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Neue Nationalzeitung · 1911-07-14 · Heft 14 (14.7.1911) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 14 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Neue National-Zeitung" Nr. 14 gutheißen, welches mit Menschenopfern den Weg des Polenklubs zur politischen Macht pflastert. Daß die tschechischen Abgeordneten, die vom Polenklub in ihren nationalen Kämpfen stets im Stiche gelassen wurden, die Greuel von Drohobyez mit ihren Namen decken wollten, wäre ein Bruch mit den freiheitlichen Traditionen des tschechischen Volkes, dessen Geschichte so viele Märtyrer aufzuweisen hat. Das Parlament wird über die Ereignisse von Drohobyez nicht bloß eine Debatte zu absolvieren haben; es kann sich nicht bloß darum handeln, daß ein Antrag herausgetüftelt wird, der Niemandem wehtut und daher von allen Parteien angenommen werden kann, sondern das Parlament muß, wenn es seine Pflicht voll erfüllen soll, den Ermordeten von Drohobyez eine Sühne verschaffen. Der Ministerpräsident — mag er Baron Gautsch oder wie immer heißen — kann in Galizien ohne Zustimmung des Statthalters nicht einmal einen Amtsdiener entlassen, geschweige denn den Statthalter selbst verabschieden. Das Parlament kann, wenn es will, den Bobrzyiiski wegjagen. Die Parlamentsdebatte ■wird zeigen, ob die maßgebenden Parteien soviel Mut und Selbstachtung besitzen, denjenigen festzunageln, dessen Werkzeuge der Bezirkshauptmann und der Bezirkskommissär waren. Das wäre kein Kunststück, zwei Subalternbeamte, weil sie gesetzwidrige Beiehle plump ausgeführt haben, der empörten Oeffentlichkeit hinzuwerfen. Das Parlament hat die verfassungsmäßige Aufgabe, die Exekutive zu kontrollieren und es darf keinen Beamten im Staate g^ben, der über da^: Urteil des Parlamentes erhaben wäre. Dr. Bobrzyiiski muß vom Schauplatze seiner verhängnisvollen Tätigkeit verschwinden. Das ist die Sühne für Drohobyez. Das neue Parlament steht vor einer Feuerprobe. Es wird uns zeigen, ob der Parlamentarismus in Oesterreich wert ist, daß für ihn menschliches Blut fließe. L. KultnspräsideBt Jacob Feuerstein. Es wird anläßlich der Drohobyczer Ereignisse sehr viel von Jacob Feuerstein, oder wie erimVolksmunde heißt, Jankel Feuerstein, gesprochen. Ihm wird die Hauptschuld an der Katastrophe zugeschrieben, da er als Hauptagitator des Dr. Löwenstein bei allen Schwindeleien und Erpressungen die Hauptrolle spielte. Feuerstein hat gegen den Willen der Bürger die Wahl Löwensteins ertrotzen wollen und er hat bei der Wahl der Mittel seine moralische Verkommenheit bewiesen. Daß ein solcher Mann es bis zum Kultuspräsidenten bringen konnte, beweist, wie das jüdische Gemeindeleben in Galizien aussieht. Feuerstein mag weiter gestützt »von oben" Präsident des Kahals bleiben; sein Name wird stets vom Fluche seiner Mitbürger belastet sein und an seinem Andenken wird das vergossene Blut von Drohobyez kleben. Wir erhalten aus Drohobyez über Jacob Feuerstein nachstehende Zuschrift: Jankel Feuerstein, ein „Gemeiner", avanciert zum „Führer" der Intelligenz in Drohobyez. Dieser, des Schreibens kaum notdürftig Kundige wird in manchen verlogenen polnischen Blättern als Führer der Drohobyczer Intelligenz ausgegeben. Der Krakauer „Czas" entblödet sich nicht, ihn als „Patrizier" zu nennen. Wer lacht nicht dabei: Jankel Feierstein ein „Patrizier"! Jankel, der seinen abgeleisteten dreijährigen Militärdienst als Gemeiner verlassen hat und es nicht einmal zum „Gefreiten" bringen konnte, dieser Jankel hat es zum „Führer" der Intelligenz, zum Vizebürgermeister, zum „Straßenträger" (Jankel Feuersteingasse), zum allmächtigen Wahlmacher und Gewaltherrscher, zum Präsidenten der jüdischen Kultusgemeinde in Drohobyez und sogar zum Ritter des Franz Josefs- Ordens gebracht! Er selbst rühmt sich, daß in Drohobyez kein Reichsratsabgeordneter gewählt, sondern von ihm ernannt werde. Das Gesetz gibt uns das Wahlrecht, von Jankel wird es geraubt! Interessant wäre es, die Personalschilderung zu kennen, welche der gewesene Drohobyczer Bezirkshauptmann Bobrzynski (ein naher Verwandter des gleichnamigen Statthalters) von Jankel in seinem Vorschlage zur Allerhöchsten Auszeichnung desselben gegeben hat. Noch interessanter wäre es, zu erfahren, für welche „Verdienste" Bobrzynski dessen Auszeichnung vorgeschlagen hat! Nach der durch Jankel über Drohobyez heraufbeschworenen Wahlkatastrophe mit Todten und Schwerverwundeten, mit Witwen und Waisen, wäre es schon wahrlich die höchste Zeit, den Drohobyczer politischen Kultusrat aufzulösen, um diesen unwürdigen Präsidenten „auszuschiffen", der dieses Ehrenamt mißbraucht und in die Bureaux der Kultusgemeinde, den Herd seiner Wahlschwindeleien, die betrügerischen Manipulationen mit den falschen Legitimationen und Stimmzetteln verlegt hat. * * * Die Protestversammlung iu der ßrigittenau. Am 3. d. M. veranstaltete der „Verband der östlichen Juden" im großen Saale des Cafe Lustig am Mathildenplatz eine sehr zahlreich besuchte Protestversammlung behufs Stellungnahme zu den traurigen Ereignissen von Drohobyez. Den Vorsitz führte Vorstandsmitglied Hermann Dickstein; das Referat erstattete der Verbands- Präsident Dr. S. R. Landau. Dr. Landau schilderte eingehend die traurige politische Lage der Juden in Galizien und den Terrorismus, dem die jüdischen Wähler ausgesetzt waren. Die Vorgänge in Drohobyez sind der Ausfluß eines allgemein geübten Systems, dessen Durchführung nur plumper und rücksichtsloser ausgefallen ist. Eine Remedur könne nur auf parlamentarischem Wege erfolgen. Es sei daher Aufgabe der jüdischen Wähler des Westens von ihren Abgeordneten nachdrücklichst eine entschiedene Stellungnahme zu verlangen. Redner beschäftigte sich dann eingehend mit der korrupten Rolle, welche Dr. von Löwenstein im politischen Leben Galiziens spielt und bezeichnete es als ein Sympton der Gesundung, wenn dieser Mann endlich unter dem Drucke der allgemeinen Entrüstung vom öffentlichen Schauplatz versehwinden muß. Die polnischen Wähler haben ihn bei den Gemeinderatswahlen trotz seines aufdringlichen polnischen Patriotis-

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