Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 14 (14.7.1911)
- Date
- 1911-07-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 „Neue Nationai-Zeitung" Seite 7 gebaut ist, guigeheißen. Die jüdischen Genossen sind aus der polnischen Organisation ausgeschieden. Herrn Dr. Dia'mand, der so gern den Mitgliedern des Polenklubs mit seinem Patriotismus Konkurrenz machte, muß dieser Entschluß nicht leicht gefallen sein. Aber es galt eine Nationalität einzutauschen für ein Mandat .... Wie kommt es, daß Dr. Diamand plötzlich als Obmann des polnisch-italienischen Sozialisten-Verbandes vor dem Ministerpräsidenten erscheint? Wir dürften doch eher erwarten, daß Dr. Liebermann und Dr. Diamand im Parlamente für die Anerkennung der jüdischen Nationalität und der jüdischen Sprache eintreten werden. . . . * * * Zur Wahlniederlage der galizischen Zionisten. Das Organ der Wiener Zionisten zerbricht sich den Kopf über die Ursachen der Niederlage der Klique Stand-Zipper und bestätigt in seiner letzten Nummer alles das, was wir bereiis vor dem traurigen Wahlausgange festgestellt haben: daß nämlich die Unfähigkeit und das Strebertum der Führer die Wahlcampagne von vorneherein zu einer aussichtslosen machte. Das Wiener Zionistenblatt sagt in einem Artikel „Rückblick auf die galizischen Wahlen" dasselbe, nur mit anderen Worten. Wir lesen: „Wer trägt die Schuld? Die Zeit ist viel zu ernst und die Zukunft unserer Partei ist zu heilig, als daß wir uns in diesem Momente eine Büeksiclitnaliine auf Freunde und freundschaftliche Gefühle gestatten dürften. So muß denn die Antwort auf die Schuldfrage hart klingen: Die Gesinnungsgenossen, denen die Führung der galizischen Organisation anvertraut war, sind ihrer Aufgabe nicht gerecht worden. Der Geist, der die Wählermassen beseelte, war ein großer und guter Geist. Der Geist, in welchem geführt wurde, war klein." „Der ehrliche, naive jüdische Nationalismus muß sich zu dem korruptesten aller Regierungssysteme, zum galizischen, und zu diesem elendsten aller Parteiengebilde, zum Polenklub, verhalten, wie das Feuer zum Wasser. Unsere galizischen Separatpolitiker aber g 1 a u b t en, den Uebergang gefunden zu habe n. Sie unterhandelten mit den „Offiziellen", gingen in Verabredungen ein auf „Treu und Glauben". Sie ließen sich „reine" Wahlen in 0 s t g a 1 i z i e n zusichern und gaben dafür die Kandidaturen in Westgalien auf. Wir „naive" Wiener, die man nicht befragt hat, die sich in Galizien so „absolut" nicht auskennen, warnten davor, über 10.000 jüdischnationale Stimmen unverantwortlicherweise wegzuwerfen. Es geschah dennoch." „Es wäre zwecklos, alle geübten Mißgriffe, wie: die Besetzung von vier und mehr Wahlkreisen mit einem Kandidaten, die Verzögerung der Proklamation d e r K a n d i d a t u r e n u. a. ausführlich zu besprechen." Das Wiener zionistische Organ geht noch weiter und gibt für die Niederlage eine Ursache an, die bei jedem Kenner der Verhältnisse nur ein mitleidiges Achselzucken auslösen muß; Achselzucken und Mitleid für den Größenwahn, von dem gewisse junge Herren besessen sind. An der zionistischen Niederlage in Galizien soll nach Ansicht des Artikelschreibers der „hohleghettomäßige Separatismus" der galizischen Zionisten Schuld tragen, die im Jahre 1908 die gesamte österreichische Organisation »mit dem kleinlichen Schlagworte von den spezifisch-galizischen Interessen frivol zerschlagen" haben. „Sie (die westlichen Gesinnungsgenossen), die ihre Tüchtigkeit und Opferwilligkeit unzähligemale bewiesen haben, wurden zuHandlungen erniedrigt, die man gelegentlich zu Demonstrationen heranzieht, aber von Beratungen und Beschließungen fernhält." Also, hinc illae laerimae! General Zipper hat seinen Feldzugsplan ohne die Wiener Generale fertig gemacht, die Konzipientchen des zionistischen Zentralkomitees in Lemberg haben die Mandate nur unter sich verteilt und Herr Abg. Stand hat dem Statthalter Bobrcynski die „Wiener Datschen" hingeworfen — um sich zu retten. Für die Hintermänner des Zionistenblattes Grund genug, zu grollen. Aber die Herren mögen sich trösten. Auch sie hätten die Suppe nicht fett gemacht. Was Stand, Zipper und Genossen fehlt — politische Schulung, Organisationsfähigkeit, der große Schwung, das haben die Kritiker von der Türkenstrasse selbst nicht. Also, wozu die Aufregung? * * * „Jüdische Abgeordnete". Wir erhalten von den sozialdemokratischen Abgeordneten und Redakteuren der „Arbeiter-Zeitung", den Herren Karl Leuthner und Max Winter nachstehende Zuschrift: Löbliche Redaktion! Wir ersuchen um Aufnahme folgender Berichtigung : Sie nennen uns in Ihrer Nummer vom 30. Juni jüdische Abgeordnete. Sie sind in einem Irrtum. Es ist zwar nach unserer Ueberzeugung vollständig gleichgillig, welcher Konfession ein Abgeordneter angehört, aber in Ihrem Leserkreise scheint diese Anschauung nicht allgemein zu sein. Damit sich nun Ihre Leser keine falsche Auffassung bilden, ersuchen wir Sie, Ihre Mitteilung dahin richtig zu stellen, daß wir weder Juden sind, noch von Juden abstammen. Wien, am 6. Juli 1911. Achtungsvoll Karl Leuthner. Max Winter. Eine gleichlautende Erklärung hat uns auch der sozialdemokratische Abgeordnete Herr Dominik L ö w zugeschickt. Annierknng der Redaktion. Für die Einsender dieser Briefe mag es wohl gleichgillig sein, welcher Konfession ein Abgeordneter angehört. Mit Recht müssen sie aber zugeben, daß in unserem Leserkreise diese Anschauung nicht allgemein ist. Es liegt im eminenten Interesse der jüdischen Staatsbürger, daß sie im Parlamente durch jüdische, allerdings selbstbewußte jüdische Abgeordnete verlreten sind. So lange die sozialdemokratischen, ebenso wie die deutschfreisinnigen Abgeordneten den politischen Postulaten (vollständige Durchführung der Gleichberechtigung usw.) sowie den wirtschaftlichen Postulaten der Judenschaft (Einschränkung der Sonntagsruhe und Hilfsaktion für das jüdische Proletariat in Galizien usw.) teilnahmslos gegenüberstehen, kann es den Juden, um mit den Herren Leuthner und Winter zu sprechen, nicht vollständig gleichgiltig sein, welcher Konfession ein Abgeordneter angehört.