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Neue Nationalzeitung · 1911-08-25 · Heft 17 (25.8.1911) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 17 (25.8.1911)
Date
1911-08-25
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 ,;N eue Nätiohal-Zeitüng" Seite 7 denen sich die Parteileitung bisher nicht aufschwingen wollte. Erst vier Tage später, am letzten Kongreßtage, hat sich Herr Adolf Stand soweit erholt, daß er sich endlich dazu aufraffen konnte, an den Präsidenten Wolffsohn eine — Anfrage zu richten, um gewissermaßen ganz überflüssigerweise einen Kommentar zu dessen früherer Enunziation zu verlangen. In Wirklichkeit hatte diese „Anfrage" keinen andern Zweck, als sich und seine Freunde, deren „kulturelle" und „moralische" Arbeit — die Moral des Herrn Stand wird den Lesern dieses Blattes genügend bekannt sein — über den grünen Klee zu loben. Die Anfrage des Herrn Stand lautete: „Ich habe eine Frage an unseren Präsidenten David "Wolffsohn zu richten. David Wolffsohn, unser verehrter Präsident, rtiat sich aan Donnerstag in seiner Kede über die Landesorganisation der galizischen Föderation geäußert. Einige Blätter, die uns bei jeder Gelegenheit verleumden, die unsere Todfeinde sind, haben diese Sätze in einer Weise ausgelegt, als ob Präsident Wolffsohn unsere Aktion, unsere Tätigkeit verdammt hätte. Ich kann wohl annehmen, daß ein Mann von der Autorität wie Wolffsohn einer solchen Pritik unserer Tätigkeit fernsteht. Wenn es nur eine politische Tätigkeit wäre, hätten wir sie nicht begonnen. Sie ist in eminenter Weise eine kulturelle Tätigkeit; denn sie hebt das Niveau der galizischen Massen. Sie ist in eminentem1 Sinne eine moralische Tätigkeit, denn sie trachtet, den Boden den Demoralisierern, den Brunnenvergiftern zu entziehen, die diese Presse bestechen. Es ist unsere Absicht-, diesen Herren, die, wenn sie gewählt werden, unsaubere Geschäfte machen, den Boden zu entziehen. Unsere Tätigkeit ist eine eminent kulturelle und eminent moralische. Ich stelle 'hiemit die Frage an den verehrten Präsidenten David Wolffsohn, wie er sich zu dieser Sache stellt. Ich könnte die Frage auch nicht an ihn stellen, denn, wie es heißt, wirder nicht mehr Präsident der Bewegung sein. Aber Daivid Wolffsohn bleibt David Wolffsohn. Er war der Führer der Bewegung, dessen Worte für uns gelten. Ich stelle hiemit die Frage: Wie denkt Herr David Wolffsohn über diese ihochkulturelle, moralische Arbeit der galizischen Zionisten?" i 1! - -£j Herr Wolffsohn hatte natürlich gar keinen Anlaß, von seinen früheren Aeußerungen etwas zurückzunehmen, er hielt im Gegenteil deren Tendenz aufrecht und begnügte sich bloß damit, den Herrn Fragesteller und seine Freunde durch einige allgemeine Phrasen von Sympathie und Bewunderung abzufertigen. Er sagte: „Geehrter Kongreß! Es ist mir selbstverständlich nicht eingefallen, die Arbeiten unserer Freunde in Galizien zu verurteilen oder gar zu verdammen. Ich hatte Gelegenheit, unsere Freunde in Galizien bei ihrer Arbeit zu sehen -und hege Sympathie und volle Bewunderung für die schwere un'd mühevolle Arbeit, der sie sich unterzogen haben. I c h stehe aber s e 1 b s t ,v e r s tä p d 1 ic h, wie ich bereits hier gesagt habe, auf dem Standpunkt, daß unsere Gesamtorgan isation (Sehr richtig!) sich in keiner Weise mit der Landespolitik eines Landes zu befasse n ha t, ans den Gründen, die ich ebenfalls hier angeführt habe. Für die Männer, die in Galizien für die jüdischen