Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 17 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 „Neue National-Zeitung" Seite 5 und Verwaltung der National/ond-Besitztümer die jüdischen Gebote respektiert -werden. Hierüber entwickelte sich eine überaus erregte Diskussion. Dr. Thon tritt den Behauptungen des Delegierten Struck entgegen, indem er dieselben als unrichtig bezeichnet, andererseits wendet sich der Delegierte Zuckermann, als Vertreter der Poale Zion, gegen den Klerikalismus der Misrachisten und ruft aus: „Freiheit der Religion! Jeder Zionist muß ein Eecht haben, religiös zu leben, wie er will, und so, wie er es für richtig hält!" Nach beruhigenden Erklärungen des Kongreßvorsitzenden und des Dr. Bodenheimer als Direktor des Nationalfondes zog Struck seinen Antrag zurück und es wurde folgender Antrag angenommen : „Der Kongreß spricht Dr. Bodenheimer für seine Arbeit für den Nationalfond den wärmsten Dank aus." Vor Beginn der Sonntag-Sitzung wird unter stürmischem Beifall die Fahne des Vereines „Ahavath Zion" in St. Gallen auf der Estrade angebracht. Die Fahne war morgens durch eine 60gliedrige Abordnung, welche vom Bahnhof aus in Eeih und Glied zum Stadtkasino marschiert war, überbracht worden. Präsident Dr. Nordau eröffnet die Sitzung um 10 V* Uhr. Er macht dem Kongreß die tief betrübende Mitteilung, daß gestern in der Nacht der Maler Josef I z r a e 1 s verschieden ist. (Das Haus erhebt sich zum Zeichen der Ehrung.) Dr. Nordau gedenkt in ergreifenden "Worten des großen Toten und führt u. A. aus: Josef Izraels war einer der hervorragensten Künstler der zeitgenössischen Malerei. Sein Verlust trifft die gesamte gesittete Menschheit, uns aber geht dieser Verlust noch ganz besonders nahe, denn Josef Izraels war nicht nur das Haupt der holländischen Malerschule, er war auch ein jüdisches Künstlertemperament. Wir finden in seinen Malereien, die Intensität des Gefühls, die Energie des Ausdrucks, die hohe sittliche Weihe des omotionellen Gemütsanteiles, die wir als Eigentümlichkeiten der höher gezüchteten Exemplare unserer Easse ansprechen. Dann weist der Präsident auf die dem Kongreß geschenkte Fahne des Vereines „Ahavat Zion" hin und spricht im Namen des Kongresses diesem Verein den Dank aus. Nach Verlesung einer großen Anzahl von Begrüßungsschreiben, darunter auch eines von 100 christlichen Bürgern der Stadt Genf und von Pastor Dardier unterfertigten Begrüßungstelegramm, halten Dr. N. Katzenelsohn und Leo Motzkin ihre Eeferate über die jüdische Emigrationsfrage. (Wir behandeln dieselben an anderer Stelle.) Die hebräische Sitzung. Nachmittags folgt eine hebräische Sitzung. Vizepräsident Ussischkin eröffnet die Sitzung gegen 4 Uhr in hebräischer Sprache. Diese Sitzung wird im Ganzen der Frage der geistig-kulturellen-Eenaissance gewidmet und in h ebr'äi s eher Sprache geleitet. Der hebräische Schriftsteller Nahum Sokolow erstattet ein Eeferat über die hebräische Sprache und stellt folgende Anträge: 1. Der X. Zionistenkongreß anerkennt die Notwendigkeit, einen hebräischen Schulverein zu gründen, der die Widerbelebung der hebräischen Sprache als gemeinsamer Nationalsprache des jüdischen Volkes bezweckt. 2. Der Kongreß möge die Initiative ergreifen zur Gründung eines Allgemeinen hebräischen Sprachvereins und einer Sprachakademie. 