Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 17 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 „Neue National-Zeitttng" Nr. 17 der Städte srnd Musterfarmen zu gründen, Wanderlehrer in agxikulturellen Fragen sind anzustellen, der Bau von Arbeiterhäusern ist fortzusetzen. Der Kongreß begrüßt freudigst die neuen hebräischen Verlagsgesellsehaften und das Blühen der nationalen Schulen in Palästina. Sämtliche Eesolutionen werden nach längerer Debatte mit großer Majorität angenommen Dr. B ender sky (Kiew) teilt mit, daß sich ein Verband jüdischer Aerzte und Naturforscher zur Förderung des Sanitätswesens in Palästina gebildet hat, der nun auch die Agitation für das hygienische Institut in die Hand nehmen wird. Nunmehr kommt der Kongreß zur Beratung der neuen Geschäftsordnung. Der. .Referent Dr. Margulies beantragt selbst einige Aenderungen des Entwurfes. Die Beratung hierüber wird am Nachmittag fortgesetzt und nach längerer Debatte die neue Geschäftsordnüng in teilweise geändeter Fassung beschlossen. Das Budget. Dann tritt der Kongreß in die Berätung des Budgets . ein. Es liegt ein von der Finanzkommission im Verein mit der neuzuwählenden Leitung genau beratenes und ausgearbeitetes Budget für 1911/1912 auf 170.000 Mark vor, das schließlichnach längerer Debatte angenommen wird. Ueber die Anträge des Kulturausschusses entspinnt sich eine lebhafte Debatte. Die Anträge werden dann nahezu einstimmig angenommen. Nach kurzer Unterbrechung schreitet der Kongreß unter dem Vorsitz von Dr. Alex. Marmorek zu den Wahlen. Es wurden in das engere Aktionskomitee gewählt die Herren: Prof. Warburg, Dr. Hantke, Dr. Lewin, Sokolow und Dr. Jakobson, sämtliche in Berlin. Die Parteileitung übersiedelt daher nach Berlin. Wolffsohn ist nicht mehr wiedergewählt. Er hat selbst eine Wiederwahl abgelehnt, aber wenn man ihn gebeten hätte, wer weiß? . . . Uebrigens gibt es Leute, die behaupten, er werde noch wiederkommen. Weiters wurde das große Aktionskomitee gewählt. Unter üblichen Abschiedsreden wurde der Kongreß von Dr. Bodenheimer geschlossen. Auffällig war es, daß zum Kongresse Dr. Franz Oppenheimer nicht erschienen ist. Dr. Straucher, der einzige zionistische Eeiehsratsabgeordnete, hat kein Delegiertenmandat erhalten, denn Prof. Kellner verteilt in der Bukowina als Obmann des Landeskomitees die Mandate. Sonst auch sah man sehr viele Männer nicht mehr, die auf dem ersten Kongresse eine führende Eolle gespielt haben. Die galizische bandespolitik auf dem I^oTigress. (Von einem Delegierten.) Basel, 16. August. Herr Adolf Stand hat den Versuch unternommen, sich für die Niederlage bei den letzten Reichsratswahlen auf dem Kongresse schadlos zu halten und für seine verfehlte Mandatsspekulation eine Kongreßkundgebung als Pflaster hieimzubringen. Dieser Versuch ist mißglückt und hat die galizischen Politiker nur der Lächerlichkeit preisgegeben, per Kongreß und der Präsident David Wolffsohn haben in unzweideutiger Form zu erkennen gegeben, was sie von dem Mißbrauche der zionistischen Idee für die persönlich-politischen Spekulationen des Herrn Stand und seiner Freunde denken. Wir wollen nun sehen, ob diese Herren noch den Mut haben werden, sich hinter die Flagge des Zionismus zu verstecken, nachdem sie vor aller Welt nunmehr entlarvt wurden. Als Vorkämpfer des Herrn Stand trat Herr Dr. Reich, der in 2 Wahlbezirken durchgefallene Kandidat, auf, indem er folgendes meinte: „Wir in Galizden haben eine sehr schwierige Lage, weil wir gegen die Großassimilation, gegen die Regierung kämpfen; aber