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Neue Nationalzeitung · 1911-07-28 · Heft 15 (28.7.1911) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 15 (28.7.1911)
Date
1911-07-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15 „Neue National-Zeitung" Seite 3 würdige und freie Männer zu machen, sondern er hat der ganzen Welt bewiesen, daß der Jude trotz aller durch unmenschliche Behandlung erfolgten Degradierung und Unterdrückung ein tüchtiger, intelligenter Arbeiter werden kann, der sich mit derselben Energie, mit der er den Handel und die Industrie beherrscht, auch dem Ackerbau zuwenden kann. "Wir sind zu der Ueberzeugung gelangt, daß die kritische Beweisperiode der Gründung jüdischer Kolonien in Südamerika beendet ist. "Wir wollen uns hier auf die Aufgabe beschränken, die Geschichte dieser Zeit uns noch einmal zu vergegenwärtigen, indem wir zu gleicher Zeit auf den Jahresbericht von 191Ü hinweisen, der ein Gesamtbild unserer in so verschiedenen Formen auftretenden Tätigkeit gibt. Es sind jetzt genau zwanzig Jahre her, daß die ersten Gruppen zum Zwecke der Kolonisation in Argentinien Europa verließen. Unsere Gesellschaft existierte damals noch nicht, doch hatte Herr Baron Hirsch damals schon den Entschluß sie zu gründen gefaßt. Er hatte bereits eine Kommission nach Argentinien geschickt, die beauftragt war, die Bedingungen zu prüfen, welche das Land bot und das nötige Terrain zu erwerben. Man sah voraus, daß man mindestens ein Jahr der Vorbereitung bedürfen werde. Als aber im Sommer 1891 die Ausweisungen der Juden aus Eußland eine Menge Israeliten an die Grenzen Deutschlands und Oesterreichs führten, wandten sich die Grenzkomitees an den Baron Hirsch mit der Bitte, diese Emigranten nach Argentinien zu senden. Noch war nichts zu ihrer Aufnahme vorbereitet. Trotzdem sah sich Herr Baron Hirsch genötigt, den dringenden Bitten nachzugeben. Am 5. Juni 1891 wurden einige hundert Auswanderer in Hamburg eingeschifft. Andere Abteilungen folgten und schließlich ließ man 800 Personen abreisen, die man unter den vielen sich in Konstantinopel aufhaltenden Flüchtlingen ausgewählt hatte. Am Ende des Jahres 1891 zählte man ungefähr 2200 nach Argentinien expedierte Emigranten. Strenge Anweisungen hatte man den Komitees betreffs der Auswahl von Emigranten gegeben; nur mit dem Ackerbau vertraute Personen sollten zur Auswanderung bestimmt werden. Indessen gab es unter den Auswanderern nur wenige, die sich eine richtige Vorstellung von der Art ihrer neuen Beschäftigung machten. Man kann wohl sagen, daß diese Ignoranz auf dem Gebiete des Ackerbaues und der Landwirtschaft eine der Hauptursachen für die großen Schwierigkeiten bildete, die sich der Entfaltung des "Werkes in den Weg gestellt haben. Eine große Anzahl der ersten Ansiedler, abgeschreckt durch die Schwierigkeiten ihrer neuen Existenz und nicht den nötigen Anhaltspunkt bei den Verwaltern der Kolonien findend, hatte das neue Land schon nach kurzer Zeit ihre Ankunft verlassen. Im September 1891 befestigte Baron Hirsch sein Werk, indem er die „Jewish Colonization Assoziation" gründete, die bei Lebzeiten ihres Schöpfers keineswegs mehr bedeutete als nur den Namen. Erst nach dem im April. 