Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 13 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 „Neue National-Zeitung" Seite 7 Nachbemerkung. In dem eben zur Ausgabe gelangten „Harnack- Heft" der Preuschen'schen Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft, Heft 2/3, welches Harnack zum 60. Geburtstag gewidmet ist, bespricht S. A. Fries— Stockholm, der in unsern Oden gern montanistische Lieder aus dem zweiten Jahrhundert erkennen möchte, den Standpunkt, den Harnack diesen gegenüber einnimmt und gegen denselben polemisierend, sagt er: „Der stärkste Grund für Harnacks Standpunkt wäre ohne Zweifel, wenn der Nachweis erbracht werden könnte, daß die Oden Salomos Diöge enthielten, die sich nur aus einem jüdischen Hintergrund erklären ließen." Nun wohl, den Weg zu zeigen, auf welchem dieser Nachweis mit Erfolg geführt werden kann, war die Aufgabe, die ich mir in diesem Referat gestellt habe. Und ich erachte mich, eingedenk der Mahnung Hillels Abot II, 6 f, dazu berechtigt, nicht bloß, weil ich nahezu ein Vierteljahrhundert hindurch — bekämpft von hüben und drüben — die Ueberzeugung verfocht, daß es in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten ein weitausschauendes, wahrhaft liberales Judentum gegeben, ähnlich demjenigen, wie es in unsern Oden in die Erscheinung tritt, sondern auch weil dieser selbe Stockholmer Gelehrte, der den Oden Salomos alles spezifisch Jüdische absprechen will, dennoch die Möglichkeit zugibt, „daß es solche Richtungen im Judentum gab, die recht wohl als „johanneische" charakterisiert werden können" und des weiteren hinzufügt: „Was von Friedländer in seinem Werk „Die religiösen Bewegungen innerhalb des Judentums im Zeitalter Jesu" . . *\ als Beweis hiefür angeführt' ist,ist jeder Beachtung wert." Und selbst die „Stimmen aus Maria Laach", ungeachtet sie gelegentlich einer Anzeige meiner Schrift „Synagoge und Kirche" meine Behauptung eines Christuskultus vor Jesus „reinste Erdichtung" nennen, räumen mir dennoch ein: „Gerade die neuentdeckten Oden Salomos zeigen, daß Friedländer manche richtige Ahnung gehabt hat" (Heft 9, Seite 427, 1910). Es ist tief bedauerlich, daß unsere Rabbiner — heutzutage fast die einzigen Pfleger der jüdischen Wissenschaft — diesem so hervorragend wichtigen Funde, der miteins das Dunkel der einzigartigen, eine ganze Welt durchzitternden religiösen Bewegungen im Judentum der letzien vorchristlichen Jahrhunderte blitzartig erhellt, so gar kein Interesse entgegenbringen und es einem sonst lediglich der Politik gewidmeten Blatte überlassen, das gebildete jüdische Publikum auf denselben aufmerksam zu machen. Mögen sie das zum Schaden der jüdischen und der religiösen Wissenschaft überhaupt Versäumte nachholen! Hie Rhodusl *) Erschienen im Jahre 1905, wo also die Oden Salomos noch lange nicht entdeckt waren. Uebersfedlungsanzeige. Die Kanzlei des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. S. R. Landau befindet sich ab Mai 1911 I-, Oppolzergasse 4 ~"*E (nächst dem Hofburgtheater). T)er Jahresbericht des Jfilfsvereines der Deutschen Juden. Berlin, im Juni. Der Hilfsverein legt nunmehr seinen neunten, 300 Seiten starken Geschäftsbericht vor. Aus der Fülle seiner Tätigkeit sei hier besonders dasjenige hervorgehoben, was der Hilfsverein in Oesterreich, respektive in Galizien, und was er für die jüdischen Auswanderer geleistet hat. Ich denke, daß in Oesterreich diese Zweige seiner Tätigkeit die Oeffentlichkeit am meisten interessieren werden. Die Hilfstätigkeit in Galizien. Der Jahresbericht behandelt sehr eingehend die Proletarisierung der galizischen Juden durch die Aufhebung der Propination und schildert die dagegen bisher seitens der Pariser Ica und der galizischen „Landesregierung" (es soll richtiger heißen: des Landesausschusses) getroffenen Maßnahmen. Ueber die von der Ica mit der strengsten Geheimtuerei nach Wien einberufenen Konferenzen lesen wir folgendes: „Auf Einladung der Jewish Colonization Association haben unter Vorsitz von Herrn Justizrat Doktor B1 a u-Frankfurt a. M. Konferenzen zur Beratung über die Notlage der galizischen Juden und die Mittel zu ihrer Linderung im Oktober und November des Jahres 1910 stattgefunden. Es waren an den Konferenzen die folgenden Organisationen beteiligt: Isr. Allianz, Wien, Baron Hirsch-Stiftung, Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien, Wien, Hilfsverein der Deutschen Juden, Berlin, Großloge für Deutschland, Berlin, Jüdischer Frauenbund, Berlin, Großloge für Oesterreich, Alexander und Fanny Simonsche Stiftung, Hannover, Alliance Israelite Universelle, Paris, Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden, Frankfurt a. M., Israelitische Kultusgememde, Wien. Außerdem wohnte ihnen eine Anzahl Einzelpersonen, namentlich aus Galizien selbst, bei. Die Vertretung des Hilfsvereins der Deutschen Juden hatte Herr Dr. P. Nathan übernommen. Auch andere Mitglieder unseres geschäftsführenden Ausschusses und Zentralkomitees, so neben Herrn Justizrat Dr. Blau die Herrn Dr. James Simon und C. L. Netter (als Vertreter der Jewish Colonization Association) und Herr Siegmund Bergel (als Delegierter der Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B.) waren zu den Beratungen erschienen. Die Verhandlungen waren vertraulich; es kann daher zurzeit Näheres darüber hier nicht mitgeteilt werden. Es steht — soviel können wir sagen — zu hoffen, daß es dem Zusammenarbeiten der jüdischen Vereinigungen mit berufenen Vertretern in Galizien selbst gelingen wird, Mittel und Wege für eine Besserung der furchtbaren Zustände in Galizien zu finden. Es kommt alles darauf an, im Lande selbst innerhalb der galizischen Judenheit die geeigneten Stützpunkte für die wirtschaftliche und insbesondere, was nach Lage der Dinge noch schwerer ist, die kulturelle Hilfsaktion zu finden. Das dauernde Fundament für eine gesunde Entwicklung kann nur