Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 17 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ,Meue National-ffeitung" Nr. 1.7 anzuklagen, gleichgültig, ob die Anklage einen praktischen Nutzen haben wird oder nicht". Mit großer Heftigkeit und Schärfe wendet sich Nordau gegen die jüdischen Verleumder des Zionismus bei den einzelnen Staaten, insbesondere in der Türkei. „Wir müssen die öffentliche Meinung im ottomanischen Eeiche in den Stand setzen, sich über uns und unsere Feinde eine eigene Meinung zu bilden. Möge die Schande, die dem jüdischen Volke daraus erwächst, auf die Verleumder zurückfallen. Wir haben die Pflicht, die türkischen Staatsmänner mit den wirklichen Tatsachen bekannt zu machen und sie zu überzeugen, daß die Hebnatssehrisucht der zionistischen Juden für die Türkei eine Quelle unabsehbaren Nutzens werden kann, daß sie in der weiten Welt keine aufrichtigeren und opferwilligeren Freunde hat als die Zionisten und daß sie sich ihrer nützlichsten Mitarbeiter an dem Heil ihres Vaterlandes berauben, wenn sie dieses den Zionisten verschließen. (Lebhafte Zustimmung). Wir zweifeln nicht daran, daß unsere Bemühungen Erfolg haben werden. Die Verleumder 4es Zionismus werden ihre Infamie vergebens begangen haben. Aber die schließlich« Wirkungslosigkeit ihrer Bänke vermindert ihre Schuld nicht und sie bleiben vor dem Eichterstuhl der Geschichte angeklagt, alles getan zu haben, was in ihrer Macht stand, um die Rettung des jüdischen Volkes aus Todesgefahr zu vereiteln, und dieser unbestechliche Eichter wird ihnen das Kainsmal des Brudermordes in die Stirn einbrennen. (Stürmischer Beifall.) Wir werden nichts unterlassen, um die irregeführte Eegierung und öffentliche Meinung des ottomanischen Eeiches mit den wirklichen Tatsachen bekannt zu machen und wir zweifeln nicht am Erfolge unserer Bemühungen, denn wir glauben an die Macht der Wahrheit und an den gesunden Menschenverstand -der türkischen Staatsmänner. Aber die unerläßliche Voraussetzung dieses Erfolges sei die Einigkeit innerhalb der Organisation. Die Organisation ist der Eahmen des künftigen erlösten Judenvolkes. Er muß so stark dastehen, daß keine äußere oder innere Erschütterung sein. Gefüge lockern kann. Nur durch Annahme des neuen Organisationsentwurfes und durch die . Erschließung ergiebiger Hilfsquellen für die Bedürfnisse der Bewegung wird dieser Kongreß die Erwartungen erfüllen, die das zionistische Judentum in ihn setzt. (Stürmischer BeifalL) .Nach einer kurzen Debatte, ob die Annahme der neuen Geschäftsordnung erst mit dem Organisationsstatut zu beraten sei, oder gleich vor Eintritt in die Tagesordnung akzeptiert werden solle, wurden die Wahlen für die Kongreß- Kommission vorgenommen, die von der Leitung der Organisation völlig getrennt ist und die nach dem Vorschlag des Permanenz-Ausschusses einstimmig N o r d a u das Präsidium .übergab und zu Vizepräsidenten die Herren Dr. Bodenheim er, Dr. Marmorek, Tschlenoff, Ussischkin und Adolf Stand wählte. Hierauf schließt Nord au die Eröffnungssitzung und setzt den Beginn der Nachmittagssitzung auf 4 ühr fest,' in der das Aktions-Komitee den ausführlichen Tätigkeitsbericht erstatten wird, der den Delegierten gedruckt vorliegt. Die Nachmittagssitzung eröffnet Präsident Dr. Max Nord au mit Worten des Gedenkens an die seit dem letzten Kongreß Heimgegangenen, und nach dem Berieht des Legitimationsausschusses, der 429 Delegierte ausweist, wird in die Generaldebatte über den Tätigkeitsbericht des Aktions-Komitees eingegangen. Zunächst erstattet Professor Warburg das Palästinareferat, in welchem er die Entwicklung und den