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Neue Nationalzeitung · 1911-09-08 · Heft 18 (8.9.1911) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 18 (8.9.1911)
Date
1911-09-08
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite «Neue National-Zeitung* Nr. 18 und von diesem Standpunkte aus die 'Bibel betrachte, was ja in striktein Gegensatz au aller christlichen Bibelkritik steht. Ich betone, daß dies nur für die Zeit der letzten Propheten und der Zeit nach ihnen gilt. (So verlege ich die Abfassung von Koheleth, den Psalmen usw. in die Zeit nach den Propheten.) Im Unterricht des Pentateuchs jedoch — ich wiederhole es, weil es so oft anders behauptet wird, — kein Wort gelehrt, das abweichend von den Worten der Thora wäre. Erst in der letzten Klasse werde ich den Schülern Vorträge über die verschiedenen bibelkritischen Hypothesen halten und ihnen so einen Ueberblick über die Bibelkritik geben, ohne aber, daß ich irgend eine Hypothese ihnen als rechte vortrage, damit sie für die Bibelkritik, wie sie ihnen auf der Universität vorgetragen wird, vorbereitet sind. 5. Frage: Leben die Lehrer des Gymnasiums außerhalb der Schule gemäß den Gesetzen der Tradition? Antwort: Außerhalb des Gymnasiums lassen wir den Lehrern in ihrem religiösen Leben vollste Freiheit. Dabei will ich bemerken, daß die Behauptung, das Gymnasium sei am Sabbat geöffnet, eine glatte Lüge ist. Magjialenliiuisniitglied Karl Schwab gestorben. Auf seiner Gavosdiaer Besitzung ist Magnatenhausmitglied Karl Svab deGavosdia im Alter von 83 Jahren nach mehrtägigem schweren Leiden gestorben. Karl Svab wurde im Jahre 1829 in Csongräd geboren. Er besuchte in Budapest die Eealsehule und widmete sich im Jahre 1846 der Landwirtschaft. Den Freiheitskampf machte er als Leutnant und Adjudant des Majors und nachmaligen Obersten Ludwig Bern mit. Im Jahre 1850 studierte er an der Landwirtschaftlichen Akademie in Magyar-Ovar, dann betätigte er sieh wieder in der Landwirtschaft. Tin Jahre 1875 wurde Svab mit dem Programm der liberalen Partei zum Abgeordneten des Törökkanizsaer Bezirks gewählt. Diesen Bezirk vertrat er im Eeichstage bis zu seiner im Jahre 1885 erfolgten Ernennung zum Magnatenhausmitgliede. Er war Direktionspräsident der Eperjes-Bärtfaer Vizinalbahn und Präsident des Ungarischen israelitischen Stipendienvereins. 1902 wurde ihm der ungarische Adel mit dem Prädikate „de Gavosdia" verliehen. Im Magnatenhause war er Mitglied des Volks wirtseh afts-, Kommunikations- und Diariuinsaussehusses. Karl v. Svab war der erste Jude, der zum Magnatenhausmitglied ernannt worden ist. Rabbiner Vittorio Castiglioni-Rom ist gestorben. Der Verblichene wurde im Jahre 1840 in Triest geboren und wurde, nachdem er teils in Italien, teils in Deutschland seine talmudischen Studien absolvierte, im Jahre 1870 zum Professor am Lehrerinnenseminar in Triest ernannt und erteilte gleichzeitig an den Mittelschulen dieser Stadt jüdischen Eeligionsunterricht. Nachdem er viele Jahre hindurch das Amt eines Vize-Rabbiners versehen, erging im Jahr« 1903 an ihn der ehrenvolle Ruf eines Rabbiners von Rom. Ein Denkmal dauernder denn Erz hat sich der Heimgegangene durch die zahlreichen wissenschaftlichen Werke, die er, ein vorbildliches Muster eisernen Fleißes geschaffen, erworben. Eine mit zahlreichen Anmerkungen versehene Uebersetzung der Mischnah ist eines der großen Lebenswerke des Entschlafenen. Die „Poesie di Rachele Marpurgo" sowie die „Poesie di Giusseppe Almanzi" sowie zahlreiche, in diversen wissenschaftlichen Zeitschriften verstreute Abhandlungen, haben den Ruhm des Verblichenen begründet und gefestigt. Der Verstorbene hat letztwillig verlangt, daß seine Leiche verbrannt werde. Gleichberechtigung der Juden im marokkanischen Rff. Unter den im Rif ansässigen Juden hat die Nachricht große ^Freude hervorgerufen, daß der König von Spanien ein Edikt erlassen habe, .demzufolge die Bestimmungen