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Neue Nationalzeitung · 1911-07-28 · Heft 15 (28.7.1911) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 15 (28.7.1911)
Date
1911-07-28
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 15 Wahl des Bureaus. Nachmittag: Bericht des Actions- Comites — Generaldebatte. Donnerstag, 10. August. Vormittag: Fortsetzung der Generaldebatte. Nachmittag: Bericht des Jüdischen Nationalfonds: Dr. M. I. Bodenheimer (Köln), Bericht über die Banken: Dr. N. Katzene 1sohn, (Libau), Debatte. F r e i ta g, 11. August Vormittag: Organisationsstatut: Referent Dr. E. Margulies (Leitmeritz), Beratung des Statuts. Nachmittag: Fortsetzung der Beratung des Statuts. Sonntag, 13. August. Vormittag: Referate über die Emigrationsfrage: Referenten Dr. N. Katzenelsohn (Libau), und Herr Leo Motzkin (Berlin) — Debatte. Nachmittag: Referat über die hebräische Sprache: Referent Herr Nahum S o k o- 1 o w, Warschau — Debatte. Referat über die Arbeit der Frau im Zionismus: Referentin Fräulein Prof. M. Schach (Paris) — Debatte. Montag, 14 August. Sitzungen der Landsmannschaften und Kommissionen. Dienstag, 15. August. Vormittag: Wahlen, Beratung des Budgets für das Verwaltungsjahr 1. Juli 1911 bis 30. Juni 1912, Schließung des Kongresses. Rußland. Der rassische Senat über den Zionismus. Petersburg, den 20. Juli. Die hiesigen Zeitungen beschäftigen sich eingehend mit der Stellungnahme des Senates zum Zionismus und diskutieren insbesondere lebhaft den Anlaß, der zu der betreffenden Debatte den Anstoß gegeben hat. Es ist bereits zwei Jahre her, daß der russische Senat sich mit der Frage beschäftigte, ob der Zionismus eine reinpolitische Bewegung sei oder nicht. Jttzt ist man sich endlich über diese Frage anscheinend schlüssig geworden, denn ein diesbezüglicher Ukas ist schon in der Arbeit. Ursprünglich ist diese Frage zum ersten Male auf Grund einer Beschwerde der Juden über den Gouverneur von Ostrolenkow im Lomscher Gouvernement angeschnitten worden. Dieser hatte nämlich die Wahl des Rabbiners Pinchas nicht bestätigt, obwohl derselbe die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigte; dies mit der Motivierung, daß die über den Kandidaten eingeholten Auskünfte besagten, er gehöre der zionistischen Organisation an. An Stelle des Rabbiners Pinchas hat nun der Gouverneur eigenmächtig den Gegenkandidaten bestätigt, der um 33 Stimmen weniger bekommen hatte. Zur Begründang seines ungesetzlichen Vorgehens fechtfertigte sich der Gouverneur mit der Abschrift eines geheimen Zirkulars, welches der verstorbene Minister Plehwe im Jahre 1903 allen Gouvernements hntte zugehen lassen. Er erteilt ihnen hierin den Befehl, Recherchen über die zionistische Organisation vorzunehmen und vorläufig jegliche Propaganda des Zionismus an öffentlichen Orten energisch zu unterdrücken, zionistische Agitationen nicht zu dulden, zionistische Versammlungen nicht zu gestatten, Geldsammlungen zu saisieren und die Aktion der jüdischen Kolonial-Bank zu konfiszieren usw. Schließlich gibt das Zirkular noch insofern bestimmte Direktiven, daß bei der Bestätigung von, für gewisse Stellen in den jüdischen Gemeinden bereits gewählter Kandidaten darauf streng zu achten ist, ob dieselben Anhänger der zionistischen Bewegung sind. Zum allerersten Male wurde diese Frage im Februar 1907 behandelt. Von 12 Senatoren haben sich damals neun für die Kassierung der Verordnung des Lomscher Gouverneurs ausgesprochen, weil ja durch das Gesetz Rabbinern nicht verboten ist, Zionisten zu sein. Die übrigen drei waren der Ansicht, der Gouverneur habe das Recht, die Wahl eines Rabbiners nicht zu bestätigen und daher sei die Beschwerde zu verwerfen. Die Folge der Meinungsverschiedenheit der Senatoren war die Abtretung dieser Frage an die erste allgemeine Kammer des Senates. Diese bestand aus 43 Senatoren und gestaltete sich das Resultat folgendermaßen : 30 Senatoren, darunter auch der Ministergehilfe des Innern Morosow, stimmten für die Abweisung der Beschwerde; 2 befürworteten die Kassierung der alten Verordnung; 11 entschieden sich weder für das das Eine noch für das Andere und wollten die Frage wieder ans erste Departement zurückgeleitet wissen. Schließlich äußerte skh auch d r Justizminkter in dieser Angelegenheit Er gestand dorn Gouverneur das Recht zu, dem Rabbiner Pinclus die Bestätigung zu verweigern. Doch habe er insoferne nicht richtig gehandelt, als er den Gegenkandidaten bestätigte, der doch in der Minorität geblieben war. Jetzt, nachdem beinahe drei Jahre darüber hinweggegangen sind und man beinahe an diese Verordnung vergessen hatte und es keinen praktischen Wert hat, über die Entscheidung des Gouverneurs im speziellen Falle zu diskutieren — jetzt gefällt es dem Minister, auf die Beschwerde überhaupt nicht zu reagieren, sondern er wird die ganze Frage im Wege eines Ukas regeln lassen. Diesen werden wir also in absehbarer Zeit bekommen und damit wird wohl das Loos der zionistischen Bewegung in Rußland entschieden werden. ^us ailcn weittCiLM Der Brand in Konstantinopel. Nach den dem Hilfsvereln der Deutschen Juden zugegangenen Nachrichten sind bei dem Brande in dem Konstantinopler Stadtteil Balat 2000 meist jüdische Häuser niedergebrannt, darunter mehrere Synagogen und Schulen. Das Elend der naeh vielen Tausenden zählenden obdachlosen jüdischen Bevölkerung ist außerordentlich groß. Zu einer Beratung über Mittel und Wege, wie der schweren Not wirksam abgeholfen werden kann, traten amMitwoch, den 26. Juli, unter dem Vorsitze des Großrabbiners sämtliche jüdische Vereine Konstäntinopels zusammen. Infolge eines dringenden Appölls aus Konstantinopel hat der Hilfsverein der Deutschen Juden angesichts des großen Unglücks eine öffentliche Sammlung eingeleitet, um gemeinsam mit den übrigen jüdischen Institutionen eine rasche und zweckmäßige Hilfsaktion zu ermöglichen. Rabbiner Abraham Solowejtschik in Smolensk, einer der hervorragendsten Rabbiner Rußlands, ist gestorben. Er war ein Sohn des berühmten Graon, Rabbi Josef Beer aus Brest. Die luden in Marokko leiden noch immer unter den schrecklichsten Verfolgungen. Die Alliance hat dieser Tage 5000 Franken nach Fez und 3000 Franken nach Mequinez geschickt zur Unterstützung der dortigen Juden, welche unter den gegenwärtigen. politischen Ereignissen viel zu leiden haben. Namentlich befinden sich die Juden

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