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Neue Nationalzeitung · 1911-07-14 · Heft 14 (14.7.1911) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 14 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „Neue National-2eitung'* Nr. 14 zur Wahlzeit jüdisch-national sich nennendes Zentralkomitee, kurz, diese das Judentum allein seligmachende Gesellschaft hat mangels politisch reifer Köpfe, im Banne von Egoismus und Streberei es unterlassen, in oberwähntem Sinne das jüdische Volk weiterhin zu erziehen. Die Unfruchtbarkeit des seligen jüdischen Klubs einerseits, die verhetzende Arbeit der galizischen zionistischen Presse andererseits, riefen eine Apathie gegen diese zionistisch-jüdisch-nationalen Politiker hervor, insbesondere gegen deren „Aufklärungsarbeit". Es mußte das eintreten, was die jetzigen Wahlen bestätigten. Denn eine Partei, die keine Schaffenskraft entfaltet und ihre ganze Tätigkeit in der Entfachung von Fanatismus erschöpft kann sich nur kurze Zeit behaupten. Es ist nicht zu verwundern, wenn man die „Generäle" und deren Generalstabsoffiziere dieser Zentrale kennt. Welche Erfolge waren zu erwarten von einer Wahlaktion, die ganz in den Händen eines hochstaplerisch veranlagten jungen Studenten lag? Das Hauptprogramm lautet: zuerst Mitgift-, später Mandatsjägerei. Ihre Taktik besteht darin, das Volk jahrelang politisch unaufgeklärt zu lassen, in der Presse nur den Haß gegen die Juden des Polenklubs und alle anderen, die sich mit ihnen nicht solidarisieren, großzuziehen, um zur Wahlzeit diesen Haß für die zionistischen Kandidaten auszunützen. Dieser demagogischen Art entspricht auch der Köder, mit welchem die jüdischen Wähler gefangen werden sollen. So heißt es: „Wer nicht will, daß die jüdischen Kinder getauft werden, wähle den Dr. X. Y." „Wer nicht will, daß der Samstag den Juden geraubt werde, der wähle den Dr. X. Y." „Wer nicht will, daß das rituelle Schächten aufgehoben werde, stimme auf Dr. X. Y." Dazu kommt noch ein Fluch all' den Juden, welche für einen Zionisten nicht stimmen, ein spezieller Fluch auch denen, die sozialistisch wählen wollen. Mit diesem Programm wollten diese Kandidaten uns im Parlamente vertreten. Wenn noch dazu gerechnet wird die genährte Verhetzung der Juden gegeneinander in rote, schwarze und sonslige Moschkos wird es klar, daß die wahrhaft reifen jüdischen Wähler solchem System entgegentraten und trotz des zionistischen Terrors die zionistischen jüdisch-national-demokratischen oppositionellen Kandidaten bekämpften. Dementsprechend fielen auch die Wahlresultate aus. Die Mitgiften erlitten große Einbußen, es halfen nicht Kirchenspenden, Stimmenkauf, Flüche, religiöse Heuchelei, Aufhetzung der Kinder gegen die Eltern, das Packeln mit den AUpolen und Schöntun den Ruthenen, die Kandidaten in figura Reich, Zipper, Ringel etc. wurden ins Cafe Grand geschickt, von wo aus das Geschick der galizischen Juden geleitet wird. Es ist wohltuend, daß diese Herren Salonpolitiker, welche nebst ihrem Chauvinismus zu Klerikalen sich ausbildeten, politisch kalt gestellt wurden. Diese Herren haben zur Antwort bekommen, daß die galizischen Juden sich von ihnen nicht bevormunden und die freie Meinungsäußerung vergewaltigen lassen wollen, insbesondere, daß sie das verhetzende Treiben verpönen. Wie es eben nicht angeht, daß ein Häuflein junger Leute, weil sie Schekel zahlen, uns bevormunden, gehe es auch nicht an, daß die „Rada Narodowa* (Polnischer Nationalrat) uns Kandidaten aufoktroiere, ohne jede Widerrede. Dem