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Neue Nationalzeitung · 1911-09-08 · Heft 18 (8.9.1911) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 18 (8.9.1911)
Date
1911-09-08
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 18 Vielleicht werden sich gewisse chassidisch'e Kreise darüber freuen :— aber die breiten Volksschichten? Ob die sich freuen werden? ..." Achad Haani warnt vor dem Zionismus. . . Sie werden sich nicht freuen! Achad-Haam hat den jüdischen Volksmassen nichts zu bieten, er will ihnen nichts bieten, er warnt sie vor dem Zionismus. Er ist ja ein „Kultur"-Jude; das Judentum ist ihm alles, der Jude, der jüdische Proletarier, das jüdische Individuum gar nichts. Man lese seine Essays „A m Scheidewege" (Jüdischer Verlag). Doch findet sich auf Seite 60 eine Stelle, die uns die Richtung des neuen Kurses am besten charakterisiert. Achad-Haam erklärt: „Der geschätzte Verfasser weint bitterlich, und wir weinen mit ihm, über die Leiden von tausenden von Juden, die im Kampfe um ihr i n d i v i d u e 11 e s Dasein zugrunde gehen, und wenn es wirklich, wie unser Autor versichert, in unserer Mitte Leute gibt, die diesen hungernden Proletariern zurufen: „Seid Zionsfreunde!" so sind es Dummköpfe und mit der Dummheit kämpfen bekanntlich selbst die Götter vergebens. Im Gegenteil! Allen diesen Unglücklichen, die in ihrem Elend zugrunde gehen, und sich hilfesuchend an die „Zionsliebe" klammern, ihnen müssen wir zurufen: „.Seid nicht Zionsfreunde! Denn die „Zionsliebe" hat mit dem Elend des Einzelnen nichts zu schaffen. Ihnen rufen wir zu: „Weint, Unglückselige über die moderne Zeit, über dies© „Aufklärungen" dieses zivilisierten Geschlechtes mit seinen „Fragen", die uns die hervorragendsten Tugenden unserer Väter, das Mitleid, die Liebe zur Wohltätigkeit und Barmherzigkeit, das Interesse für die Bedürfnisse des Ganzen und des Einzelnen aus dem Herzen gerissen — wir aber, ein elendes und hilfloses Volk, wie sollten wir euch helfen können?" „Doch gibt es noch viele in unserem Volke, deren persönliche Verhältnisse noch nicht so schlimm stehen, die zugleich eine innige Liebe zu ihrem Volk hegen und seine Fortdauer als Gesamtheit wünschen. Und da sie sehen, daß die Mauer unserer F4nheit zusammenzubrechen cTroht, weil sie kein Fundament hat. weil die Religion nicht mehr die Macht besitzt, die Volksglieder zusammen zu halten und das Nationalgefühl immer mehr erschlafft und bald gänzlich zu erlöschen droht, daß unsere Söhne und Töchter sich dem Dienste fremder Völker weihen und sich einzeln auf Nimmerwiedersehen aus unserem Lager stehlen — wenn sie dies alles sehen, da fragen sie sich mit gebrochenen Herzen und schmerzerfüllter Seele: „gibt es wirklich keinen Ausweg und kein Mittel mehr, die Abfallenden zurück zu halten, die Getrennten zusammen zu schließen und unserem Volke die Seele wiederzugeben, die sich von ihm trennen will? Gibt es denn kein Heilmittel mehr gegen unsere Krankheit, ist es wirklich die Altersschwäche und wird es bald mit uns durch den allmählichen Kräfteverfall zu Ende sein?" Diesen, und nur diesen, antworten wir — und eine andere Antwort gibt es nicht — „seid Zionsfreunde!" ... Herr Löwy ärgert sich. In der letzten Nummer der „W e 11" wird unter den „Pressestimmen" über den zehnten Kongreß auch Notiz genommen von einem Artikel, den unser Herausgeber unter dem Titel „Judenfrage und