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Neue Nationalzeitung · 1911-06-16 · Heft 12 (16.6.1911) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 12 (16.6.1911)
Date
1911-06-16
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 12; Straucher eine gesicherte Wiederwahl, trotzdem ihm ein sozialdemokratischer Kandidat und der „Altliberale* Wallstein als Faustkandidat entgegentreten. Die Partei des Prof. Kellner beteiligt sich an der Wahl in diesem Bezirke gar nicht. In Czernowifz-West kandidiert diesmal gegen den bisherigen sozialdemokratischen Abgeordneten Grigorovici Hofrath Skedl. Er hat sein sicheres Mandat in den drei Städten infolge Intervention der Regierung verlassen, um diesen Wahlkreis den Sozisldemokraten wegzunehmen. Ob jedoch sein bisheriges Mandat für einen Juden erobert und damit der Wunsch unserer gesamten jüdischen Bevölkerung in der Bukowina endlich verwirklicht wird, in der Bukowina zwei jüdische Reichsrats-Mandate zu besitzen, ist noch sehr fraglich. In den Städten Radautz-Suczawa-Sereth besitzen die Juden zirka 42 Prozent Wähler. Sie können daher das Mandat nur dann für sich erobern, wenn sie von einer der anderen drei Nationalitäten unterstützt werden. Diese Unterstützung ist jedoch noch fraglich. Die notwendigste Bedingung des politischen Paktes mit Hofrat Skedl: daß die Juden ihn nur dann in Czernowitz-West unterstützen werden, wenn die Deutschen in den drei Städten den Juden unterstützen — wurde nicht vereinbart . . . Die Juden unterstützen also den Hofrat Skedl üb er Wünsch de r Regierung in Czernowitz-West, dagegen kandidieren die Deutschen in den drei Städten den Christlichsozialen Hruschka, welcher als „Christ" auch die anderen Nationalitäten zu sich herüberzieht Die Juden sind also die Gefoppten. Die Wahlen werden ja zeigen, ob ich Recht habe. Von jüdischer Seite kandidieren nun endgiltig Dozent Dr. Mahler als Kandidat der Kellner-Partei und Lucian Brunn er als selbständiger Kandidat ohne Unterstützung einer Landespartei. Gestern hat eine geheime Konferenz der Vertreter der Landes-Parteien unter Vorsitz des Abg. v. Wassilko stattgefunden und wurde der Beschluß gefaßt, Herrn Lucian Brunner nicht zu unterstützen. Ein positiver Beschluß ist nicht zustande gekommen. Es läßt sich heute nicht sagen, welcher von beiden jüdischen Kandidaten mehr Chancen hat. Für Herrn Brunner sprechen sehr viele klingende Argumente. Aller Voraussicht nach dürfte es zwischen Hruschka und einem Juden zu einer Stichwahl kommen. Das endgiltige Resultat ist aber sehr unsicher, es herrscht diesbezüglich unter den Juden eine große Beunruhigung und die Sozialdemokraten von Czernqwitz-West nützen das für sich aus, indem sie darauf hinweisen, daß die Juden hintergangen wurden. Die Cousine des I^ultusvorsfandes. Von hervorragender Seite schreibt man uns : Ein aufregendes Kapitel der politischen Zeitgeschichte Oesterreichs, jenes von dem unrühmlichen Zusammenbruch des Koalitionsministeriums Plener- Made>jski Mhrt den Titel: j,Die Nichte der Koaliton". Die Oeffentlichkeit beschäftigte sich vielfach mit der; damaligen Protektionswirtschaft und als bekannt wurde, daß ein Beamter, nicht wegen seiner Verdienste, sondern weil er eine Verwandte des Ministers Madeyski: geheiratet hatte, außertourlieh befördert wurde, erregte der Vorfall in. der Oeffentlichkeit und im Parlamente, einen Entrüstungssturm, der den Minister Madeyski weggefegt und der „Koalition? ein Ende bereitet hat. Der; betreffende Beamte aber wurde nicht anders denn als die „Nichte der Koalition" sowohl in der Oeffentlichkeit als auch in intimen politischen Kreisen benamset. Ein Hauptmacher und Oberprotektor in der Verwaltung der Kultusgemeinde ist derzeit unstreitig kais. Rat Sigmund K a u d e r s. Wer diesen Weingroßhändler von Simmering mit seinen vielen Millionen un$ armseeligen Bildung kennt — der wird die geistige Kapazität einer Körperschaft zu taxieren wissen, in welcher ein Sigmund Kauders die Führerrolle innehaben darf und kann. Herr Sigmund Kauders ist auch Obmann des Mikwah-Komitees; die Erbauung der Mikwah unter seiner Oberleitung hat Unsummen verschlungen — auf Kosten der armen Steuerträger. Nach vielen Katastrophen ist diese unglückselige Mikwah endlich fertiggestellt und der öffentlichen Benützung übergeben worden und nun zeigt sich, daß der Obmann des Mikwahkomitees zur Kassiererin bei dem neuen Institut seine eigene Cousine bestellt hat. Es haben sich aber zahlreiche arme würdige Familienväter um diesen Posten bemüht und einer dieser Bewerber hatte sogar ziemliche Chancen. Zu seinem Unglück entdeckte man, daß er der entfernte Verwandte eines Wiener Rabbiners ist und der strenge Präsident Dr. Alfred Stern entschied kategorisch: „Das ist gegen das Reglement! Ein Angestellter darf nicht mit einem Beamten verwandt sein!" Natürlich! Denn der Posten war bereits für die „Cousine des Kultus Vorstandes" bestimmt. Man solte zwar meinen, daß Herr Kauders reich genug ist, seine Verwandten selber zu versorgen und daß es ganz ungehörig, eine Korruption ist, seine Stellung als Kultus Vertreter zu mißbrauchen, um seine Verwandten auf Kosten der Steuerträger zu versorgen, während es zahlreiche würdigere Anwärter gibt, die nicht das Glück haben, Cousins oder Cousinen von Millionären zu sein. Wenn die von den jüngstgewählten Mitgliedern des Vorstandes in Aussicht gestellte »volkstümliche8 Verwaltung so ausschaut, dann haben die neuen Besen sehr schlecht gekehrt. AUEN WEIAKiieN Die „Universitätsmakler" in Russland. Durch einen Strafprozeß, der vorige Woche vor einem Odessaer Gerichtshofe zur Sehlußverhandlung gelangte, gewann die große Oeffentlichkeit Einblick in den moralischen Sumpf, in welchen die ganze russische Gesellschaft infolge der reaktionären Politik immer mehr geraten ist. Angeklagt waren einige Personen, Juden und JSTiehtjuden, dafür, daß sie jüdischen Studenten, die infolge der bestehenden „Prozentnorm" keinen Einlaß in die Hochschulen hätten erlangen können, diesen Einlaß auf Umwegen verschafften. Das Verbrechen dieser „Universitätsmakler", wie sie im Prozesse genannt wurden, bestand darin, daß sie im Wege ihrer hohen Verbindungen Empfehlungen für jüdische Studenten verschafften und diese Empfehlungen dann für bares Geld verkauften. Die Beschuldigten behaupteten, daß sie für die Empfehlungen, die sie verkauften, selbst auch in .der einen oder anderen Form bezahlen mußten. Es ist, interessant, die Liste derjenigen kennen zu lernen, von denen diese wertvollen Empfehlungen stammten. An der Spitze marschiert der berüchtigte Baron .Kaulbars, der schon so viele jüdische Existenzen vernichtet: hat, — mit seiner Tochter. Baron Kaulbars gab 16 verschiedene Empfehlungssehreiben, von denen jedoch bloß 9 berücksichtigt wurden, Ferner findet man in der Liste den Gher-

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