Interessen arbeiten, muß jeder, der ein jüdisches Herz hat, Sympathien empfinden." Damit war die Frage der Landespolitik für den Zionisteokongreß wohl erledigt. Und die wahren Zionisten Galiziens werden nunmehr wissen, was sie von der mit schäbigen Fetzen aufgeputzten Moral und Kultur der Stand-Klique zu denken haben. Für Herrn Stand war aber damit die Sache noch immer nicht erledigt. Dieser Politiker, der sich so viel auf seine Vornehmheit zugute hält, hatte das Bedürfnis, trotz der erhaltenen Douche, sich noch weiter abzukühlen, indem er gegenüber dem Berichterstatter des hebräischen Tagblattes „Hazefirah" den Präsidenten Wolffsohn p e r s ö nlich angriff. Herr Ständ ließ sich interviewen und sagte folgendes: „Wolffsohn ließ sich uns gegenüber von Motiven des Hasses und der Rachsucht leiten, weil wir ihn früher bekämpft haben. Es wird ihm aber nicht gelingen, Männern wie Kolischer und Diamand zur Führerschaft in der galizischen Judenschaft zu verhelfen." Sehr vornehm! Und der Mann will ein „Führer" sein....... Josef Izraels. Wir beklagen den, Tod des größten jüdischen Künstlers, des bedeutendsten-jüdischen Malers der Gegenwart, der gleichzeitig zu den größten seiner Kunst gehört hat. Hoch betagt, gesättigt von Ruhm und Anerkennung, gefeiert von Hoch und Nieder in dem Lande, wo er gelebt hat, ist Josef Izraels am 12. d. M., 88 Jahre alt, in Sheveningen gestorben. Es kann nicht Aufgabe dieses Blattes sein, das künstlerische Genie des Verschiedenen und die hervorragende Bedeutung seiner Schöpfungen eingehend zu schildern. . . Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, daß der große Künstler kein Nachahmer und Nachempfinder, sondern ein ganz originelles Talent war. Originell durch seine Sujets und durch seine Farbengebung. Dadurch heben sich seine Bilder von allen andern hervor und sind auf den ersten Blick zu erkennen. Die hervorragende Individualität Izraels kam aber besonders in seiner Stellung zu seinem Volke zum Ausdruck; er war ein konservativer Jude. Er feierte am Samstag und hing an all den rituellen Gebräuchen, die er in seinem Elternhaus angesehen hatte. Aber auch künstlerisch wurde er vom echt jüdischen Gefühl des Mitleids, des- Erbarmens geleitet. Nach mannigfaltigen Versuchen auf historischem Gebiete fand Izraels endlich seine Domäne, die ihm, dem Juden, am besten zusagte. Er wurde der Maler der Armen, Kleinen, Unglücklichen, Verlassenen. Die Motive aus dem Fischerleben und dem jüdischen Ghetto waren es, die ihm zu künstlerischem Ruhm und materiellen Erfolgen verhalfen. . . So gehört zu seinen bedeutendsten Bildern „Ein Sohn des alten Volkes", welches einen jüdischen Trödler auf der. Schwelle seines armseligen Ladens sitzend darstellt. Das Gemälde wurde vom städtischen Museum in Amsterdam angekauft. Während ihn ganz Holland und die ganze künstlerische Welt mit Ehren überhäufte, haben sich die jüdischen Kreise um ihn nicht gekümmert. Als er vor vier Jahren beim Zionistenkongreß im Haag als Gast erschien, würde er nicht einmal begrüßt. Er mochte dabei auch daran gedacht haben, wie wenig sein Volk für ihn, sein Fortkommen, seinen Ruhm getan hat. Es war erfreulich für ihn, nicht darauf angewiesen gewesen zu sein. Er hat seinen Weg selbst gemacht, gekämpft, gerungen und sein Ziel erreicht. Er wird dem jüdischen Namen und dem jüdischen Volke zu Ehre und-Ruhm gereichen und unter seine Unsterblichen gezählt werden,;

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