Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 13 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 13 die Selbsthilfe sein, und alle Richtungen der galizischen Judenheit müssen sich die Hand reichen, wenn eine erfolgverheißende Sanierung, die sich nicht nur auf den Augenblick erstreckt, sondern auch mit der Zukunft rechnet, erfolgen soll. Es ist hier wie überall ein Kampf um die Jugend, der geführt wird. Gelingt es, die jungen Generationen für Welt und Leben zu gewinnen, ohne die bestehenden religiösen Anschauungen anzutasten, so hat die Stunde der Erlösung aus der Tiefe ihres Elends auch der galizischen Judenheit geschlagen. Bei diesem Hilfswerke, das für Galizien durch Galizien unter Beistand der ausländischen Organisationen geleistet werden soll, wird auch der Hilfsverein der Deutschen Juden gern, soweit es ihm möglich, seine Mithilfe; leihen." Aus diesen allgemeinen Redensarten wird man also nicht viel klüger. Dagegen ist es erfreulich, daß der Hilfsverein in Bezug auf Jugendfürsorge in Galizien praktisch etwas leistet Er subventioniert den Kindergarten in Stanislau mit 1000 Mark und den Kindergarten in Kolomea mit 1500 Kronen; das Mädchen-Waisenhaus in Tarnopol erhält einen jährlichen Beitrag von 500 Kronen. Weiters erhielt die Kreditgenossenschaft für den Kleinhandel und das Kleingewerbe in Kolomea ein Darlehen von 15.000 Kronen; die Aktion des Wiener „Hilfsverein für Galizien" zur Unterbringung galizischer Knaben als Lehrlinge in Westösterreich, resp. Deutschland), wurde im Jahre 1910 mit 1182.58 K unterstützt Wenn auch die Gesamtsumme aller dieser Beiträge keine besonders namhafte ist und es gewiß der jüdischen Wohltätigkeit in Galizien keineswegs zur Ehre gereicht, auf derartige Subventionen vom Auslande angewies>öri zu sein, so ist jedoch, angesichts der tatsächlichen Verhältnisse, die Bedeutung dieser Hilfstätigkeit für Galizien nicht zu unterschätzen. Emigrationstätigkeit. Der Hilfsverein unterhält ein „Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheite n." Der Bericht desselben ist sehr belehrend und gibt, soweit eine jüdische Statistik von den berufenen Öffentlichen Behörden ausgewiesen ist, genauen Aufschluß über die jüdische Auswanderung aus Europa via Hamburg und Bremen. Hamburg. Ueber Hamburg wanderten im Jahre 1910 insgesamt 118.131 Auswanderer aus, davon gingen: nach Amerika (Vereinigte Staaten)..... 103.077 Personen „ England............. 2.138 „ „ Britisch Nordamerika (Kanada)..... 5.795 „ „ Argentinien.............. 5.285 , „ Brasilien............ . . 1.764 „ anderen Staaten Südamerikas...... 17 „ „ Mexiko und Zentralamerika...... 17 „ „ Afrika................ 35 „ Westindien.............._3 „ llß.131 Personen Leider fehlt bei diesen statistischen Angaben der Nachweis, wie viele Juden sich unter den Auswanderern befanden. Dagegen ist in den Angaben der Auswandererhallen die Zahl der Juden enthalten. Da die große Mehrzahl der jüdischen Auswanderer die Auswandererhallen aufsuchen muß, so erhalten wir aus dieser Uebersicht auch annähernd die Zahl der über Hamburg ausgewanderten jüdischen Emigranten überhaupt. In den Auswanderteorhallen waren in den einzelnen Monaten des Jahres folgende Auswanderer untergebracht. In den Aus wander erhallen untergebrachte Auswanderer (1910). Monat Russen Oesterr.- Ung. ßum. etc. dam Juden mter Christen Gesamtsumme Januar . . 2877 4799 1575 6101 7676 Februar . 4107 6152 1527 8732 10259 März . . . 4016 6258 1709 8565 10274 April . . . 4526 5472 522 9467 9998 Mai . . . 4748 6052 1744 9056 10800. Juni .... 4047 3422 1749 5720 7469 Juli .... 3960 2581 2141 4400 6541 August . . 3784 2958 1960 4782 6742 September . 4843 3153 1657 6339 7996 Oktober . . 4443 3317 940 6820 7760 November . 4617 3876 3157 5336 8493 Dezember . 3102 2861 , ..2296 3637 5963,. 49070 50901 20977 78955 99971 Zu den 20.977 jüdischen Emigranten, die im Jahre 1910 durch die Auswandererhallen hindurchgegangen sind, müssen wir noch etwa 2000 hinzufügen, die außerhalb der Auswandererhallen logierten, so daß wir mit einer Geisamtzahl von rund 23.000 Juden rechnen müssen, die Hamburg als Abfahrtshafen benützt haben. Das sind etwa 20 Prozent aller Auswanderer, die durch Hamburg gingen. Ueber die Länder, denen diese* Massen jüdischer Auswanderer zuströmten, sind genaue Aufzeichnungen nicht veröffentlicht. Aber die einzelnen Einwanderungsländer sind von ihnen in dem gleichen Prozentsatz aufgesucht worden, wie von der Gesamtheit der Auswanderer. Die Fürsorgetätigkeit für die Auswanderer in Hamburg allein kostete den Hilfsverein 95.000 Mark. Bremen. In Bremen wurden über 50.000 Mark verausgabt, um den jüdischen Emigranten, die auch hier recht zahlreich waren, die nötige Hilfe angedeihen zu lassen. Ueber Bremen sind im Jahre 1910 insgesamt 157.896 Emigranten ausgewandert. Die Zahl der Juden, die sich darunter befanden, war, wie die folgende Uebersicht ergibt, 19.750, also etwa, 12,5%,