worden ist, dürfte wohl jetzt schon sehr groß sein und wird mit der Zeit weiter wachsen. Einschließlich dieser Einzelwirtschaften zählt man in Kanada gegenwärtig 777 jüdische Bauern mit .3020 Seelen, welche 49130 Hektar Land besitzen. Davon leben 208 Familien mit 837 Seelen in den 5 alten von der J.-C.-A. kontrollierten Ansiedlungen und 569 in den unabhängigen neuen Kolonien respektive Einzelwirtschaften. Von ersteren ist zu berichten, daß sie infolge der Mißernte in den beiden Vorjahren einen wesentlichen Bückgang erfahren haben. Die Zahl der Familien ist von 255 auf 203, die Zahl der Einwohner von 881 auf 837 zurückgegangen, Viel besser als diesen alten Kolonien ist es im Berichtsjahre den Ansiedlungen Neu-Hermann, Trochu-Waüey und Eden-Bridge ergangen. Sämtliche jüdische Kolonisten in Kanada haben im Berichtsjahre von der J.-C.-A. eine Subvention im Betrage von 37.574 Dollars erhalten und 12.266 Dollars zurückgezahlt. Alles in allem schulden sie der Gesellschaft noch 155.668 Dollars. Die Emigration nach den Vereinigten Staaten. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika arbeitet die J.-C.-A. Hand in Hand mit dem Baron Hirsch-Fonds, dem Removal-Comite und dem jüdischen Hilfsverein für Landwirtschaft und Industrie. Gemeinsam mit der erstgenannten Institution unterhält sie in New-York eine im Jahre 1899 begründete Handwerkerschule sowie die Ackerbauschule in Woodbine und kontrolliert das Städtchen gleichen Namens. Eine jüdische Gartenstadt. Woodbine ist bekanntlich eine fast ausschließlich von Juden bewohnte Gartenstadt, die auch einen jüdischen Bürgermeister hat. Sie besitzt eine Wasserleitung, eine elektrische Zentrale, staatliche öffentliche Gebäude und vorzügliche Schulen. Außer der Landwirtschaft blüht in Woodbine auch die Industrie. In zwei Fabriken und 6 kleineren Werkstätten sind im Berichtsjahre 470 Arbeiter beschäftigt worden, die 835.000 Mark Lohn ausgezahlt bekamen. Im Berichtsjahre sind in Woodbine 2 neue Werkstätten und 13 Privathäuser errichtet worden. Das Removal-Comite. Die Fürsorge für die Auswanderer wird in New-York von dem seit 1901 bestehenden Removal- Comite besorgt. In früheren Jahren pflegte dasselbe sich dadurch nützlich zu machen, indem es in Ellis- Island, dem bekannten Einwanderungshafen von New-York, einige Agenten unterhielt, die sich den Immigranten zur Verfügung stellten und ihnen in jeder Hinsicht nützlich zu machen suchten. Seit einiger Zeit ruht aber diese Arbeit in den Händen eines von verschiedenen New-Yorker Wohltätigkeitsvereinen gemeinsam eingesetzten jüdischen Einwanderungkomitees, während die Removal-Gesellschaft sich ausschließlich auf ihre ursprüngliche Aufgabe zurückzog. Die Aufgabe bestand darin, das Ghetto von New-York zu evacuieren. . . . In den 10 Jahren seines Bestehens ist es dem Removal-Comite auch gelungen, 48.754 Juden aus New-York zu entfernen und über 1326 verschiedene Plätze der Union zu zerstreuen. Dieser Erfolg ist aber durch die Einwanderung eines einzigen Jahres wieder vernichtet worden. Im Berichtsjahre wurden 4043 Personen 'aus New-York entfernt. Obwohl aber diese von New-York fortgegangenen 4043 Personen durch die jüdischen Geburten mehr als reichlich ersetzt wurden, darf die Tätigkeit des Removal-Comites keineswegs als Sysiphusarbeit betrachtet werden, denn das Komitee unterhält einen wohlorganisierten Arbeitsnachweis mit zahlreichen bezahlten und freiwilligen Agenten im ganzen Lande, mit dessen Hilfe jahrein, jahraus einige tausend arme Juden, außerhalb New-Yorks, Arbeit und Brot finden. Jüdischer Hilfsverein für Landwirtschaft und Industrie. Ungemein wichtiger als die beiden vorgenannten Körperschaften ist der jüdische „Hil;fsverein für Landwirtschaft und Indus t r i e", der sich zur Aufgabe gemacht hat, den jüdischen, in den Vereinigten Staaten lebenden 'Baue r»n durch Rät und Tat beizustehen. Die Zahl derselben ist erstaunlich groß und beträgt nicht weniger als 30.000 Seelen. Einschließlich der in Kanada lebenden jüdischen Bauern weist Nordamerika im Ganzen 38.020 Juden auf, die ihre Existenz auf der unerschütterlichen Grundlage der Landwirtschaft aufgebaut haben. Es leben demnach in Nordamerika mehr jüdische Bauern als in Argentinien, Palästina,