gegenwärtigen Stand der seitens der zionistischen Organisation in Palästina geleisteten Arbeit eingehend klargelegt und dann zu folgendem Eesume gelangt : Wir brauchen nicht zu zweifeln, daß diese Arbeit, die übrigens schon ihren Lohn in sich selbst trägt, auch seitens des ottomanischen Staates dankbare Anerkennung finden wird, denn die Eegierung muß und wird zu der Erkenntnis gelangen, daß wir nicht nur das Land reich und zufrieden gemacht haben werden, sondern was noch mehr wert ist, daß durch unsere Arbeit dem Lande eine zahlreiche arbeitsame Bevölkerung zugeführt wurde, auf deren Treue der ottomanische Staat sich in guten und trüben Zeiten blindlings wird verlassen können. (Beifall.) Die Debatte, welche sich auf die Vor- und Nachmittagssitzung am Donnerstag erstreckte, brachte manche scharfe Kritik der Tätigkeit der Leitung. Nach einem Schlußworte des Präsidenten Wolffsohn wird folgender Antrag des Dr. Thon nahezu einstimmig angenommen: Der Kongreß spricht dem E. A. 0. für sein vierjährige fruchtbare und erfolgreiche Arbeit Vertrauen und Dank aus, dankt aber insbesondere Herrn Präsidenten David Wolffsohn dafür, daß er uns das große Erbe Herzls nicht nur erhalten, sondern auch gemehrt hat. In der Vormittagssitzung vom 11. August gibt Vorsitzender Dr. Nordau Kenntnis von einem Telegramm des Großwesirs Hakki Pascha an den Präsidenten Wolffsohn, in welchem der Chef der türkischen Eegierung für die Sympathiekundgebung aus Anlaß der Brandkatastrophe in Stambul sowie für die Geldspende von 5000 Francs den Dank ausspricht. Der jüdische Nationalfonds. Der Präsident des Jüdischen Nationalfonds, Herr Dr. Bodenheimer, erstattet den Bericht des Nationalfonds. Die Sammlungen bewegen sich in einer aufsteigenden Linie und haben den höchsten Stand im vorigen Jahre erreicht. Die Verwaltung habe die Siedelungsgenossenschaffc, welche vom vorigen Kongreß beschlossen wurde, ausgebaut und habe die Hoffnung, hierdurch ein großes soziales Problem und gleichzeitig die wichtige Frage der Schaffung eines jüdischen Arbeiterstandes in Palästina der Lösung näher zu bringen. Die Verwaltung sei bestrebt, die gegenwärtigen Einrichtungen auszubauen, ehe man an neue Unternehmungen herantrete. Der Grundzweck, auf dem man bestehen müßte, sei die Erwerbung von Boden in Palästina für das jüdische Volk zum Zwecke der Ansiedelung einer jüdischen Bauernschaft. Hiervon dürfe man nicht abgehen und deshalb spreche sich Eedner gegen eine etwaige Besteuerung des Nationalfonds aus, durch welche ein Teil der Mittel dieses großen nationalen Fondes seinem Zweck entzogen werden könnte. Die Jüdische Kolonialbank. Dr. N. Katz enelsohn, Vorsitzender des Direktoriums der Jüdischen Kolonialbank, erstattet einen Berieht über die Tätigkeit der Jüdischen Kolonialbank und ihrer Töchterinstitutionen, der Anglo-Levantine Banking und der Anglo-Palestine Company. Die Entwicklung dieser Banken sei recht befriedigend. Die Operationen auf verschiedenen Gebieten haben gute Erfolge erzielt. Die Investierung des Kapitals in Palästina erreicht bereits zirka acht Millonen Francs. Im allgemeinen sei die Tätigkeit der Banken nach vielen Eichtungen hin erweitert worden, die Aussichten für die Zukunft seien. günstig. (Beifall.) Im Laufe der Debatte wurde seitens der Misrachisten herber Tadel darüber ausgesprochen, daß Arbeiter und Beamte auf den Besitzungen des Nationalfondes sieh über religiöse Vorschriften hinwegsetzen, insbesondere den Sabbat und die Feiertage entweihen und Delegierter Struck beantragte, daß das Direktorium des Nationalfondes dazu verhalten werde, dafür Sorge zu tragen, daß in der Leitung