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Neue Nationalzeitung · 1911-08-25 · Heft 17 (25.8.1911) · p. Seite 11

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 17 (25.8.1911)
Date
1911-08-25
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 17 „Neue National-Zeitung" Seite 11 Ein neuer Oberkantor in der Leopoldstadt. Der Wiener Kultusvorstand hat mit der Besetzung der Oberkantorstelle mehr Glück, als mit dem Eabbinerposten. Zum Nachfolger des leider infolge schwerer Erkrankung verabschiedeten Oberkantors Gutmann wurde Herr Josef Morgenst'ern aus Sebastopol berufen, dem ein vorzüglicher Euf bereits vorangeht. Es ist nicht ohne Interesse, daß nunmehr die beiden hervorragendsten Oberkantoren Wiens, die Herren Don Fuchs und Morgenstern, russische Juden sind. Die JPiowaty-Würstel sind nunmehr auch vom Brünn er E abbin at verLoten worden. Das dürfte aber diese Firma ebensowenig wie in Wien daran hindern, ihre Erzeugnisse auf den Firmatafeln weiterhin als „koscher" zu bezeichnen. Eine Geschmacklosigkeit. Herr Kultuspräsident Dr. Alfred Stern will sich anläßlich seines 80. Geburtstages feiern lassen. Er läßt also von seinem Beamten, dem Sekretär der Kultusgemeinde, kais. Eat Dr. Lieben, in den Gemeindeblättern nachstehende Zuschrift veröffentlichen: „Dienstag, den 29. August d. J. begeht der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlasse wird ihm sicher eine große Anzahl von Korporationen, Deputationen, Einzelpersonen ihre Glückwünsche entgegenbringen. Der Empfang in Baden, Bergstraße 74, an dem genannten Tage findet in der Zeit von 11—1 Uhr statt und dürfte es sich empfehlen, daß jene Persönlichkeiten oder Korporationen, welche Näheres zu wissen wünschen, sich mit dem unterzeichneten Sekretär der Kultusgemeinde ins Einvernehmen setzen. Dr. Theodor Lieben, Wien, I., Seitenstettengasse 4, TIT. St." Druckfehler-Berichtigung. Der unerträgliche Druck (bitte noch nicht an Druckerschwärze zu denken!), der in den letzten Wochen auf ganz Europa, ja, meine lieben Leserinnen und Leser, auf der ganzen Welt (ohne Anführungszeichen!) lastete, o, meine Lieben, er lastete auch auf dem allen, menschlichen Schwächen zugänglichen, ach, allzuzoigänglicheü — Haupte unseres von der Hitze so geplagten, sich plackernden Korrektors bei der Fertigstellung 'unserer letzten Nummer. Die Zufuhr von Wiasser in allen möglichen Formen konnte die Trockenheit in seinen oberen Regionen nicht beseitigen. Die Glut hatte alle Gehirnkanäle vollständig versiegen lassen. So konnten' wir ihm nur mit Mühe und Not davon abbringen, daß — in dem Artikel unseres geschätzten Mitarbeiters Herrn Prof. Dr. Grünfeld — die Pharaonen die Pyramiden nicht verhauten, sondern e r b a ü te n. (In seinen Mußestunden schreibt der Jünger Gutenbergs für den „Simplicissimus"--Papierkorb!) Wir passen uns nun der trockenen Witt emirig an und berichten' trocken: Seite 7, 2. Zeile von oben. Am Schlüsse des Satzes nicht Fragezeichen sondern Punkt. Seite 7, 29. Zeile von oben. Am Schlüsse des Satzes nicht „Zeilen", sondern „Ziffern". Seite 8, 3. Zeile yqn oben. Der Nainie.de.s Landsmannministers lautet: Jedrzejowicz. Seite 8, 18- Zeile von oben. Satzende. Das Fragezeichen zu streichen. Seite 10. In der so emsig von Wiener Juden frequentierten Taufliste haben die 27 Apostaten sich doch etwas mehr Zeit gelassen. Nämlich bis zum 7. August und nicht 1. August. bisfe der Ausgetretenen. Vom 8. bis 22. August 1911. (Xr. 