über die bürgerliche Gleichb erechtigung der Juden auch auf den spanischen Teil Marokkos ausgedehnt werden. Obwohl diese Maßregel im gegenwärtigen Zeitpunkt zweifellos nur getroffen wurde, um die Sympathien der Juden für Spanien zu gewinnen, hofft man, daß das Edikt für alle Zukunft gelten wird. Die neue palästinensische Kolonie „A<ihusah". In der von amerikanischen Juden gegründeten Kolonie „Achusah", für die eine große Bodenfläche auf der Anhöhe Dalaika gegenüber dem Genezarethsee angekauft worden ist, haben die Arbeiten schon begonnen. Das Areal der neuen Kolonie wird 3500 Dunam umfassen. Die Kolonie grenzt an die bereits bestehenden jüdichen Ansiedelungen Milhamie, Jemma und Kinereth. Der Boden eignet sich insbesondere für Baumkulturen, das Klima wird als sehr gesund geschildert. Eingesendet. Das österreichische Abgeordnetenhaus 19JU. Soeben ist im Verlage Dr. Rudolf Ludwig, Wien,das bekannte statistische Handbuch „Das österreichische Abgeordnetenhaus 1911" von Fritz Freund erschienen. Allen, die dem politischen Leben Interesse entgegenbringen, wird dieses reichhaltige Buch, das über das neue Abgeordnetenhaus in ausgezeichneter Weise informiert, sehr willkommen sein. Es enthält die wohlgetroffenen Bilder sämtlh her Abgeordneter mit den wichtigsten biographischen Daten. Bei jedem Abgeordneten ist der Wahlbezirk, in dem er gewählt wurde, die Stimmen^ zahl, die er und seine Gegner auf sich vereinigten, Name und Parteistellung des eventuellen Vorgängers und in Klammer auch immer die Anzahl der Stimmen angegeben, welche im Jahre 1907 für die einzelnen Parteien abgegeben wurden, so daß die politische Entwicklung in jedem Wahlkreise verfolgt werden kann. Das handliche Format und ein alphabetisches Register erleichtern die Benützung des gefällig ausgestatteten Buches, dessen Preis sich nur auf eine Krone stellt und das für den, der den politischen Vorgängen mit Aufmerksamkeit folgen will, geradezu unentbehrlich ist. * Stapellauf .des Doppelschraub endampiers „Kaiser Franz Josef I." und Kiellegung S. M. „Kreuzer Gr". Am 9. September 1. J., vormittags, findet auf der Werfte des Cantiere Navale Triestino in Monfalcone eine bedeutsame Doppelfeier statt. Für diesen Tag ist die feierliche Taufe und Stapellassung des großen Doppelschraubendampfers der Austro Americana „Kaiser Franz Josef I" und die feierliche Kiellegung für S. M. S. Kreuzer „G" des ersten Kriegsschiffes, das auf der Werfte gebaut wird, in Aussicht genommen. Sowohl die Taufe und Stapellassung des „Kaiser Franz Josef I." als die Kiellegung des Kreuzers „G* werden von Ihrer k. u. k. Hoheit der Frau Erzherzogin Maria Josepha vorgenommen werden. Die Feierlichkeit erhält eine erhöhte Bedeutung dadurch, daß der neue Dampfer als erster österreichischer Handelsdampfer mit allerhöchster Bewilligung den Namen des Monarchen 'tragen wird. Unsere Handelsmarine erfährt durch den neuen Dampfer eine überaus wichtige Ergänzung, die sie den großen ausländischen Linien ebenbürtig macht. Der .Kaiser Franz Josef I." ist nicht nur das größte :*chiff, das bisher auf einer österreichischeu Werfte aus heimischem Material gebaut wurde, sondern auch der größte und schnellste Dampfer, der überhaupt die Adria befährt. Der Dampfer wird 150 Passagiere erster .Klasse, ifeTO zweiter Klasse und 1344 dritter Klasse aufnehmen können und wird somit zuzüglich seiner Besatzung von 314 Mann, 2278 Menschen führen. Die Austro Americana, für deren Rechnung der Dampfer erbaut wurde, wird nach dessen Völlendung über 11 Passagierdampfer, mit einem Deplacement von 3.18.000 Tons und 24 Frachtdampfer mit einer Tragfähigkeit von 130.000 Tons verfiigen. « \ Die Direktion des Wiener Colosseum (L. Mittler) hat die Operette „Der .Boxerkönig" von Ernst Herbert Wengraf, Musik von Alexander Grünfeld, einem Sohne des Prof. Dr. Max Grünfeld in Brünn, /zur Aufführung .jerworben.

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