1896 erfolgten Tode des Barons Hirsch wurde der gegenwärtige Ausschuß konstituiert. Die sehr mittelmäßigen Eesultate, die im Laufe der ersten Existenzperiode des Werkes erzielt wurden, hatten seinen Begründer fast entmutigt. Den Ansiedlern sowohl als auch denjenigen, die ihnen an Ort und Stelle als Beistand dienen sollten, schien es an den zum Eeüssieren notwendigen Eigenschaften zu mangeln. Man suchte nun eine bessere Zukunft anzubahnen, indem man bei der Auswahl der Emigranten noch vorsichtiger zu Werke ging und selbst in Eußland nur solchen Familien zur Auswanderung verhalf, die mit der Landwirtschaft vollkommen vertraut waren. Ihnen bot man Terrains von genügenden Dirnen sionen an., Eswürde verfrühtsein, zu behaupten, daß alle in das Unternehmen gesetzten Hoffnungen sich schon verwirklichthätten. Jedoch kann man einen sehr beträchtlichen Fortschritt konstatieren. Folgende Tatsachen, welche eine ständige Zunahme der Bevölkerung sowie die materielle Entwicklung der Kolonien zeigen, beweisen, daß man der Zukunft mit Euhe entgegensehen kann und das Werk seinen normalen Verlauf nimmt. Unsere Kolonien, in den drei Grenzen Argentiniens: Buenos-Ayres, Entre Eios und Santa Fe gelegen, erstrecken sich über mehr als eine halbe Million Hektar und waren am 30. September 1910 von 3777 Familien bewohnt, die 20115 Seelen zählten. Die verschiedenen Zentren haben sich langsam entwickelt, und zwar in dem Maße, wie der Erfolg des Unternehmens sich behauptete. Am Ende des Jahres 1897 nahm die Bevölkerung der Kolonien um 7015 Seelen also um ein Drittel der heutigen Bevölkerung zu; am Ende des Jahres 1901 zählte man dagegen nur noch 7551 Einwohner und im Jahre 1903 7711 Seelen. Von diesem Zeitpunkt ab macht sich wieder ein Steigen der Bevölkerungsziffer bemerkbar; 11.974 Einwohner im Jahre 1906, 15.771 Einwohner im Jahre 1908, 19.361 Einwohner am 31. Dezember 1909. Diese Zahlen zeigen nicht nur den ständigen Fortschritt unserer Kolonien im Laufe der letzten zehn Jahre. Sie beweisen augenscheinlich, daß die Zunahme ihrer Bevölkerung nicht das Eesultat einer künstlichen Bewegung ist, da sie die ausscheidenden Kolonisten fortwährend durch neue ersetzt. Die 2103 Kolonisten vom Jahre 1910 bilden mit ihren Familien eine Bevölkerung von 14.289 Seelen, aber daneben leben noch 1205 andere Familien mit 6826 Seelen, welche die Eeise auf ihre eigenen Kosten unternommen haben, ohne daß ihnen unserseits irgendeine Hilfe versprochen oder gewährt wurde und die ihren Lebensunterhalt durch Landarbeit in unseren Kolonien verdienen. Die Zahl dieser Landleute wird mit jedem Jahre größer. Im Jahre 1904 betrug sie 836 (mit Frauen und Kindern). Im Jahre 1905 zählte man bereits 2195 dieser Leute. Am Ende des Jahres 19 7 bildeten sie 546 Familien mit 3065 Seelen, im Jahre 1909 bildeten sie 1054 Familien mit 4954 Seelen. Wir haben oben bereits ihre Bevölkerungsziffer vom Jahre 1910 erwähnt. Dieses regelmäßige Anwachsen der Ziffern erklärt sich durch die ständige Vergrößerung des bebauten Bodens und des Vermögens der Kolonien. Im Jahre 1897 hatten die Ackerbauer von Moisesville, von Mauricio und von Clara 40.854 ha Land in Arbeit genommen. Diese Zahl stieg allmählich mit mehr oder weniger Schwankungen bis zum Jahre 1903, in welchem 52.489 ha Boden in Betrieb genommen wurden. Dieser Fortschritt nimmt immer mehr zu. Von Jahr zu Jahr kann man Neuwerbungen von 10, 20 und selbst von 40.000 ha konstatieren. Nur einmal 1906 findet eine Unterbrechung statt, um folgendermaßen wieder mit den Neuwerbungen fortzusetzen: Im Jahre 1904 61.848 ha, 1905 80.452 ha, 1906 58.423 ha, 1907 64.433 ha, 1908 84.507 ha, 1909 103.060 ha, 1910 144.320 ha. Demzufolge vermehrt sich auch der Ertrag des Bodens zusehends. Im Jahre 1904 108.055, 1905 238.113, 1906 222.228, 1907 225.454, 1909 270.132 Zentner Getreide; 1905 50.742, 1909 96.459 Zentner Flachs; 1905 57.626, 1909 108.921 Zentner Mais usw. Der den Kolonisten zur Verfügung stehende Viehbestand hat sich ebenfalls vergrößert, besonders haben die Schafherden zugenommen. Einige Ziffern ergeben den Beweis. Die Ackerbauer unserer Kolonien besaßen: 1901 im ganzen

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