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Neue Nationalzeitung · 1911-09-08 · Heft 18 (8.9.1911) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 18 (8.9.1911)
Date
1911-09-08
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 18 „Neue National-2eitung* Seite 9 Tagblatt" für zehn Heller die Zeile bald nach rechts, bald nach links geschrieben hat, dann ist man wohl im Mauscheln Sachverständiger. Ein solcher Mensch hat es nicht nötig, „aus dem Zionismus zu emigrieren". Wird er nicht Chefredakteur der „Welt", so kann er noch immer Chefredakteur des — „Prager Tagblatt" werden. Dann kann er den Zionistenkongreß ganz totschweigen, wie es die gesamte „Seutsch-liberale" Presse in Oesterreich diesmal getan hat. SKPRr.espoNögNzSN Rußland. Die Juden in Russisch-Polen Warschau. Ende August. (Orig.-Korr.) Jüngst ist ein sehr interessantes Buch von Bohdan W a s i ut y n s k i betitelt „Die jüdische Bevölkerung im Königreiche Polen" in polnischer Sprache erschienen, welches sich sehr eingehend mit der Bewegung der jüdischen Bevölkerung beschäftigt und ein umfangreiches statistisches Material aufweist. An der Hand seines reichen Materials führt der Verfasser folgendes aus: Die Zahl der Juden in Russisch-Polen nimmt seit 100 Jahren ständig zu. Sie betrug 1816 7"8 Prozent, dagegen im Jahre 1909 14'63 Prozent der Gesamtbevölkerung. Der Grund für diesen rapiden Aufschwung der jüdischen Bewohnerschaft Russisch- Pbiens liegt in der Zuwanderung aus Rußland und Littauen. Hand in Hand damif geht der Zuzug der Juden aus den Dörfern in die Städte. Diese stehen vor der Gefahr der vollständigen „Verjudung". So haben im Jahre 1909 in 73 Städten mit weniger als 10.000 Einwohnern 54 eine jüdische Majorität gehabt; von 25 Städten mit einer Einwohnerzahl von 10—20.000 hatten 17, von 13 Städten mit einer Einwohnerzahl von 20—50.000 hatten 2 mehr als 50 Prozent Juden. In Warschau bildeten die Juden im Jahre 1910 39-4 Prozent, in Lodz 23 Prozent der Gesamtbevölkerung; in beiden Städten wohnt ein Viertel der Juden von Rusisch-Polen, und zwar 410.000. Die Emigration wäre wohl imstande, die jüdische Einwohnerzahl einzuschränken, allein dieselbe ist einerseits nicht genug intensiv, anderseits aber wird sie durch die den Juden in den Einwanderungszentren gemachten Schwierigkeiten gehemmt. Der Verfasser fordert nunmehr die polnische Bevölkerung auf, sich gegen das Ueberhandnehmen der jüdischen Bevölkerung zu wehren. Er verlangt für jene eine bessere Kinderpflege, wie überhaupt eine Ausgestaltung der hygienischen Lebensmaßregeln, da die Juden auf diesen Gebieten den Polen überlegen seien. Unsere P. T. Abonnenten werden um die Begleichung der rückständigen Abonnements-Gebühr höflichst ersucht. Die Administration. GEMEINUB=ün& V5R5iNSNÄlftRitraCN Wien. (Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender in Wien, II. Malzgasse 1.) Sonntag, den 3. d. M., hat die feierliche Eröffnung der neuen Vereins- und Bethauslokalitäten dieses Vereines stattgefunden. Wien. (Jüdische r Schul verein für den IX. Bezirk, IX. Seegasse 16.) Die Einschreibungen für die Volks- und Bürgerschule sowie Fortbildungskurse für Knaben und Mädchen finden Sonntag den 17. d. M. Vormittag 11—12 Uhr, vom 18 bis 21. September abends 5 - V*8 Uhr statt. WeiÄWilW Die Aufgaben des hebräischen Gymnasiums in Jaffa. Einer der Hauptlehrer und leitenden Männer dieses Gymnasiums, Dr. Mossinsohn, hat sich unlängst in Frankfurt a. M. aufgehalten und hat mit Rücksicht auf die orthodoxen Anfeindungen, die Grundprinzipien dieser Anstalt in religiöser Beziehung dem Interviewer des „Frankfurter Isr. Famil. Bl." gegenüber, in nachstehenden Antworten ausgedrückt: 1. Frage : Ist in dem Begriff „national-jüdische Erziehung", die im Piogramme als der Zweck des Gymnasiums angegeben wird, auch der religiöse Unterricht mit einbegriffen? Antwort: Da wir die jüdische Eeligion als eines der vornehmsten Erzeugnisse des jüdischen Geistes und als einen wesentlichen Bestandteil des jüdischen Nationalismus ansehen, ist in der jüdisch-nationalen Erziehung selbstverständlich auch der jüdisch-religiöse Unterricht enthalten. Allerdings nicht als spezieller Religionsunterricht, da wir einen solchen sowohl für unjüdisch, wie auch unpädagogisch halten; vielmehr ist der religiöse Unterricht in allen anderen Unterrichtszweigen, besonders im Unterricht der Bibel, des Talmuds und der mittelalterlichen Literatur, enthalten. 2. Frage: Werden die Ueberlieferungen der Thora den Schülern als geschichtliche Tatsachen oder als religiöse Legenden vorgetragen? Antwort: Sie werden den Schülern genau ebenso vorgetragen, wie sie die Thora lehrt. Es wird an den "Worten der Thora nichts gedeutelt und geändert und nichts gegen sie gelehrt. 3. Frage: Wird die Gesetzgebung der Thora den Schülern als für heute noch verbindlich gelehrt? Antwort: Wir beschäftigen uns im Gymnasium mit dieser Frage überhaupt nicht. „Was würden Sie antworten", fragten wir Doktor Missinsohn, „falls ein Schüler Sie fragte, ob die Gesetze der Thora für heute noch verbindlich sind? „Wir würden folgendermaßen antworten," erwiderte Dr. Mossinsohn: „Die Thora erklärt die Gesetze als für heute noch für jeden Juden verbindlich. Die Juden betrachten sie heute noch als verbindlich. Sollte der Schüler fragen; Wie soll ich es halten? Dann würden wir sagen: Tue so, wie es deine Eltern tun." 4. Frage: Wird im Unterricht der Bibel irgendwelche bibelkritische These vorgetragen?" Antwort: Bis zu den drei oberen Klassen (Obersekunda, Oberprima) keine einzige. In den drei oberen Klassen trage ich in meiner Darstellung manche bibelkritische These vor. Natürlich keine christlich-bibelkritische. Der Vorwurf, daß ich christliche Bibelkritik vortrage, ist eine Unwahrheit. Ich. kann gar nicht auf dem Boden der christlichen Bibelkritik stehen, weil ich Nationaljude bin-

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