e's ist das einzige Land vielleicht, wo die große Masse und die jüdische Intelligenz zionistisch fühlt und mit den Zionisten geht (?). Die Zunahme;der Scheckel bei uns, selbst in diesem politischen Jähr, <zeigt, daß die Landespolitik uns absolut aiieht vom1 wahren Zionismus abgeführt hat. (Zuruf: Kongreßjahr!) Nein, es ist nicht das Kongreßjiahr; und wenn es das ist, dann sehen Sie, daß wir uns nicht begnügen anit der Politik, sondern daß wir so zahlreich hier auf diesem Kongreß erschienen sind. (Beifall.") Die Landespolitik hat dem Zionismus nichts geschadet. Wir haben jetzt einen heroischen Kampf durchgemacht, wo wir mit großem Heroismus für die jüdische Sache eingetreten! sind. Greise und jugendliche Männer haben ihre Brust dem Tode dargeboten und 28 Tote sind als Opfer gefallen." Dr. Reich hat es also nicht gescheut, aus den traurigen Vorfällen von Drohobycz für sich Kapital zu schlagen. Er erhielt darauf vom Präsidenten Wolffsohn eine sehr unzweideutige Antwort. Herr Wolffsohn erwiderte: „Ich möchte nur dem Herrn Dr. Reich, der hier ein Wort hat fallen lassen — und es ist mir berichtet worden, daß dieses Wort beinahe zum Schlagwort wird, auch in Palästina — erwidern. Er sprach davon: man muß den Mut haben, auch schlechte Arbeit zu machen. Das ist ein Mut, den ich allerdings bewundere, aber ein Mut, bei dem mau das Genick brechen kann. (Lebhafte Zustimmung.) Wir müssen den iMut haben, zu, arbeiten, .. .etwas, zu., unternehmen; w;e n <n wir aber sehen, daß etwas schlecht ist, dann müssen wir auch den Mut haben, diese Arbeit nicht nur zu beginnen, sondern, wenn wir sie begonnen haben, sie einzustellen. Wenn wir so im Sinne dieses Schlagwortes wirtschaften würden, dann könnten wir wirklich Gefahr laufen, daß wir überhaupt nicht mehr arbeiten könnten. Im Gegenteil: lieber weniger, aber was wir machen, muß gut s ein! (Stürmischer Beifall.) Ist es dann gut gemacht, dann zieht das zehn neue Sachen nach sich. Das Vertrauen müssen wir erst haben. Die ganze Welt muß zu uns Vertrauen haben, und wenai wir dieses Vertrauen erworben haben, dann können wir weiter marschieren, nicht eher! (Beifall.) Dr. Reich sprach auch über die politischen Verhältnisse. Ich habe e's bedauert — ich will darauf nicht eingehen. Mein Standpunkt ist Ihnen nicht neu. Wenn ich aber ihn noch einige Worte sage, so ist es nur, weil wir eine neue Leitung bekomimen. Ich bin der Ansicht, daß uns Zionisten unsere eigenen, rein zionistischen Angelegenheiten gerade genug zu tun geben, um unsere ganze Kraft zu fordern und uns den Wunsch zu nehmen, uns in Dinge zu mischen, die un's als Weltorganisation nichts angehen. Das ist meine Ansicht. Ich will es jetzt aussprechen, da ich zurücktrete, daß es ein Ding der U n an ö g 1 i e ih k e d t ist, daß der Zionismus -sich-mit der Politik aller einzelnen Staaten b efassen soll. (Zustimmung.) Ich muß es aussprechen: daß wir Gefahr laufen, daß wir dabei hie und da in Konflikt komm'en mit uns selbst, daß die Zionisten in dem einen Lande oft für eine ganz andere Politik arbeiten müssen wie in einem anderen Lande. Ich will auch aufmerksam machen auf . d i e G efahr, daß wir dabei m i t v e r s ch i e de n en R egierungen in Konflikt könnt ein. Wir haben schon - genuar zu leiden; wir müssen für un's sargen, für unsere. Idee." Diese Ausführungein fanden den einstimmigen Beifall des Kongresses. Kein einziger der galizischen Delegierten hatte den Mut, denselben entgegenzutreten. Sie erhielten endlich die Abfuhr und die richtige Kennzeichnung ihrer Bestrebungen, zu