3. Der Kongreß beschließe die Schaffung eines hebräischen Eessörts am Zentralbnreau. In der Debatte wird seitens" der Poale-Zionisten Chasanowitz gegen die Eesölutionen Sokolows protestiert. Im Namen der Poale-Zionisten erklärt er, daß sie wohl die hebräische Sprache als die nationale Sprache der jüdischen Vergangenheit und Zukunft anerkennen und zu fördern bestrebt sind, messen jedoch der jüdischen Umgangssprache (dem Jargon) die Bedeutung eines volkstümlichen Bindemittels für die großen jüdischen Massen der Gegenwart bei. Daher könne nichts das Prinzip der Ausschließlichkeit des hebräischen als der einzigen nationalen Sprache vom Kongreß ausgesprochen werden. Er beantragt die Kulturarbeit soll als eine autonome Angelegenheit der zionistischen Vereine anerkannt werden. Die Frauenarbeit im Zionismus. Am Montag - Nachmittag erstattete Fräulein Prof. Schach ein Eeferat über „Frauenarbeit im Zionismus". Sie führt u. A. folgendes aus: Die Frau hat immer eine große Eolle in der jüdischen Geschichte gespielt. Diese Eolle muß auch den zionistischen Frauen zugewiesen werden. Für die zionistische Frauensache braucht man kein Eiesengeld, sondern vielmehr Gemüt und Verständnis. Man muß dem Mißstande abhelfen, da selbst die zionistischen Herren ihre Frauen nicht zur Mitarbeit am zionistischen Ideal heranziehen, während die jüdische Frau am Besten dazu geeignet ist, national erzieherisch zu wirken. Es ist beschämend, wenn jüdische Kinder des Hebräischen nicht mächtig sind. Die jüdische Frau soll dahin bestrebt sein, das jüdische Haus zu nationalisieren und zu hebräisieren. Sie soll das Familienleben im echt jüdischen Stil zu gestalten versuchen. Auch bei den Agitations- und Propagandaarbeiten des Zionismus kann die Frau große Dienste leisten und manches erreichen, was oft dem Mann unzugänglich ist. Die Eeferentin weist auf den in Haag begründeten Frauenverband für jüdische Kulturarbeit in Palästina hin, und bezeichnet als die nächste Aufgabe den Zusammenschluß aller zionistischen Frauen. Sie beantragt: Der Kongreß hält für dringend wünschenswert den Zusammenschluß der zionistischen Frauen und die Errichtung einer Zentralstelle für zionistische Frauenarbeit. Das Eeferat findet allgemeinen Beifall. Der Antrag wird fast einstimmig angenommen. Das Organisationsstatut. Dr. Emil Margulies, Eeferent der Organisationskommission, erstattet einen Bericht über das neue Organisationsstatut, welches dem Kongreß vorlag. Das leitende Organ der Bewegung soll ein Kollegium von 5 oder 7 Mitgliedern bilden, deren Mehrzahl an demselben Orte wohnen soll. Dieses Organ soll einem Aktionskomitee von 25 Mitgliedern verantwortlich sein, dessen Mitglieder sollen die Möglichkeit haben, öfters zwecks Beratung zusammen zu kommen, und ein Zentralkomitee, aus Vertretern aller Landesorganisationen bestehend, soll einmal im Jahre zusammentreten. Das Organisationsstatut wurde mit einigen Abänderungsvorschlägen des Dr. Weizman en bloc angenommen. Das Palästina-Referat, Vors. Dr. Bodenheimer eröffnet die Sitzung Dienstag Vormittag. Dr. Alexander Hausmann (Lemberg) erstattet das Eeferat der Palästina-Kommission. Die Kommission hat eine Eeihe von Gesichtspunkten herausgegriffen und über politische und wirtschaftliche und kulturelle Fragen beraten. Eedner schlägt nenn Eesölutionen vor, die der neuen Leitung die Eichtlinie für die Palästina- Arbeit vorzeichnen. Der Leitung wird die regste Agitation für die P. L. D. C. zur Pflicht gemacht. Ferner soll die Oelbaumspende mögliehst gefördert werden. In; der Nähe