Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 12 (16.6.1911)
- Date
- 1911-06-16
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2425679-2425829-2425842--2057-2428460- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr 12 „Nette Nätional-Zeitung" Seite 7 haben öder nur aus Eitelkeit kandidieren". Es wird darin auch sehr viel von den Pflichten der Juden erzählt ... Ueber die Rechte der Juden, über die Haltung des Polenklubs gegenüber der Gleichberechtigung, über seine Stellung zu den vitalsten Fragen der jüdischen Bevölkerung wird geschwiegen . . . Es ist sehr traurig* wenn der jüdische Wähler nur die Wahlhat zwischen den Anhängern dieser Proklamation und dem Herrn Stand samt Tischgesellschaft.. * # * Erpressungen im Namen des „Zionismus". Man schreibt uns aus Buczacz: Wie tief die Leute, die sich „Zionisten" nennen moralisch gesunken sind und zu welchen Schandtaten der Zionismus mißbraucht wird, möge folgender Fall beweisen, der jeden ehrlichen Zionisten anekeln muß. Wenn nun solche Veriotterungen mit dem Zionismus sich vereinbaren lassen, dann schäme ich mich, jemals Zionist gewesen zu sein. Der hiesige, sehr angesehene Kaufmann und Gemeinderat F. H. gehört zu den eifrigsten Anhängern des Dr. S. R. Landau. Was tun nun die hiesigen „zionistischen" Anhänger des Dr. Ringel? Mehrere von ihnen, Kaufleute (ich kann alle Namen angeben, wenn es von der zionistischen Presse geleugnet werden sollte), haben unter Führung eines verkommenen Subjektes, Namens Mechel Jägerndorf, den Herrn F. H. zu sich geladen und ihm erklärt, daß sie ihn, falls er sich nicht sofort von der Kandidatur des Dr. Landau zurückzieht, um sein Brot bringen werden. Sie werden alle Kaufleute von Buczacz veranlassen, an die Wiener Firma, deren Vertretung Herrr H. seit 19 Jahren hat, zu schreiben, daß sie mit dieser Wiener Firma so lange jeden Verkehr abbrechen, als Herr H. ihr Buczaczer Vertreter ist! In dieser Weise kämpfen Juden gegen Juden. Sie gehen an die Gurgel! Und diese Leute nennen sich „Zionisten". Pfui! * * Stand und Zipper teilen sich. Wie wir bereits mitgeteilt haben, hat Herr Stand seine Kandidatur in vier Bezirken, Zipper dagegen bloß in zwei Bezirken aufgestellt. Damit Herr Zipper als General der Partei nicht zurückgesetzt wird, ist ein Ausgleich erfolgt: 3 und 3: Stand hat an Zipper den Wahlkreis Stanislau abgetreten. Nun kann Herr Zipper dreimal durchfallen. Ein „Wiener Datsch" als Kandidat. Aus Jablonow schreibt man uns: Am letzten Sonntag hat sich bei uns Herrr Dr. Isidor Schalit aus Wien als Kandidat für den 56. Wahlkreis (Landgemeinden Kossow-Kuty) vorgestellt. Dr. Schalit hat seine Kandidatenrede deutsch gehalten; wir verlangten zwar, daß er wegen der hiesigen Polen auch polnisch spricht, aber es stellte sich heraus, daß Dr. Schalit keiner Landessprache mächtig ist. Unsere hiesigen Juden fragen sich nun: Wie kommt es, daß man den Doktor Landau, der seit 20 Jahren für die galizischen Juden arbeitet, der polnisch schreibt und spricht, für einen „Wiener Datsch" ausschreit und als solchen bekämpft, dagegen den Dr. Schalit, welcher nie Galizien gesehen hat keine Landessprache kennt, uns plötzlich als offiziellen Kandidaten herschickt? Glauben die Herren Stand und Zipper, daß sie so drehen können, wie sie wollen und daß man ihre Drehs nicht versteht? Gerade in unserem Bezirke, wo Doktor Try- 1 o w s k i als Majoritätskandidat die besten Chancen hat, könnte angesichts der großen Verirrung zwischen den Ruthenen ein jüdischer Kandidat für das Minoritätsmandat sehr leicht in Betracht kommen, wenn er auch polnische Stimmen bekäme. Die polnischen Stimmen wären zu erlassen, denn auch das zweite Mandat ist hier ein ruthenisches und die Polen hätten ein Interesse, es den Ruthenen abzunehmen. Und gerade hier wird ein jüdischer Kandidat aufgestellt, der mit den Polen nicht einmal sprechen kann. So macht die Lemberger Clique jüdische Politik! * * * Mit Revolver und Denunziationen. (Von unserem Lemberger Korrespondenten.) Die Zionisten spüren jetzt am eigenen Leibe die Vorteile der von ihnen inaugurierten Gewaltpolitik. Ebenso wie sie die Versammlungen des Dr. Landau in Buczacz und Sniatyn gesprengt haben, werden jetzt ihre Versammlungen gesprengt In Brody und Tarnopol wurde es dem Stand unmöglich gemacht, zu sprechen. Nun schimpfen sie über die — „Huligans". Ja, auf welcher Seite waren denn zuerst Huligans? ... Nun hat aber der Kampf zwischen den Zionisten und jüdischen Sozialisten eine Höhe der Verbitterung erreicht, wie man in Galizien noch nie gesehen hat. Am letzten Sonntag haben beide Parteien in einer Wählerversammlung in Stanislau aufeinander geschossen. Jüdisches Blut ist geflossen im Bruderkampfe . . . Den Studenten hat die Polizei Brownings und Boxers abgenommen; Waffen im Kampfe für die zionistische Sache . . . Daß unsere Zionisten auch von Denuntiatio n e n nicht zurückschrecken, beweist folgender Vorfall: In der letzten Nummer des zionistischen „Wschod" wurde der Sozialist Dr. Korkes denunziert, daß er sich vom Militär losgekauft hat . . . Eine saubere Presse, nicht wahr? Dr. Korkes hat als Revanche den Redakteur des „Wschod", Dr. R. auf offener Sraße geohrf e i g t. Es trennen uns noch einige Tage von den Wahlen; es kann noch schöner werden. Denn Stand und Diamant sind ja bei Leibe keine Mandatsjäger; sie verfolgen nur ihre höheren Ideale . . . * * * Die Wahlbewegung in der Bukowina. (Von unserem Korrespondenten.) Czernowitz, den 11. Juni. Zwei Tage trennen uns noch von den Reichsratswahlen. Die Situation hat sich so ziemlich geklärt. In Czernowitz-Ost hat der bisherige, um die österreichische Gesamtjudenheit hochverdiente Dr. Benno