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Neue Nationalzeitung · 1911-07-14 · Heft 14 (14.7.1911) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 14 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 14 Die „Ungarische Wochenschrift" über den „Judischen Klub". Unter dem Titel „Das Ende des jüdischen Reichsratsklubs" veröffentlicht die zionistische »Ungarische Wochenschrift" folgenden Nachruf: „Er ist nicht mehr! Es war ein kurzer Sommernaehtstraum. Als der „Jüdische Klub des österreichischen Eeiehsrates" auf dem Plane erschien, betrug die Zahl seiner Mitglieder vier. Wahrlich nicht „k'neged arbooh bonim", nicht den „vier Söhnen" der Hagadah entsprechend; denn weise („chacham") und manchmal auch naiv („tarn") waren sie wohl alle vier, einen Boshaften („roschoh") und Unwissenden („scheejno jodea lisch'ol") aber gab es unter ihnen gewiß nicht. Groß war die Freude darob, daß vier Zionisten im österreichischen Eeichsrat Sitz und Stimme haben. Die Gegner des Zionismus jedoch verzogen tadelnd den Mund: „Was haben Zionisten im Eeiehsrat zu suchen?" Auch Unparteiische gab es, die diese Frage stellten, die aber dennoch im Stillen ihre Freude an der Tatsache selbst hatten. Da trat aber ein trauriges Ereignis ein. Eines der Mitglieder, Dr. Gabel, ist mit Tod abgegangen. Das reelle Leben kennt jedoch keine Empfindelei; es rechnet nach den unerbittlichen Segeln der Mathematik: „1 von 4 bleiben 3". Und mit ebenso grausamer Nüchternheit müssen wir jetzt nach den jüngsten Wahlen rechnen, daß von den dreien zwei durchgefallen sind, somit nur ein einziger bleibt. „Tres taciunt collegium", aber ein Zionist kann keinen Klub bilden. Im Grunde genommen war jedoch dieser „Jüdische Klub" selbst während seines vollzähligen Bestandes kein Kind der Zukunft, er berechtigte zu gar keinen Hoffnungen. Straucher war ein tüchtiger Volksagitator und eine Lokalgröße in Czernowitz: das bleibt er auch weiter. Dr. Gabel ist ja gestorben. Blieben noch Stand aus Lemberg und Dr. M a h 1 e r aus Prag, die aber deshalb nicht wiedergewählt wurden, weil der Abschluß eines Kompromisses mit den Euthenen nicht zustande kam. (?) Kurz: Der jüdische Eeichsratsklub ist nicht mehr. Seinem Denkstein sollte man die Inschrift eingravieren: „Hier ruht, der viel wollte, aber wenig konnte!" ItCRHISSPCNDSNZCN Oesterreich-Ungarn, Das Reichsgericht gegen die jüdische Sprache. Wien, den 11. Juli. Mit der gestrigen Entscheidung, daß die jüdische Sprache nicht als Umgangssprache, sondern als „eine Art Lokalsprache" anzusehen sei, hatdas Reichsgericht dieünverrüekbarkeitseines Standpunktes dargelegt. Die gjlizischen Juden, die keine andere Sprache verstehen, sprechen und schreiben, werden also mit Recht gestraft, wenn sie nicht eine andere Sprache als ihre Muttersprache angeben. Das ist die Logik des Reichsgerichtes. Diesmal hat den Vorsitz nicht Dr. U n g e r, sondern Dr. v. G r a b m a y r geführt. Der Geist Ungers und die von ihm bereits gefällte Entscheidung haben aber auch diesmal das Reichsgericht beherrscht — nicht zum Vorteile des Rechtes und der Gerechtigkeit. Das gestern publizierte Erkenntnis des Reichsgerichtes hat folgenden Tenor: „Durch die angefochtenen Straferkenntnisse hat eine Verletzung des den Beschwerdeführern im Artikel 19 des Staatsgrundgesetzes gewährleisteten Eechtes auf Wahrung ihrer Sprache nicht stattgefunden." Die Beschwerden wurden ferner, soweit in diesen vom Eeichsgerichte die Aufhebung der Straferkenntnisse verlangt wurde, als unzulässig zurückgewiesen. In den umfangreichen Gründen des Erkenntnisses wurde betont, daß den Beschwerdeführern nicht das Eecht zusteht, die erwähnte Ministerialverordnung vom 20. Dezember 1910 an sich zu bekämpfen. Die Frage, ob die jüdische Sprache als Umgangssprache, als Sprache eines Volksstainmes anzusehen ist, wurde verneint. Die sogenannte jüdische Sprache, eine Art Lokalspraehe, ein Dialekt, erklärt das Eeichsgericht, ist keine Sprache, die von allen Juden und allenthalben speziell in Oesterreich, dem Geltungsgebiete des Staatsgrundgesetzes, gesprochen wird. Selbst in Galizien und in der Bukowina wird die jüdische Sprache nicht von der ganzen Judenschaft als Umgangssprache angesehen. In die Frage, ob die Juden als Volksstamm anzusehen sind, ging das Eeichsgericht nicht ein, da es sieh nur um eine angebliche Verletzung des Eechtes auf Wahrung und Pflege der jüdischen Sprache, nicht aber der Nationalität handelte. Rußland. Die Entlarvung der Blutlügner. Petersburg. Mit der Kiewer Eitualmord-Affäre wird es voraussichtlich bald aus sein. Denn jetzt kommt eine Nachricht, die den hetzerischen Pogromgeistern wenigstens nach dieser Eichtung hin das Handwerk legen wird. Die neuerdings mit großer Energie wieder aufgenommene Voruntersuchung hat vorläufig das Ergebnis gezeitigt, daß die Ermordung des unglückseligen Knaben Justsehinsky als das Werk seines Stiefvaters und eines Verwandten Njeschinsky feststeht. Eigentlich war der Verdacht der Täterschaft von vornherein auf die Nächsten Justsehinskj's gefallen, und sie wurden damals, bald nach der Auffindung der Leiche, auch festgenommen. Da griffen „u n b ekannte Personen von hohem Einfluß" in die Angelegenheit ein und bewirkten die Freilassung der verbrecherischen Sippe. Zugleich damit brach eine frevelhafte Agitation gegen die Kiewer Juden los, eine Agitation, die vor keiner bewußten Lüge zurückscheute und zu Judenniassakres mahnte. Kein anderer als die Juden seien schuld am Tode Justsehinskys, hieß es in den Zeitungen, in speziellen Proklamationen, in Eeden, und die jüdische Gesamtheit müsse das zu rituellen Zwecken begangene Verbrechen büßen. In Kiew, wo die Pogrom-Instinkte besonders ausgebildet sind, fand die allzubekannte und bewährte Sprache beim Mob schnell einen starken Widerhall und rief unter den Juden eine ungewöhnliche Panik hervor. Die Panik verstärkte sich noch, als die „echtrussische" Gruppe von Mitgliedern der Duma eine Interpellation über die angebliche Eitualmordaffäre einbrachte und sie in der Kammer mit den schlimmsten Pogromreden begründete. Es war nun für die Bedrohten eine wahrhafte Erlösung, als die ausländische Presse der gefährlichen Affäre eine gewisse Aufmerksamkeit zuwandte und die niederträchtigen Pogrom-Bestrebungen rechtzeitig festnagelte. Selbst die Stolypinsche Eegierung sah sich durch die beschämenden Hinweise des Auslandes gezwungen, dem Treiben

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