Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 15 (28.7.1911)
- Date
- 1911-07-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 „Neue National-Zeitung" Nr. 15 44.192, 1903 65.911, 1905 109.353, 1907 144.249, 1909 173.567, 1910 mehr als 180.000 Stück Vieh. Moisesville, welches vor zehn Jahren z.B. 1913 Pferde und 6310 Stück Bindvieh besaß, zählte im Jahre 1910 mehr als 12.000 Pferde und mehr als 35.000 Stück Eindvieh. Der Totalwert der im Jahre 1909 in unseren Kolonien erzieltenErnten betrug 3,686.046Dollar(8,109.30r20 Francs). Diese Ziffer ist im letzten Jahre noch übertroffen worden. Aber andere Eechnungsauszüge werden uns noch sicherer den Grad von Wohlstand würdigen lassen, den unsere Kolonien erreicht haben. Die Abzahlungen der von unserer Gesellschaft gewährten Darlehen betrugen im Jahre 1896 1724-21 Dollar, 1899 21.62512 Dollar, 1901 113.858 61, bis schließlich ein Herabsinken der Ziffern bemerkbar wird. Erst im Jahre 1905 beginnt die Abzahlungsziffer wieder zu steigen: Im Jahre 1905 211.261-08 Dollar, 1906 279.536-27 DoUar, 1908 399.638*46 Dollar, 1909 499.338-08 Dollar, 1910 538.429 43 Dollar. Diese Ziffern zeigen durch ihr ständiges Anwachsen von Jahr zu Jahr, daß die Zeit des Herumtappens vorüber ist, und daß die Ansiedler arbeiten und ihre Substistenzmittel dem von ihnen bebauten Boden verdanken. Leute, die gewöhnt waren, regelmäßig Unterstützungsgelder zu empfangen und die sich wenig um die Zurückerstattung ihrer Schulden kümmerten, sind eifrige Abzahler geworden. Im vollen Bewußtsein ihrer neuen Würde kennen sie ihre Eechte und Pflichten. Ueberau in den Kolonien kann man wahrnehmen, wie sich Bildung und Solidarität entfalten. Dank unseres stetigen Protektorats haben sich auch die Schulen vervielfacht, was aus folgendem Auszug ersichtlich ist: Es gab im Jahre 1897 4 Schulen mit 4 Lehrern, 1901 20 Schulen mit 45 Lehrern, 1903 22 Schulen mit 60 Lehrern, 1906 28 Schulen mit 71 Lehrern, 1908 37 Schulen mit 109 Lehrern, 1909 44 Schulen mit 130 Lehrern, 1910 50 Schulen mit 155 Lehrern. Die Zahl der Schüler hat noch in größerem Maße zugenommen. Es wurden gezählt: Im Jahre 1897 350 Schüler, 1902 1400 Schüler, 1906 1779 Schüler, 1908 2529 Schüler, 1909 3083 Schüler, 1910 3538 Schüler. Trotz dieser Fortschritte, trotz der ständigen Entwicklung der mitwirkenden Vereine, der sozialen Einrichtungen aUer Art, trotz des Wohlstandes zahlreicher Ansiedler mangelt es nicht an Unzufriedenen. Von letzteren bemühen sich einige in den verschiedenen Zentren eine gewisse Agitation zu betreiben. Es dürfte interessant sein, hier eine der Ursachen der Unruhen aufzudecken. Mehrere Pflanzer von Mauricio haben unsere Gesellschaft schon vor einiger Zeit gebeten, ihnen das Eigentumsrecht ihrer Terrains durch Vorausbezahlung der noch nicht fälligen, jährlich abzuzahlenden Darlehen zu gewähren. Gemäß des früher mit den Pflanzern vereinbarten Kontraktes haben die Kolonisten im Laufe von 20 Jahren ihre Schulden an die GeseUschaft abzutragen, und eine früher als nötig geleistete Zahlung darf nur mit unserer Einwilligung stattfinden. Diese Klausel ist, wie man leicht erraten kann, deswegen dem Kontrakte beigefügt, um die Kolonisten zü verhindern, aus den ausgebauten Terrains Spekulationsobjekte zu machen. Wir haben das Bewußtsein, eine Pflicht erfüUt zu haben, wenn wir uns bemühen, den Kindern der Kolonisten die Wohltaten des Landlebens auf dem Eigentum zu sichern, das ihre Eltern von unserer GeseUschaft zu sehr mäßigen Preisen erworben haben. Wir haben uns in