muß entschieden entgegengetreten werden. Um dies zu können und den Wünschen der Juden in den einzelnen Wahlbezirken wirklich gerecht zu werden, müßte ein jüdischer Nationalrat geschaffen werden, in welchem Vertreter aller jüdischen Parteiungen Platz haben sollen. Ein solcher Nationalrat als ständige Körperschaft mit dem Sitze in Lemberg gedacht, hätte auch auf die jüdischen wirtschaftlichen Interessen im Lande Rücksicht zu nehmen. Mit dieser Institution, wenn sie das Vertrauen des jüdischen Volkes genießt, hätte dann die Landesregierung zu verhandeln und nicht je nach Befürwortung oder Statthaltergunst Kandidaten trotz mangelnder Qualifikation aufzudrängen. Käme ein solcher jüdischer Nalionalrat zustande, dann würde der politische Hader aufhören und vielleicht doch die heißersehnte Eintracht unter den Juden geschaffen werden können. Es ist Aufgabe der maßgebenden jüdischen Faktoren, ohne Rücksicht auf Parteistellung diesem Gedanken näher zu treten und ihn zu fruktifizieren. Die Drohobyczer Sehiesserei mögen sich die Herren vor Augen halten. Es steht nicht dafür, daß jüdisches Blut für Dr. de Löwenstein oder für einen Dr. Zipper vergossen werde. Es soll versöhnende Politik geführt werden, genehm den anderen Nationen im Lande, hauptsächlich Wirtschaftspolitik. An der Zeit wäre es! Die Kabbinerfrage in der L>eo]Doldsfadt. Euch bedaur1 ich am meisten, ihr wähltet gerne das Gute, Aber euch hat die Natur gänzlich das Urteil versagt. Goethe. Fast ist ein Jahr verstrichen, seitdem Rabbiner Dr. Elieser David s. A. plötzlich starb. Der greise und allgemein verehrte Rabbiner und Prediger Doktor S chmie dl hat im neunzigsten Jahre seines arbeitsr und erfolgreichen Lebens die Kanzel verlassen. Seit einem Jahre versehen die Gemeinderabbiner Dienst und Amt im Tempel der Leopoldstadt. Hoffentlich haben diese Herren ihre abwechselnden Predigten nicht als Kandidatenreden aufgefaßt, wenn auch die Gemeinde sie als solche betrachtet und beurteilt hat. Unwürdiger Wettstreit um die Predigerstelle der Leopoldstadt hätte aber alsogleich nach Eintritt der Vakanz vollkommen ausgeschlossen sein müssen. Viel weniger wichtige Fragen der Gemeinde wurden von der offiziösen und halboffiziösen jüdischen Presse mit Eifer besprochen. Ueber diese Frage schwiegen die Blätter und über allen Gipfeln war Ruhe. Um so unruhiger wühlten geschäftige Maulwürfe an den Wurzeln der Bäume. Es ist beklagenswert, daß Rabbiner direkt oder indirekt an Umtrieben beteiligt waren. Sie, die bei aller sonstigen Bescheidenheit und Demut im gottesfürchtigen Lebenswandel doch Stolz und Selbstbewußtsein, Männlichkeit und Standeswürde wahren und zeigen hätten sollen, liefen Trepp' auf, Trepp' ab und veranstalteten lächerliche Unterschriftensammlungen, schickten Deputationen, die sich jeder halbwegs beliebte und anerkannte Mann zu Dutzenden bestellen kann, zu dem Vorstande, der Steuer- und führerlos in dieser Frage umherirrte und das Quäntchen Mut nicht aufzutreiben vermochte, das zu tun, was das Einfachste, Ehrlichste und Selbstverständlichste gewesen wäre: denjenigen unter den Rabbinern Wiens auf die Kanzel der Leopoldstadt zu berufen, der bei dem ernsten, gebildeten, ehrlichen und durch Effekthascherei, Eitelkeit, Popularitätssucht nicht zu gewinnenden Teile der Gemeinde wirklich anerkannt und geehrt ist — wofern es einen solchen gibt. Die Gemeinde hat ihre Pflicht bis nun nicht erfüllt. Man muß sich ernstlich fragen: Ist unter den

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