352—374.) Deutsch Ernestine, geb. 19. Juni 1877 in Neutra. XI., Kopalgiasse 47. Engelmann Otto, geb. 7. Juli 1884, Wien, VI., Mollardgasse Nr. 17. Eisenstädter Leopold, Ingenieur, geb. 29. Mai 1877, Wien, VI., Mariahilfer-Gürtel 14. Fabri Alice, Schauspielerin, geb. 18. Jänner 1887, Wien, IX., Giüntihergasse 2. Justitz Frieda, Private, geb. 12. Juli 1890 in Stob, Ungarn, XVII., Rokitanskygasse 39. Spitzer Mathlide, Handarbeiterin, geb. 22. April 1889, Wien, XX., Tramnfelsgasse 5. Viertel Auguste, Sehh-merzeugerin, geb. 29. Jänner 1869 in Krakau, XVII., Ortliebgasse 28. Wecker Helene Ernestine, Private, geb. 25. Mai 1891, Wien, XIII., Satzberggasse. 10. Winter Max, geb. 18. Jänner 1892, Wien wohnhaft. Appel Zygfried, geb. 17. .März 1896, Wien, wohnhaft Chrzanow.*) Barch Izidor, geb. 2. November 1896, Wien, wohnhaft Chrzanow.*) Frey Rebekka, geb. 17. Jänner 1896, Wien, wohnhaft Chrzanow.*) Gotlieb Rosalia, geb. 6. Oktober 1895, Wien, wohnhaft Chrzanow.*) Rosenfeld Rosalia, geb. 22. Dezember 1896, Wien, wohnhaft Chrzanow.*) Schneider Fryderyk, geb. 17. März 1896, Wien, wohnhaft Chrzanow.*) Turmann Friedrich, ledig, geb. 2. September 1887, Wien, II., Schreigasse 16. Dikler—Dukelsky Georg, ledig, geb. 10. Dezember 1888 aus Odessa, IT., Taborstraße 49. Stein Martha, ledig, Private, geb. 24. November 1885, Wien, XXL, Schöpfleutengasse 31. Weinstock Gisela, ledig, Schirmerzeuger-Gehilfin, geb. 16. September 1879 in Verseczi (Ungarn), XVII., Steinergiasse 3. Müller Fanni, ledig, Private, geb. 5. Dezember 1887, Wien, IX., Richgasse 9. Westereich Leo, ledig, Ingenieur, geb. 27. April (aus Petrowitz in Schlesien), VI., Gumpendorferstraße 87. Siegel Helene, ledig, Hilfsiarbeiterin, geb. 18. August 1890, Wien, XII., Auchholzgasse 31. Bauer Alfred, geb. 22. Dezember 1887, Wien. Für die Hinterbliebenen der Opfer vonDrohobycz sind unserer Administration von Herrn Dr. Ignaz Rappoport, Hof- und Gerichts-Advokat in Wien, K 5.— übermittelt worden. Wegen Raummangels erscheint die Fortsetzung der Artikelserie „Der zehnte Zionisten-Kongreß und die Gegenwartspolitik" in der nächsten Nummer. *) Diese 15—16jährigen Knaben und Mädchen sind alle in der K i n d e r b e w a h r a n s t a 11 der Fürstin O g i n s'k a in Bobrek getauft worden. Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir vor 3 Jahren diese skandalösen Zustände auf Grund eigener Wahrnehmungen gegeißelt haben. Seitdem haben sich die Verhältnisse nicht geändert. Die galizischen Judengemeinden, allen voran die nahe Gemeinde Krakau, sind zu indolent und besitzen, wie es scheint, zu wenig Verantwortungsgefühl, um sich zu einer Aktion aufzuraffen. Merkwürdig ist es aber, daß die Wiener „Union" und der Vizepräsident der Krakauer Kultusgemeinde, die einen Höllenlärm in allen Zeitungen schlagen, wenn sie einmal, für ein ins Kloster entführtes Mädchen intervenieren sollen, wegen Bobrek keinen Finger rühren, wo H u n d e t t e jüdischer Kinder, die jahrein jahraus von der Wiener Findelans-tia.lt „geliefert" werden, in der christlichen Religion erzogen und getauft werden. Wo bleiben die Wiener Allianz, der galizische Hilfsverein und die Baron Hirsch'sche Schulstiftung? So viel für heute- Die „Neue National-Zeitung" war ■das erste Organ, welches die Zustände in Bobrek enthüllt hat. Wir hoffen, in dieser Frage demnächst der Oeffentlichkeit noch interessante Mitteilungen machen zu können. Die Redaktion.

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