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Neue Nationalzeitung · 1911-08-11 · Heft 16 (11.8.1911) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 16 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite « „Neue National-Zeitung" Nr. 16 Im Jahre 1899 bat die JCA über Drängen des Baron Albert Rotschild und David von Gutmann das Gut des Ministers R. v. Igdozcjowicz um einen horrenden Preis angekauft und als Ackerbauschule eingerichtet. Die Schule hat sich jedoch bisher nicht bewährt. Die Person des Direktors wurde bereits wiederholt gewechselt; die Zöglinge haben nach Absolvierung der Schule zumeist ein anderes Fach ergriffen, weil sie als jüdische Agronomen weder bei christliehen noch bei jüdischen Großgrundbesitzern eine Anstellung fanden. Das wird im Berichte der Stiftung verschwiegen. Man erzählt großtuerisch von der Heranbildung jüdischer Landwirte ohne auch nur mit einem Worte zu erwähnen, was mit all' den jüdischen Landwirten geschehen ist, die im Laufe der letzten zehn Jahrs in Slobodka herangebildet wurden." Zum Schlüsse noch eines: Die Lehrer der Stiftung, die eine sehr schöne Aufgabe zu erfüllen haben, müßten, sollte man glauben, nicht nur Lehrer, sondern auch Volkserzieher und als solche nicht nur rituelle, sondern auch nationale Juden sein. Allein es soll gewiß keinem verwehrt sein, wenn er durchaus Gsschrnack daran findet, auch ein Pole mosaischer Konfession zu sein, sintemalen er sich dadurch bei der vorgesetzen Behörde sehr unentbehrlich machen kann. Wenn es aber das Kuratorium den Lehrern verbietet, ihre jüdischnationale Ueberzeugung öffentlich zu bekunden, so sollte es doch in gleicher Weise denjenigen gegenüber vorgehen, die durch ihr hündisches Kriechen vor den polnischen Machthabern öffentliches Aergernis unter den Juden hervorrufen und die Eltern ihrer Schüler zu einer berechtigten, ihre Lehrerautorität herabsetzenden Kritik herausfordern. Ich meine hier den Fall von K o 1 o m e a, wo sich ein Inspektor der Stiftung öffentlich für den christliehen Kandidaten einsetzte, wiewohl in dieser Stadt seit Beginn der Verfassungsära ein Jude Abgeordneter war und die Judenschaft diese Gewaltskandidatur als einen erbärmlichen Faustschlag empfunden hat. . . . Und das tut ein Schulinspektor? Wie korrumpierend muß dies auf die untergebenen Lehrer wirken? Dieses Beispiel ist vielleicht auch ein Beleg dafür, wie sehr das Kuratorium und seine Schoßkinder den Wünschen und Gesinnungen der jüdischen Bevölkerung noch fremd gegenüberstehen. Der zehnte Zionistenkong^ess und die Gegenwartspolitik. i. Dr. Herzl war für Erwägungen i n n ® r po 1 it i s c h e r Natur, für ein sogenanntes Gegenwartsprogramm unzugänglich. Darin blieb er sich immer konsequent. Sein Prinzip lautete: Je ärger, desto besser. Je ärger es den Juden in der Diaspora geht, je rechtloser sie werden, je weniger Schutz sie finden und je mehr Unrecht sie trifft, umso größer wachsen die Chancen seiner Bestrebungen, umso mehr Anhang und Mittel kann er finden zu deren Verwirklichung. Ich will es dahingestellt sein lassen, ob der Zionist Dr. Herzl auch ein nationaler Jude war. Dr. Franz Oppenheimer und Professor Leo Kellner, die heute als zionistische Führer gelten, behaupten es selbst, daß der Herzische Zionismus keineswegs auf dem National Judentum basiere; Dr. Herzl hat stets unumwunden erklärt, daß innerhalb seiner Partei für alle nationalen politischen Schattierungen der Judenschaft Raum sei, deshalb wehrte sich Dr. Herzl mit aller Kraft gegen die Schaffungeines Parteiprogramms und konnte es mir nie verzeihen, daß ich auf dem I. Kongreß in Basel gegen seinen Willen und nachdem Herr Wolffsohn bereits einmal in der Vorbesprechung den Uebergang zur Tagesordnung über meinen Antrag durchgesetzt hattev denlioch schließlich die Einsetzung einer Programmkommission erwirkte, die dann unter Vorsitz des Dr. Nordau ein inzwischen mit biblischer Autorität ausgestattetes Rahmenprogramm verfaßt hat. In diesem Programm steht von den Beziehungen der Parteiangehörigen zu Fragen der inneren Politik nichts; es wurde daher in dem Sinne interpretiert, daß sich die Zionisten von der Teilnahme an der aktuellen Politik fernzuhalten respektive daß sie keinesfalls als Zionisten in Fragen innerer Politik einzugreifen haben. Noch vor vier Jahren, anläßlich der allgemeinen Reichsratswahlen, als die galizischen Zionisten in den Wahlkampf eintraten, haben u. a, Prof. Kellner und Herr Heinrich Steiner, die sich als die Apostel der reinen Herzischen Lehren gerierten, diese Betätigung als eine Kollision mit dem wahren Zionismus hingestellt. Das zionistische Zentralorgan in Köln hat wiederholt in halboffiziöser Form diesen Standpunkt genehmigt, als dessen Anhänger sich auch Dr. Nordau erklärt hat. Seitdem hat Prof. Kellner seine Ueberzeugung geändert und hat der jüdischen und nichtjüdischen Welt das jedenfalls interessante Schauspiel dargeboten, daß der Obmann eines zionistischen Landeskomitees im Kampfe um ein politisches Mandat den Obmann des zionistischen Klubs im Parlamente politisch und moralisch umbringen wollte. Da stand schon die „Welt", die berufen wäre, die reine Lehre ihres Meisters und Gründers zu verteidigen, auf Seiten Dr. Kellners, während das Wiener zionistische Organ dem Dr. Straucher seine Dienste lieh, die Lemberger zionistische Presse dagegen sich ganz passiv verhielt, weil sie sichs offenbar mit dem noch unsicheren Sieger nicht verderben wollte. Es liegt in dem chaotischen und nebulosen Wesen, welches die jetzige zionistische Bewegung angenommen hat, daß die Parteileitung gegenüber der innerpoliti sehen Betätigung nach wie vor eine Vogelstraußpolitik spielt. Sie vermeidet es, prinzipiell und offiziell zur Frage des Gegenwartsprogramms Stellung zu nehmen, denn sie ist zu kurzsichtig, um einzusehen, welches Unheil der Bewegung und deren Anhängern aus diesem Stillschweigen erwächst. Das Triumvirat, bestehend aus dem Holzhändler David Wolffsohn, Bankier Jakobus Kanin

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