Zionis^ mus" in der Wiener „Sonn- und Montags- Zeitung" am 30, August veröffentlicht hat. Die Manipulation der „Welt" ist die bei der illoyalen Presse gebräuchliche: Es werden einige Sätze aus dem Zusammenhange herausgerissen und was dadurch dem Leser an Verständnis entzogen wird, dann durch Grobheiten ergänzt. So hat es die Redaktion der „Welt" immer gehalten. Warum soll Herr Löwy, der vom Reporter des „Prager Tagblatt" zum Chefredakteur der „Welt" avancierte, diese Traditionen abschaffen? Die „Welt" schreibt also: „Der Vollständigkeit halber seien hier noch die Schlußsätze eines Artikels wiedergegeben, in welchem D r. S. R Landau» der Herausgeber der „Neuen Nationalzeitung", in der „Wiener Sonn- und Montags-Zeitung-' seine Ansichten über den Kongreß ausspricht: „Der in Basel abgehaltene X. „Jubiläumskongreß" gibt uns die Möglichkeit, die Erfolge der zionistischen Bewegung zu überblicken. Diese Erfolge sind äußerst gering. Das zionistische Programm ist nicht um einen Schritt seiner Verwirklichung nähergekommen; seine eifrigsten Anhänger sind zur Ueberzeugung gelangt, daß es undurchführbar ist. Ebenso wenig wie der Sultan Abdul Hamid will das jungtürkische Komitee eine jüdische Masseneinwanderung gestatten oder gar von der Erteilung öffe-itlich-rechtlicher Konzessionen etwas wissen. Die europäischen Mächte stehen der Bewegung kühl, ja sogar, wie Rußland, feindselig gegenüber. In einer Debatte, die jüngst im türkischen Parlament stattgefunden, hat, wurden der zionistischen Bewegung hochverräterische Motive unterschoben. Mit diesen Tatsachen mußte der letzte Kongreß rechnen; der eigentliche Zion;smus im Sinne Herzls stand nicht mehr auf seiner Tagesordnung. Statt dessen beschäftigte sich der Kongreß mit der Pflege hebräischer Sprache, mit der Schaffung hebräischer Kultur in Palästina und religiösen Fragen. Selbst die Emigrationsfrage, dieses brennendste Problem der östlichen Juden, wurde nur ganz oberflächlich erörtert und. bloß die Notwendigkeit der Einberufung eines Emigrationskongresses zugestanden. Die jüdischen Volksmassen sehen sich um ihre letzte Hoffnung getäuscht. Der Zionismus, der ihnen soviel, alles versprochen hat, kann ihnen nichts bieten.Der satte jüdische Bourgeois Rußlands oder Galiziens mag sich in seinen Mußestunden für die Pflege hebräischer Kultur und Sprache erwärmen; das jüdische Millionenproletariat benötigt eine Scholle, von der es nicht vertrieben werden kann, wo seine primitivsten Menschenrechte geschützt bleiben. Und diese Scholle, die ihm der I. Zionistenkongreß für die allernächste Zeit in Aussicht gestellt hat, wur.le durch den , Jubiläumskongreß " ganz seinem Horizont entrückt . . . Im Ghtto wird es wieder dunkel! Das Ideal, das ihm jahrelang vorangeleuchtet hat, war nur ein Irrlicht. Das Problem der Judenfrage ist heute mehr denn je nun vom Gesichtspunkte der Emigration in Behandlung zu nehmen. Der bevorstehende jüdische Emigrationskongreß hat nunmehr das Wort." Der Artikel hätte wohl eher in die Rubrik der bekannten „Lokalzugstudien" gehört. Dort pflegt doch sonst Rlauschel zu sprechen. Den österreichischen Assimiianten vergönnen wir diesen neuen Bundesgenossen, dessen Wert dadurch erhöht wird, daß er aus dem Zionismus emigriert ist." Herr Löwy hat das Richtige getroffen. Wenn man so durch einige Jahre als Schmock beim „Prager

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