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Neue Nationalzeitung · 1911-07-28 · Heft 15 (28.7.1911) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 15 (28.7.1911)
Date
1911-07-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15 Neue National-Zeitung" Seite 5 Dp. Adolf Gross schützt den Statthalter. Der Abgeordnete des Krakauer Juden vierteis mausert sich. Der ehemals „Unabhängige" findet sich sehr rasch in die Moschko-Rolle hinein. Dem Korrespondenten des Krakauer „Kuryer Codzienny" erklärte er folgendes: „Ich denke, daß die Diskussion über Drohobycz den Sturz Bobrzynskis nicht herbeiführen wird. Weder im Antrage der Sozialisten noch des Polenklubs ist eine Tendenz, ist eine Spitze gpgen den Statthalter enthalten. Denn der Statthalter — kalkulierte spitzfindig der „Unabhängige" — „hat nur dadurch gefehlt, daß er nicht sofort nach der Schießerei di-n Bezirkshauptmann und den Kommissär suspendiert hat. Es ist ja schwer anzunehmen, daß Dr. Bobrzynski bei den unbeholfenen Wahlschwindeleien in Drohobycz seine Hände im Spiele hatte." . . . Dr. Groß wird im Polenklub hoffentlich Karriere machen. * * * Die jüdischen Viehhändler in Argentinien. Der christlichsoziale Abgeordnete Dr. Jerabek hat einen Schlager gefunden, um den ihn gewiß alle seine Parteigenoss« n beneiden. Er hat entdeckt, d.»ß an der allgemeinen Fleischteuerung die jüdischen Viehhändler in Argentinien Schuld tragen. Zwar gibt es in Argentinien keine jüdischen Viehhändler, aber das ist für den neugebackenen christlichsozialen Abgeordneten gleichgültig. Er dürfte aber kaum auf seine Rechnung kommen. Die Niederlage der Christlichsozialen in Wien hat bewiesen, daß der Schwindel mit dem jüdischen Zwischenhandel nicht mehr zieht; der christlichsoziale Wähler »frißt das nicht", um im Jargon Bielohlaweks zu sprechen. Dr. Jerabek ist ein bischen zu spät ins Parlament gekommen; die christlichen Wähler lassen sich in puncto Fleischteuerung nicht mehr beschwindeln. Da hilft auch der neue Schlager nicht. Die Hetzrede des Dr. Jerabek gegen die Juden hat bei zahlreichen Mitgliedern des Deutschen Nationalverbandes stürmischen Beifall gefunden. Das ist der Verband, den die „Neue Freie Presse" als fortschrittlich, freiheitlich, freisinnig proklamiert .... DIE JÜDISCHE EniQRdTION. Die Abnahme der nordamerikanischen Einwanderung. Am 30. Juni beendete das nordamerikanische Einwanderungsamt sein Arbeitsjahr und die aus diesem Anlasse veröffentlichten Daten beweisen recht anschaulich nicht mu> die Ohikanen auf Ellis-Island, sondern auch die Abnahme der Einwanderungsziffern. Während im vorletzten Jahre 12.917 Einwanderer keinen Einlaß gefunden haben, ist deren Zahl im letzten Jahre auf 17.789 gestiegen. Die Monate April bis- Juni 1911 weisen gegenüber den gleichen Monaten des Jahres 1910 einen auffallenden Rückgang auf. Im April 1910 sind eingewandert 118.200, dagegen im April 1911 — 83.575 Personen, im Juni 1910 — 85.216, dagegen im Juni 1911 — 57.017. Es saheint, daß trotz aller Proteste von jüdischer Seite: und von Seiten der ganzen fremdsprachigen Presse in Nordamerika die Stellung des Einwanderungsinspektors Williams eine unerschütterliche ist; er entspricht offenbar den Intentionen seiner Vorgesetzten. Jüdische Emigration ans Oesterreich-Ungarn. Nach der „Statistischen Monatschrift" wanderten aus Oesterreich-Ungarn in den Jahren 1901/09 139.669 Juden nach den Vereinigten Staaten von Amerika aus. Da die Gesamtauswanderung aus Oesterreich-Ungarn in den genannten Jahren 1,887.238 beträgt, so stellen die Juden hiezu ein erhebliches Kontingent, das ihren Anteil an der Bevölkerung weit übersteigt. An mitgebrachten Barmitteln enthielten pro Kopf und Jahr 1901 bis 1904 durchschnittlieh 20-43 Dollar, dagegen 1904 bis 1908 nur 16-11 Dollar, dieser Rückgang ist deswegen besonders bemerkenswert, da sich bei den meisten andern einwandernden Nationen eine Erhöhung der Quote konstatieren läßt. * * * jüdische Emigrationskonferenz in New-York. Die New-Yorker jüdische Einwanderungsgesellschaft „Hebrew Imigrant Aid Society" hat an sämtliche jüdische Einwanderungsgesellschaften eine Einladung zw einer Konferenz ergehen lassen, in welcher wichtige Reformen auf dem Ofebiete des Emigrantenschutzes beraten werden sollen. Die Konferenz wird Ende Juli in New-York stattfinden. * * Eine Deputation an Jakob Sehitf. Die vor einigen Wochen in Petersburg abgehaltene Konferenz zur Regelung der jüdischen Emigrationsfrage hat den Beschluß gefaßt, eine Deputation ins Ausland zu senden, damit sich dieselbe mit den flilfsvereinen-, resp. mit dem Millionär Jakob Schiff aus New-York, der sich derzeit in Frankfurt a. M. aufhält, ins Einvernehmen setze. Wie der „Fraind" berichtet, hat Jakob Schiff die Deputation empfangen und sich ablehnend gegenüber dem Emigrationskongreß ausgesprochen, da derselbe die jüdische Emigration nach Amerika schädigen könnte. Wie dasselbe Blatt meldet, hat die Deputation überhaupt nirgends

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