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Neue Nationalzeitung · 1911-06-30 · Heft 13 (30.6.1911) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 13 (30.6.1911)
Date
1911-06-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13 „Neue National-Zeitung" Seite 5 Die zionistischen Kandidaten — durchgefallen. Das Resultat der von der zionistischen Parteileitung in Lemberg aufgestellten Kandidaturen ist folgendes: 6efa 11 en sind: Dr. Goldberg (Sanok); Dr. Samuel Rappoport zweimal (Zolkiew und Landgemeinden Gzortkow); Dr. Salz (Landgemeinden Buczacz); Dr. S c h a 1 i t (Landgemeinden Kolomea); Adolf Stand dreimal (Brody, Lemberg und Tarnopol); Dr. Z i p p e r dreimal (Drohobycz, Kolomea und Stanislau). Dr. Reich zweimal (Stryj und Landgemeinden Skalat); Dr. Ringel (Buczacz). Schlußresultat: Die Mandate von Brody und Landgemeinden Gzortkow sind verloren, kein neues wurde erobert. * * * Stichwahl in den Bukowinaer Städten. Lucian B r u n n e r ist bei der Stichwahl infolge von Pressionen und Terrorismus gegen den Christlichsozialen Hruschka gefallen. Alle Bemühungen, dieses zweite Bukowinaer Städtemandat für die jüdische Sache zu retten, waren vergeblich. Die Polen und Ruthenen einerseits, die Behörden andererseits haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um keinen Juden aufkommen zu lassen. Hruschka hatte beim ersten Wahlgange ^gegenüber Brunner um 4IQ Stimmen mehr, bei der Stichwahl um 1355. Offenbar haben viele Juden für den Christlichsozialen gestimmt. Es kam auch zu blutigen Exzessen, die gewiß vermieden werden könnten, wenn die Bezirkshauptleute rechtzeitig dieselben hätten verhüten wollen. lieber die Exzesse in Sereth berichtet das „Czernowitzer Tagblatt*: „Sereth, 19. Juni. Gestern kam es hier anläßlich der Reichsratswahlbewegung zu blutigen Schlägereien. Nach einer Versammlung des Kandidaten Lucian Brunner, die am Nachmittag stattfand und ruhig verlief, kamen ungefähr 20 Bauernburschen aus dem Euina-Viertel in die Stadt. Dieselben begleiteten den Kandidaten Brunner, dessen Automobil sich vom Hotel „Annahof" aus gerade in der Sichtung nach Suczawa in Bewegung setzte, gleichsam als Erwiderung auf die „Hoch-Kufe" seiner Anhänger mit unausgesetzten schrillen Pfiffen. Bald kam es zu kleinen Auseinandersetzungen zwischen den bäuerlichen Anhängern Hruschkas und Brunners, die schließlich in eine wüste Schlägerei ausarteteten. Zu den Bauernburschen gesellte sich bald eine größere Anzahl Bauern, die mit den zahlreichen Teilnehmern an der Versammlung Brunners eine mehrhundertköpfige Menge auf dem Eingplatz bildeten. In wenigen Minuten gerieten die bäuerlichen Anhänger Hruschkas und Brunners in ein Handgemenge und im Nu sah man von allen Seiten Stockhiebe niedersausen, vor denen die Versammmelten auseinanderstoben. Zahlreiche Personen flüchteten in das Kommunalgebäude und von allen Seiten erschollen Hilferufe. Die Gendarmerie, die sofort zur Stelle war, zog vom Leder und in wenigen Minuten war die Kühe wieder hergestellt. Im Handgemenge hatten schwere Verletzungen erütten: Leib Drach, Beamter der Krankenkasse, Jakob Wolf Grabe, Schneider, Moses Nachman Klein, Kaufmann. Frau Sara Schlauch und ein Bauernbursche, dessen Namen vorläufig nicht bekannt ist. Außerdem wurden einige Personen unerheblich verletzt. Am Vorabend herrsehte, nachdem mehrere Verhaftungen vorgenommen worden waren, in der Stadt vollkommene Ruhe. Herr Bezirkshauptmann Bohosiewicz ordnete sofort eine Verstärkung der Gendarmerie an, die, ebenso wie die Finanzwache, während der ganzen Nacht durch die einzelnen Gassen und Straßen patroullierte. Im Laufe der Nacht ereignete sich kein besonderer Zwischenfall. Nur im Ruinaviertel schlugen einige Bauernburschen bei den Schenkern Israel Katz und Süssie Fleischer die Fensterscheiben ein. Ebenso wurden beim Lehrer Prodaniuk die Fensterscheiben eingeschlagen und derselbe am Leben bedroht. * Interpellation. Ueber die Wahlschwindeleien in den. drei Städten hat der neu konstituierte Jüdische Landtagsklub nachstehende Interpellation an den Landes- * Präsidenten Baron Bleyleben gerichtet: „Die unterzeichneten Mitglieder des Jüdischen Landtagsklubs stellen unter Hinweis auf die aus Anlaß der Wahl eines Reichsratsi, abgeordneten für den Wahlbezirk der drei t Städte Suczawa, Sereth und Radautz behaupteten und namentlich in. der Volkspresse vom 24. Juni 1911 geschilderten k r assenWahlmißbräuche, welche geeignet sind., das ohnehin durch verwerfliche Agitationsmittel erschütterte Rechtsbewußtsein der Wähler dieser Städte und in weiterer Folge auch des ganzen Landes völlig zu untergraben, indem von Seite der zur Einhaltung der von ihnen beschworenen Gesetze in erster Reihe verpflichteten Staats- und Gemeindeorgane gesetzlich verpönte Wahlnötigung auf die Wähler geübt und durch unstatthafte Praktiken das Wahlergebnis gefälscht worden wäre, an seine Exzellenz den Herrn Landespräsidenten die Anfrage, ob Seine. Exzellenz eine gründliche und objektive Untersuchung dieser behaupteten Mißbräuche und Gesetzeisverletzungen im Wege anderer als der an dem Ausgange fler Untersuchung interessierten Organe veranlassen und die Schuldigen der verdienten Strafe zuführen wolle." Proiesspr Kellner und A(folf Stand. Die „Volkswehr" des Dr. Straucher berichtet: „Der gewesene Abgeordnete Adolf Stand wandte sich an Professor Kellner telegraphisch mit dem Ansuchen, er möge ihm gestatten, seinen Namen auf einen Wahlaufruf zu setzen. Prof. Kellner lehnt dies brüsk ab. Nun, nach \dem großen Erfolg, den seine Unterschrift auf dem Plakat des Deutschnationalen Skedl in Czernowitz erzielte, war ja auch da nichts zu erwarten. Aber bezeichnend ist es, daß der „große" Jurist Kellner seine Unterschrift für einen Stand verweigert, während er für Dr. Mahler ganze Romane schreibt. Das ist Professor Kellners „ehrliche" Politik." Wir finden diese Episode insofern interessant, als bekanntlich Herr Stand sich im Zwist Straucher- Kellner auf Seite des letzteren gestellt hat. i

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