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Neue Nationalzeitung · 1911-07-14 · Heft 14 (14.7.1911) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 14 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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N2Ü& WCiONßL-ZBDUNG XIII. JAHRGANG. WIEN, 14. JULI 1911. Nr. 14. Das Parlament und der Massenmord in Drohobycz. Den ersten Gegenstand, welcher das in wenigen Tagen zu eröffnende neue Parlament beschäftigen wird, dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach der Massenmord von Drohobycz bilden. Die oppositionellen, außerhalb des Polenklubs stehenden Elemente aus Galizien werden pflichtgemäß für das vergossene Blut von 67 Menschen von der Staats- und Militärverwaltung Rechenschaft fordern; und das Material, das sie von der parlamentarischen Tribüne der großen Oeffentlichkeit vorlegen werden, wird uns einen Einblick eröffnen in den schauderhaften Abgrund der Wahlkorruption und des Terrorismus, wie sie zur Schande des österreichischen Namens in Galizien herrschen. Es wird zweifellos eine große, bewegte Debatte sein, an der sich alle Parteien des Hauses beteiligen werden. Was in Drohobycz geschehen ist, geht über das Interesse der jüdischen Wähler und der jüdischen Abgeordneten hinaus. Die Opfer der Manlichergewehre gehören allen Nationen des Landes an. Nicht nur Juden, sondern auch Polen und Ruthenen, Greise, Frauen und Kinder, die am Wahlkampfe gar nicht beteiligt waren, sind hingemordet worden. In Drohobycz wurden nicht bloß Wähler brutal verhindert, ihr Wahlrecht auszuüben, sondern es wurde auch das Leben zahlreicher Menschen vernichtet — im Dienste eines Stanczykenknechts. Man ist also in Galizien buchstäblich seines Lebens nicht mehr sicher, wenn man nach seiner Ueberzeugung wählen will; ja es sind auch diejenigen, die gar kein Wahlrecht haben, ihres Lebens nicht sicher, wenn es gilt, den Kandidaten des Polenklubs und seines Protektors durchzusetzen. Das sind nicht bloß Redensarten. Das ist traurige Wahrheit. Drohobycz hat es bewiesen. Wie immer die oppositionellen Abgeordneten aus Galizien die politischen Zustände grell schildern werden; das traurige Bild bleibt hinter der Wirklichkeit zurück. Das Parlament wird nicht bloß die Aufgabe haben, diese Reden anzuhören und ihnen einen Ressonanzboden zu geben, sondern auch die Pflicht, durch eine energische, ernste Stellungnahme zu diesen Ereignissen sie für alle Zukunft unmöglich zu machen. Es wird sehr viel darauf ankommen, wie sich die Gzechen und die Deutschen verhalten werden, ob erstere aus Gründen slavischer Solidarität den Polenklub und letztere aus gouvernementaler Gesinnung die Regierung werden decken wollen, ob ihnen beidenmomentane Zweckmäßigkeitsgründe wertvoller sein werden, als das Leben und die Freiheit ihrer Mitbürger. Sollte beides der Fall sein, sollten Czechen und Deutsche sich mit lendenlahmen Erklärungen begnügen, im Glauben, schon das Höchste getan zu haben, wenn sie für einen Dringlichkeitsantrag von problematischem Wert stimmen, dann hätten sie im Zeitalter des allgemeinen Wahlrechtes die drei Völker Galiziens an eine konservative Klique und ihre bürgerlichen und bäuerlichen Lakaien für immer ausgeliefert und sie hätten das Recht verloren, jemals das Wort Freiheit in den Mund nehmen. Doch wir wollen lieber daran nicht glauben. Die Niederlage der Christlichsozialen beweist, daß man nicht straflos die Freiheit knebeln darf und selbst die stärkste Partei von dem Strafgerichte der Wähler hinweggefegt werden kann, wenn sie ihre Macht für persönliche Zwecke mißhraucht. Der deutsche Nationalverband wird der Stimmung seiner Wähler und der prekären Lage der Deutschen in Galizien Rechnung tragen; beide können unmöglich das System Bobrzynski-Feuerstein

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