unseren Vermutungen nicht getäuscht und der Beweis dafür ist, daß der inzwischen sehr gestiegene Wert des Bodens die Hauptursaehe der gegen uns betriebenen Agitation ist. So beeinflußt man die Kolonisten, ihr Eigentumsrecht zu erlangen, indem man ihnen das zur Vorausbezahlung der Jahresschulden erforderliche Kapital vorstrecken will. Wir kennen nicht die Bedingungen, die man den Kolonisten stellt, aber es ist wohl anzunehmen, daß sie nicht allzu günstig für die letzteren sind. Sind erst einmal ihre Grundstücke verkauft oder verschuldet, dann wird ein großer Teil der israeUtischen Landleute sich wieder in die Städte zurückziehen und Handel betreiben. Ihre mühevolle Arbeit von 20 Jahren würde wie unsere Anstrengungen vergebens gewesen sein. Um die Kolonisten von Mauricio vor den Spekulanten zu schützen, haben wir ihnen größere Zuschüsse gewährt, damit sie noch mehr Vieh kaufen und so die großen Luzernenfelder ausnützen können, deren Ausbeute äußerst vorteilhaft ist. Wir glauben bei der ernsten Frage einer definitiven Abtretung des erworbenen Bodens vor dem festgesetzten Termin auf unserem Standpunkt beharren zu müssen. Wie bereits bemerkt, ist der Mehrwert zahlreicher Gebiete sehr beträchtlich. Die Kolonisten haben die Immobilien zu sehr mäßigen Preisen erworben und zu wiederholten Malen haben wir ihnen ganz erhebliche Vorschüsse gewährt. Es ist unsere Pflicht, die Kolonisten zu hindern, den trügerischen Vorspiegelungen nachzugeben, die man ihnen macht, um sie ihres Bodens zu enteignen. Ihre Arbeit hat ihren Besitz Früchte tragen lassen, deren sie und ihre Kinder sich freuen sollen und nicht diese Spekulanten, die sie vom Wege abbringen wollen, den selbst zu betreten die Erfolge der Kolonisten sie veranlassen. Die allgemeine Lage erscheint, wenn auch noch nicht vollkommen, so doch günstig. Sie immer mehr zu verbessern, wird in der Zukunft auch von den Kolonisten abhängen, die sicherlich vermöge der von uns lange eingeführten Selbstverwaltung, der Kolonien die besten Maßregeln dazu treffen werden. PdRL/inENT. Der Massenmord in Drohobycz. SeCris Dringlichkeitsanträge über den Massenmord in Drohobycz stehen auf der Tagesordnung des Parlaments. Am 25. d. H. hat die Debatte begonnen und da sie nur an Nachmittagen geführt wird, so wird sie wohl noch einige Tage andauern. Die Dringlichkeit und die Anträge dürften vom Abgeordnetenhause angenommen werden, da ja der Polenklub selbst unter den Antragstellern sich befindet. Das ist aber auch der beste Beweis, daß praktisch nicht viel herausschaut. Die Regierung wird aufgefordert, die Schuldigen zu eruieren und zu strafen. Wer ist in Galizien die Regierung? Herr Dr. Bobrzynski, den merkwürdiger Weise alle Antragsteller und auch der sozialistische Hauptredner, Dr. Diamaud, kaum gestreift haben. Und Dr. Bobrzynski, der böse Geist der galizischen Wahlen, wird suchen, sogar sehr energisch suchen. Ob er aber finden wird, das ist sehr zweifelhaft. Konform mit den in der Protest Versammlung des „Wiener Verbandes der östlichen Juden" gefaßten Beschlüssen verlangen die Antragsteller eine staatliche Subvention für die Hinterbliebenen der Ermordeten und für die Verletzten. Hoffentlich wird die .Zentralregierung wenigstens nach dieser Richtung den guten Willen zeigen, wenn ihr gegenüber dem Dr. Bobrzynski Energie fehlt. Sehr bezeichnend ist es, daß die Debatte dm (Parlamente unter träger Teilnahmslosigkeit vor sich geht. Die Mehrheit betrachtet offenbar die Abschlachtung ivon 26Menschen inDröhobycz als eine „rein galizischeSache".